Die Gotik in Oberösterreich

aus der Zeit und Richtung der Tafelbilder des Verduner Altares: dieser Zusammenhang sichert ihnen die Aufmerksamkeit und das Interesse jedes Kenners österreichischer Kunst. Von allen oberösterreichischen Städten hat Steyr bis heute den gotischen Charakter am besten bewahrt; das entspricht aud1 dem gesduchthchen Befund: Steyr war im 15. Jahrhundert vielleidit reicher, tätiger, betriebsamer, wie das allen Wirren ausgeseQte Wien; seine Lage an der bedeutsamen Straße, die das Eisen an die Donau schaffte, sidierte der Stadt alle Vorteile, ohne die ein Kunstleben undenkbar ist: materiellen Reichtum, Austausch der Kräfie, vielseitige Beziehungen zu fremden Kulturzentren. Neben Steyr waren Wels, Enns, Freistadt bedeutend, Linz aber als Kulturzentrum kaum nennenswert; Linz war nur Umsd1lagplaQ; die Residenz Kaiser Friedrichs III. hatte bei der Armut des Kaisers für das Kunstleben wenig zu bedeuten; wir wollen aber nicht vergessen, daß Dürers Vater den Kaiser einmal auf seinem Linzer Schloß besuchte und ilim Kunstwerke (wohl Stiche, Sdinitte lmd ähnliches) zum Kaufe anbot; der Brief, den er aus Linz an seine Frau, Dürers Mutter, sclu·ieb, ist in Nürnberg erhalten. Friedrid1 III. starb in Linz, Kaiser Maxinulian in Wels; dieser Kaiser weilte anläßlich der Jagd gerne in Steyr; wir finden ihn dargestellt auf dem bedeutendsten Kunstwerk, das Oberösterreich aus der Zeit der Spätgotik besiQt, der SchuQmantel-Mru-ia von Frauenstein bei Klaus; die überlebensgrnße Figur gilt allgemein als ein Hauptwerk des Augsburgers Gregor Erhart, der im Dienste des Kaisers eine Reiterstatue in Erz gießen sollte, ähnlich den Renaissance-Reiterbildnissen des Colleoni und Gattamelata in Italien; der Tod des Kaisers vermnderte dann die Ausführm1g dieses Planes. Dagegen hat sich die SchuQmantel-Maria des großen Augsburgers unberührt in dem Kirchlein in Frauenstein bei Klaus (Schnellzugstation der Pyhrnbalm) ei·- halten; ob sie in einer Steyrer Werkstatt entstand oder importiert wmde, ist nicht zu beweisen. Da aber die Hand Gregor Erharts auch am Kefermarkter Altar (an der heiligen Katharina im Gespreng, an den „Wäd1tern", run St. Cl1Tistoph und an den ornamentalen Teilen) festzustellen ist, anderseits andere Zusammenhänge des Kefermarkter Altru·es n1it gleichzeitigen Plastiken nad1 Steyr weisen, ist es wahrscheinlid1, daß in Steyr jene große Werkstatt bestand, Frauenstein bei Klaus, Photo: G. Gugenbauer Sdmqmantel-Maria, Detail. Um 1510 Stiftsmuseum St. Florian bei Linz, Photo: G. Gugenbauer Relief, Kaiser Maximilian, ca. 1520 2;

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