80 Jahre Bundesgewerbeschule Steyr 1874-1954

NOTZLICHES SCHAFFEN \Ve rk s tättenl e iler Inn. Franz Müller DER PRODUKTIVE WERKSTÄTTENUNTERRICHT Sechs Schmi ed efeuer zis chen, sechs Ambosse kl in - gen h ell 1Untcr den Hamme,rschlägen. Der große und d er klein e Lufth ammer übe rbieten sich im Gepolter, dazwi schen sa us t mit einem schweren Schla g ,der Bä r cl er 80 t -Prcsse auf di e Fo rm nieder. \Näre auch noch de r Brettfallhammer im Be trieb ~ewesen, um eine Se ri e vo n Schraubenschlüsse ln ins Gesenk einzuschla - ge n, da nn hätt,c -de r Fachlehre r woh l kaum ,den eigen- ti.imlich an s Trommelfe ll. ·g reifenden Ton wahrgenom- men, de r ihn j et zt z1ur 80 t -Pres.se s türzen läßt. Der Mo to r läuft noch, abe r der schwere Stößel hebt s ich nicht m ehr. ,, Wi e der Blit z ist ,e r heruntergesaus t ", sag t ein Schül er. Auf d en ers ten Blick s ieht der Lehrer, daß ,di e Spind el abgerissen is t. \,\/ie g•ut war es, denkt e r s ich, da ß ich imme r und immer wi eder g-epredigt habe, ,daß man nicht in ,di e Presse hinein greifen idarf. E in dankba re r Blick zum Himmel wc l den Buben ni chts geschah und dann we rden SjJind cl und Mutt er mit einem Hebel ausgewogen. An der Bruchstell e sieht 111<tn di e ra dial ahgcbohrt,cn Enden der vi e r Ge- wind egänge. ,, Is t mir völli g klar" , sagt ein e r aus de r Zwe it en, ,, Kc rbw :rkun g." Di e Firma ze igt ni cht ,das gleiche V e rstän,dnis wi •:.: der Schü ler und will n icht kos tenl c,scn E rsatz li efern ,, Wir ma chen uns di e Ersat zs pindel scl,bs t", entschei - d et d er Direkto r. Gew in desch neiden an ce r 1-leicl-Drehba nk (vi e rqänq iqe Spi nde l mi t 127 mm Ga nqhöh€ ) ,, Is t denn ,d a s mögl:ch ?" wird s ich jeder fr:1 gc n, de r di e Ve rh ältnisse ni cht k,cnnt. ,, Hi er handielt c,s sich d och um Pr äzis ionsarbeit, wie sie sonst nur in bes t - ein ge ri ch t eten Maschinenfabriken d1urchgeführt wir-d ünd n.i cht in eine r Schulwe rks tätte! " Hier haben wir abe r kein eswegs da,s vor un s, was sich d er Laie unter eine r Schulwe rks tätte vo rst ellen mag, einen O rt , wo ~chi.il c r am Nachm itta g, nach ,dem e:g-entlichen Unte r- ri cht, mehr schlecht als recht ihr e Küns te an ve rschi e- d enen Ma t eriali en und mit ve rs chied enen \ ,\/ erkzeugen vers uchen , bevor ,beid e, fri.iher oder später, ohne einem prakti schen Zwe ck gedi ent zu haben , auf dem Schrott- lm ufcn landen . Di e pro,duktive Lehrwerkstätte is t -da s Kin :I ein-e r No tzeit. O hne, Produktion wä re nicht in so ers taun - lich kur ze r Zeit aus d er Verwi.i s uung d es Kri eges ne ues l,cben in d ie 'vVerk s t ä ttcn cin gezo,gcn , wi'irc- es nicht möglich gewo rd en , h eute in all en E inrichtun ge n vi e l weit,er fort goschritten .und boss cr zu sein als vor d c,m Krieg. So wie j ede Lehrwe rks tätte muß a·uch s ie d en Zweck e rfüllen, dem .Schüler das praktis che Können zu vermitteln, das ihn zur Ausübun g se in es Be rufes bestens befälügt. Ein en ,besond e ren Ans porn, zur Ar - beit aber e rhält de r Schüler ,da,du rch, ,daß er an den Dingen , di,c er in di e Hand h ckommt , inte ress ie rt wir,d. nus ihrer G üte und recht ze iti gen Fe rti gs tellung selbst Vorteil e zieht , sei es, ,cliaß e r s ie selbs t ,benüt zen wird , sei es , daß e r fi.ir s ie im T auschweg Lehr,behelfc und Einrichtun ge n e rwarten kann , die ihm sein,e A rb eit crk:ichte rn , s ein e Umgehung verschönern , und se in•en Ehr0ciz, den man bei j c;dem Schül e r annehmen muß, befriodigcn. Durch ,di e Erzeugun g vi eler dringend benöt igter , gut ·brauchbar-er Dinge, für di e nur Materialkos ten nub„1wcndcn waren, wurden bed eut ende Summen fi.ir d·ie Anschaffung vo n Einrichtun gen fr e i, di e eine Lehr- we rkstätte nicht hcrstdlen kann. M it ihnen wurden die leeren Plätze aufgefüllt , hi elt all enthalb en di e mo- derne Maschine Ein zug in die Schule. ln -der produktiven Lehrwerks tätte w ird abe r ,ei ern ~ehi.il e r nicht 111ur de r A rb eitsvo rga ng selbs t gclch rt , e r le rnt auch di e A 1 1 beitsvo rbc rc itung und di e O rg:.1- nis ati on de r Durchführung k ennen , ~2 na•u so wi e s:c in der In1dustrie i.i blich, s ind. Bei de r Vi elgest altigkeit und V ielzahl run se rer We rk - stätten is t es wohl se lbs t verstii ndlich , daß nur eine s traffe O rganisat:on produkti ves A rb e iten ermögli cht und ,di e 'vVe rk,stättenleit'll ng immer einen genau en überblick über all,e laufend en Aufträ·ge haben muß . C hnc Auftragsnummer darf keine A rbeit · begonn en werden wird kein kl eins tes Stück We rkstoff ausge- geben . Der Auftrag wird vom Direkto r schriftli ch ; uf Grund fes tgestellten E igenbedarfes ode r e:nes vom Bundesmini s te rium fi.ir U nterri cht bekanntgegebenen Fr,emdbeda rfe,s ert eilt . Die Werks t ättcnleitun g ha t d :1- für zu so rgen, daß no twendige Ausführungszeichnun - gen he rges tellt we1,d cn, und ·gibt ,di ese U nte rln gc n mit· 47

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