Fabrik wird Museum

Udo B. Wiesinger Demokratisches, offenes Museum ein hoher Anspruch Ein zentrales Anliegen der Konzeption des Museums der industriellen Arbeitswelt besteht in der For~erung nach Demokratisierung im Aufbau , im Betrieb; nach Offnung der Planung und Realisierung, nach Auflösung restriktiver Hierarchien, wie sie in derartigen Institutionen traditionell üblich sind. Schon in der Planungs- und Aufbauphase wird versucht, Inhalte und Formen der Präsentation in möglichst breit geführten Diskussionen zu erarbeiten, an denen nicht nur Wissenschafter, sondern auch Praktiker, von den Themen pe_~sönlich „Betroffene" beteiligt sind. Ein wesentlicher Aspekt der Offnung in der Realisierungsphase besteht in der Einbeziehung von Laien in die Sammlung von Exponaten und in die Erarbeitung bestimmter Details der Inhalte des Museums vor allem durch die Aktion „Grabe wo·Du stehst". Eine lebendige, demokratische, offene Haltung wird aber besonders wichtig sein beim Dauerbetrieb des Museums. Die Einbeziehung der Umwelt, die Integration in das kulturelle Leben von Steyr wird unerläßlich für sinnvolle Aktivitäten sein. Eine Vielzahl von Veranstaltungen, Ausstellungen und anderen Programmangeboten ist zu planen, wobei immer auf die Vorschläge von a ußen Rücksicht zu nehmen bzw. den „Zielgruppen" des Museums die Chance zu geben ist, ihre Vorstellungen zu realisieren. Es liegt in der Natur der Sache, daß ein demokratischer Anspruch, wie er für unser Projekt formuliert wurde, nicht ohne Schwierigkeiten , nicht ohne Reibungen realisiert werden kann. Diskussionsprozesse, die hier notwendig sind, erfordern Zeit und vor allem den Willen aller Beteiligten, .~u entsprechenden Ergebnissen zu kommen ; d. h. zu einer Ubereinstimmung der Zielvorstellungen zumindest in den Grundsätzen. An dem Projekt „Museum Arbeitswelt" sind eine große Zahl von Mitarbeitern - hauptberuflich oder neben einer anderen Berufstätigkeit - beteiligt, die aus sehr verschiedenen Ausbildungen (vom Hilfsarbeiter bis zum Universitätsprofessor) und aus sehr unterschiedlichem sozialen Umfeld kommen. Daraus ergeben sich auch unterschiedliche Ansätze, mit dem Thema, mit der konkreten Aufbauarbeit umzugehen - verbindend ist aber der Wunsch, ein Museum für den arbeitenden Menschen zu errichten, ein Museum, mit dem sich die Betroffenen identifizieren können. 66

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