Manfred Brandl - Der Kanonist Joseph Valentin Eybel 1741-1805

kritiker der Zeit wird in dieser Broschürensammlung so oft mit Erwiderungen beehrt. Die Rinteler Annalen der neuesten theologischen Litteratur355 charakterisiert diese Reihe, die durch k.k. Verordnung vom 30. November 1788 in Wien verboten wurde, ablehnend: Wer nur im Römischen Reich gegen Eybel, Werkmeister, Ruef und andere aufgeklärte Köpfe die Feder spitze und seiner Schrift jesuitischen Zuschnitt gebe, er mag schimpfen und lästern, so viel er könne, der werde willig in diese Sammlung von antiaufklärerischen Schriften aufgenommen. Auch in der Nachfolgereihe der Neuesten Sammlung, den Gesammelten Schriften unserer Zeiten (Augsburg 1789 - 1793), richtet sich ein Titel gegen Eybel und seine Auffassung vom Papsttum356 . Kirchliche Kreise machten Eybel sogar mitverantwortlich für den rapiden Rückgang der Priesterkandidaten im josephinischen Jahrzehnt. Eine entsprechende Schrift, Warum hat die Geistlichkeit in den österreichischen Staaten keine Kandidaten? 357 gibt vor allem dem josephinischen System die Schuld an dieser Entwicklung; Eybel sei schuld an der „äußersten Verachtung", in welcher der Klerus überall stehe. Man habe sie in kurzer Zeit derart heruntergedrückt, daß sie nicht mehr weiter sinken könne. Hirten des höchsten Ranges würden genauso beschimpft, wie ihre letzten Amtsgehilfen. Die verrufene Frage, Was ist der Papst? habe den ersten Grund zu dieser Entwicklung gelegt und gleichsam das Signal zu allen Schmähschriften gegen die Geistlichkeit gegeben. Der Papst sei in dieser „unseligen" Schrift auf das Niveau der Bischöfe, ja noch darunter, gedrückt worden. Die nächste Broschüre, Was ist der Bischof? habe unter dem Vorwand, die bischöflichen Rechte gegen die päpstlichen zu verteidigen und geltend zu machen, diesen Oberhirten kaum einen Vorzug vor den Priestern gelassen; Eybel habe ihre Gewalt überspannt, um sie zu entkräften. Die dritte Schrift, Was ist ein Pfarrer? mache bei genauem Hinsehen kaum mehr einen Unterschied zwischen Priester und Laien. Das vernünftige Publikum habe nur noch die Beantwortung der Frage, was ein Laie sei, zu erwarten gehabt, womit auch dieser geringe Unterschied noch weggefallen wäre. „Dieß mangelte noch zur Vollendung des greulichen Systems, welches auf die gänzliche Zerstörung der Kirchenhierarchie abgezielet hat358 ." 355 AnthL 1789, S. 654. 356 Sind die Nachfolger Petri erst zu unsern letzten Zeiten in den dogmatischen Entscheidungen fehlbar geworden? .. . In: Gesammelte Schriften unserer Zeiten ... IV, Augsburg 1789, 111 S. 357 Wien 1787? - Rez. MzMoSchr 111/11, 1787, S. 885 - 891. - Wien: v. Ghelen 1788, rez. AuK 1788, S. 417 - 420; MzMoSchr IV/1, 1788, S. 38 - 53; WKirchZ Nr. 36 v . 5. 9. 1788, Sp. 600 ff. Die Schrift erschien auch im Sammelband: Gesammelte Schriften unserer Zeiten ... I, Augsburg 1789, 32 S. ; nach dieser Ausgabe wi rd zitiert. 358 Ebenda, S. 16 f. - J\hnlicher Titel von J. J. Baal (anonym, Chur 1790) . 110

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