80 Jahre Bundesgewerbeschule Steyr 1874-1954

a ll e iistcr rc ich ischcn Bund esgewerbeschul e n festge - legt word en si nd. Es h ande lt sich ,um zwei Höhere Abte ilungen fi.ir Maschin enba u, eine mit dem Spez ial gebiet Mo toren- und Kraftfahrzeugbau, die an dere mit dem Spez ia l- gebi et Landmaschinenbau . Es muß ueu t lieh darauf hin gew iesen werden, da ß die A usbildung d er Sch i.i lcr im gesamten Maschinenba u erfo lgt , so daß den Ab- so lven ten sclbstve rstämll,i ch ein U nte rkommen nic h t nur im gewä hlten Spez ia lge bi e t , sondern im gesam- ten Maschinenba u mögli ch ist. Im Somme r 1953 setz- ten 14 Schi.i lcr dieser beiden Höheren A bteil un gen mit der Ab legung der Rcifcp ri.ifun g den Schlußs tcin zu ih rer Schul ausbildung. [, i.ir die fi.infstündigc schriftliche Kl a usurarbe it a us Deutscher U nte rri ch tssp rache am 2. Ma i standen fo lgende drei Themen zur freien Auswa hl : Me in Lieblingsdichter, T heater und Film, Weiße Kohle, e in A ktivum unse rer Heimat. Das letz te T hema fand d en meis t en A nk lang. Zwei Tage späte r begann di e schriftl.ichc A rbeit a us Masch in en bau. Fi.i nf A rb e its tage zu je acht Stun - den standen für die Ausa rb eitun g de r gestellten Kon- st rukti onsaufga ben mit den zugehörigen Berechnun- gen zur Ve rfügung. Am sechs t en Tag mußte in fünf St und en di e technologische Frage beantwo rt e t wer- den, wobei der vo ll ständ ige ·H erstellun gsga ng ein es Maschinenteils, e rgä nzt du rch Ski zzen übe r daz u be- nöti gte \Vc rkz euge, Maschinen und Vorrichtungen, zu beschre iben war. Die Abtei lung für Landma,sch inenbau ha tte e ine ]) r c s c h m a s chi n c mit Schw,in gschüttl er und doppelter Rein igung mit Druckwind zu b e rechn en . die Tromme l samt Kor b im Maßstab 2: 5 zu entwer- t en und eine vollständige Werkstattzeichnung der Tromm elna be und de r Nabcnscheib e he rzus t e ll en. Die tcc hnolog-ischc Frage lau tete: ,,Wie we rden abc und Sche ibe se rienmäßi g herges t ellt ?". Die neun Kandidaten di ese r A bteilung arbeitete n gleichzeiti g mit ihren fünf Kameraden der Abtei lunQ fi.ir Kraftfahrzeugbau, denen die A ufga be geste ll t war. d ie wesentlichen Best immun gsgrößen e ines N u t z k r a f t w a g c n s, a nget ri eben durch ein en wassc rgcki.i hl tcn V ie rtakt-Diese l-Reihenmotor , zu be- rechnen , das Fahrl eis tun,gs di agramm zur Bestimmung der 1-foc hs tgeschwindi gkc it au fz ust e ll en und eine Zweischeiben-Trock enkupplun g fi.ir di es en Wagen im Maßstab 1 : 1 zu entwe rfen. Von der Druck- ~e hc ibe war eine voll stü ndige We rks tat tzeichnun g verlangt , a ußerdem a ls tcchn o log,ischc Frage ihre l lc rs t ellun g zu beschre ib en . Am 19. Juni bega nn di e münd lic lw Rcifepri.ifung. Z um Vo rsitzenden de r Rcifepri.ifu ngskommi ssion wurde vom Bundesmini st e rium für U n te rricht He r r Ministe ri al ra t i. R. Dr . tcchn. Dipl.- Ing. Josef Pcka- re k bestellt. A ls Mitgli eder fungierten D irektor Dip l. - In g. Robe rt Hillisch und weitere s ieben lierren des Lehrkö rpers . J eder Kandida t hatte se ine Kenntnisse in fragen a us vie r G-:gcnständcn unter Bewe is zu st ell en. A lle 14 Schül er wurd en aus Deu tscher U nte rrichtssprach e und 1\1cchanik gepr üft. Die Frage n aus dem ersten G ege nsta nd e rs treckten s ich, a ngefange n von den Klassikern bis zu mod e rnen Sch riftstcll e rn und Dich- t e rn , durch a ll e Epochen der Lite ratu rge,schieh t e. In Mechanik ze igte sich das U mfasse nde di 'Ses Gegcn- 4(i s (·a ndcs: Von d en T riiger bc rcc hnun ge n _g ing es über Ri ementri ebe, Brcm5en, Fac hwe rke, \ Vc ll cnbe rcch - nun gc n, zu Gasprozessen in Ot tomoto ren, zur Be- rechnun g von Heißdamp fl eitun ge n und Elektrospei- ch ern. Diesem Ge!lcnstand kommt al so keineswegs nur th~orc ti seh c B~dcutung zu, wie vielfach geg laub t wird . Die Hauptsorg e b ere ite te d en Kandidaten di e dr itte P r i.ifung sfra gc, um fa ßte s ie doch den ga n ze n Maschinenbau, au s dem j e e ine Frage ges t ellt wu rd e, ohn e daß de r Pri.irlin g vo rher wußte, welches Fach- geb iet e r zu behand e ln ha t te. Die ges tellt en Fragen bezogen sich auf Dampfke~sc l, Dampfmaschinen und -turbin en, P umpen- und Wasse rk raftma schinen , a uf Hebemaschinendcta ils und a uf Ve rbr ennungskraft- maschin en vom Z-.veitaktmotor bis zu den Gnstu r- bincn. Die me ist en Fragen wurd en aus· dem spezi e l- len Fachgeb iet gestell t. Die Landmaschinenb aue r mußten Auskunft geben i.ibe r Saat- und Erntema- schinen sowie i.ib c r Baut eile des Stey r-Traktors, wäh- rend von den angeh enden Kraftfahr zeugtec hnikern A ufschluß i.ib er a ll e A rt en von 'v\!cehsc lge t:-i cbcn und Ei nze lheiten übe r Radaufh ängungen ve rl angt wurde. A ls viertes Pri.ifungsfach wa r de r ein en Hälfte der Prüfl inge de r Gee1c nst and E lekt rott.:chnik , de r and e- ren M~chanische"'Technologie zugete ilt wor den. ln den e lekt ro techni sch en Fragen wurden h auptsächlich die e lekt ri sche A us ri.i stung von Kraftwagen sowie de r Ncben schlußge nc rator, Asynch ronmotor und T ransformator behand e lt. Ihre Kenntnisse auf d em weitverzweigten Geb ie t de r mec hani schen Technolo- gie ze igten die Kandid a ten in der Bean twor tung der Fragen i.ibe r Schnittclruok, Drehza hl st ufung, An- triebsa rten und Sondcrausfi.ihrun gcn von Drehbä n- ken, i.ib er St anzen und Z ieh en, F räscrar tcn und mo- derne Schweißve rfahren . Die mi.incl lichen Pri.ifungcn wu rd en am 2U. Juni mittags beende t und in eine r Schlußkonfcrcnz wu rd e das Gesamte rgebn is festgeste ll t. Von den 14 Ka ndi - date n wurden 12 hir reif e rkl ä rt, da von drei mit gu - tem Erfolg. Zwei Sc hi.i lc r mu ß t en a uf ein halbes J a h r reprobi e rt we rden , da sie b ei der scb riftlichen Rci Fe- pri.ifung aus D eutscher Un t er ri cht ssprache ve rsagt hatten, eine r von ihnen a uch in Mechan ik. Mit dem Reifezeugn is in der Tasche ver li eße n 1 J gli.ick lichc und hoffnun gsfrohe Menschen na ch e in e r insgesamt mind es tens J3j ~i hri gcn Schul ze it di e An- s talt, um sich zunächst in e in er anschli eßenden fünf - jiihrigcn „ingeni eurmäß igen" Tät igk e it in lndus triL: oder Gewe rbe das Rech t auf di e Verleihung der In- gen ie ururkunde durch da s Ha nde lsmin iste rium zu c :·wcrbcn , di e ihnen erlaubt , die Standesbeze ichnung ,.1ngcnicur" (Ing.) vor ihrem Namen zu führ en . Sie we rden bis dahin 24 J ahre oder ii lte r se in und naeh so vie lfacher theo reti sche r und p ra.kti schcr Sch ulun g, P ri.ifun g und Erprobung ihrem Stand und ih rem Land nll e Ehre machen. Eine groß ange legte Mat u ra rc i~e vereini gte noc h einmal a ll e Klassenkameraden bei eine r 14tügigcn A utobus fahrt, die unter de r Leitung des .l ahrgangs- vors t and es durch vie le In dustriewerke des Ruhr gc- bictes führt e und in ein em Besuch Ho ll ands gipfe lte. Die größten Städte, Amste rdam mit sein en zahl .re i- chen „Grac ht en" , Den Haag mit dem wel tbeka nnte n Seeba d Scheveningcn und Ro ttc rdam mit se inen _gi- gant ischen Hafena n lagen, vor a ll em auch di e lo rd - see ki.is te hinte rl ießen be i a ll en Teilnehme rn unve r- ge ß liche Eindri.ickc für das ga nze Leben.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2