80 Jahre Bundesgewerbeschule Steyr 1874-1954

k ein e ve rs taubte und veraltet e A ngelegenheit dreht, sondern um eine Geschi chte•, di e uns heut e auch noch etw:as zu sagen hat! D e r K reis ist g•eschl ossen , wir sind von G ottfried von Straßbur,g zu J ean Ma rais und Madelein e Solog11e (den Dars te ll ern des Films) gekommen und kehre n wi ede r zum Dicht e r zurück. Ein J ah r s pä t e r. W ir sprechen in Geschi chte üb e r di e V,e reini gt en Staaten zu Bc,ginn d es 19. Ja h rhun - de rts. Ich e rwähne di e U nters tüt zung des Freiheits - kamp fes ,de r Südamer ikane r in ihrem A ufs t and gegen di e Spani e r, de r Name des großen P räs ide nten .J a- mes Monroe fällt. Ein paar de r Burschen grinsen , ich a hne warum, cs kann sich nu r auf di e Namens- ci leichheit mit de r ame rikani,sc.hen Filmschauspi e le rin M. a rylin Mon roe beziehen . Soll ich so tun , a ls ob ich nichts m e rke? Ich ha lte dies fü r ni cht gut. A lso sage ich rund he ra us, da ß di e genann te Scha,usp iele rin von s ich tatsächlich behauptet , e in e Nachfahri n des P rä- sidenten zu sein . D aran schließen s ich c in,i gc, ni cht allzu lobende Wo rte über ,di e F ilme, in ,denen s i,e s pi elt. (Seh r notwend ig, denn in weni.gen T ag,en lä uft ein „Rei ße r", in dem s ie di e Haupt ro lle ve rkö rpe rt, in einem Kino de r Stadt an) . Mit ,de r s till en H o ff - nung, eine kl e ine "Wirkung e rzielt zu h aben , kehr e ich zum T h ema zurück. W ir s prechen da nn noch übe r das E rwa c,hen des N ati ona l,ge fühl s in E uropa wä hrend d iese r Epoche, de r Schil de rung des ,süd - ame rika ni schen Freih e itskamp fes schli eßt sich eine Besprechung .de r na tiona len Beweg ungen in G ri e- chenl and, D eutschla nd und ltaJ.ien an . Jn wenigen Stunden we rde ich in Deutsch übe r di e Roma ntik e rzä hlen , wi r we r.d en von ,de r Fre iheits ly rik, den G ri echenliede rn , von Lo rd By ron lernen. V iel we rt- vo ll e Z eit wird da bei 1gesp a rt we r-den , di e .Junge n kennen e ine de r wescntJ.ichs t en Bestrebunge n de r Roman ti k be reits, di e ·w iede rga be der Dichtunge n b raucht ni cht durch E rkl ä runge n, Hinweise usw. un- te rbrochen zu we rden. Die dadurch gewonnene Zeit kann fü r Redeübungen und Diskussionen b enützt werden. Di e h ie r gobrachten Beispie le k önnten beli ebig ve rmehrt we rd en . Jch g!.aubc a be r, sie lasse n er- kennen , da ß ,di e beiden G egens tä nd e Deutsch und Geschichte zu e inem Kulturfac h vcre-in.i gt wurd en . Vo r drei J ahren wurde mir durch d ie zu s tä ndi ge Stelle im U nte rrichtsminis te rium di e Mög lichke it gc- c1cben in un se rer Fiöhe ren A bteilu ng ein en von mi r ~ntw; rfencn V e rsuchs- Lehrpla n für Geschichte e in zu- führ en . D e r bis dahin unter ri chte t e o ffi zie ll e Lehr- p lan für di eses Fach sah eine s ta rke Be tonung de r Geschichte de s Alte rtums vo r, di e den .ganzen ,drit- ten Jahrgang hindu rch betri eb en werd en sollte. Di es e rschi en mi r refo rmbcdürfti g aus zwei G ründ en . E r- s tens umfaßt de r Deutschunte rricht in di esem .J ahre di e Z eit von de n e rs t en A nfan,gen d eutsche r D ich- tung bis zur Weima re r K la.ss ik des 18. .Jahrhun- de rts, so da ß eine Übe reins timmung zwisch en den beiden Fäche rn übe rh aup t nicht gegeben war. A lle für das Versüin,d ni s der Di chtung no twendi gen Bc- c1r iffc wi e Go tik, Rena issance, H umanismus, Barock , A ufkl ä rung u. v. a. müssen im Deutschunt e rricht e r- läut e rt we rd en . Es geht na türli ch viel Z eit ver lo ren, bei nur zwei Wochens tunden und einem so a usge- dehnten Zeitraum , de r zu besprechen is t. E in zwei- te r G rund , de r mi ch zu r A bä nde rung des Lehrpl anes ve ranla ßt e, war di e ü bcrzeiugung, da ß di e Geischichtc der A ntike, so in te ressa nt sie ist , den Schül e rn un- 28 se re r technischen Schulen weniger zu bi e ten ha t als d ie D a rst ellung der Probleme der Neu ze-i t Die Dinge li egen hie r eben ganz ande rs im Ve rglei ch zu eine r all gemeinbildenden Mittel.schule. D er G rundsa t z me ines Entwurfes wa r, eine Geis t es- und Kultu rge- schichte zur Vo rb ereitung und U nterma ue rung d es Lehrfaches D eutsch zu bi e t en . Die ös t e rreichische Geschi ch te sollte in. den Vo rde rgrund g,es t ellt we r- d en , na türlich in ihren Beziehungen zur europä ischen Geschi ch t e ,im Sinne einer europä isch en Kultu rge- meinschaft. E inen hedeuten den Ra um nahm di e Ge- schichte der Na turwissenschaft en und d e r Technik ein, wobei auch besonde rs ,das erngere Fachgebi et des Schül e rs be rü cksichti ot wur,de. Di esen G rundsä tze n ö . . oemäß wurde im d r,itten J ah r-gang m Gescluchte gc- ~au w ie im D eutschunter ri cht in zwei Woch enstun- den d ie Zeit bis zum 18. J a h rhunde rt unte rri chte t, wobe i i ch Wer t da rauf leg t e, imme r um e inige Stun- den den en tsprech enden \Ve rken der D ichtung Nor- aus zu sein, um so d ie e rfo rde rli chen G rundlagen zu geben. D em v ie rten Ja hrga ng bli eb di e Besprechun g der Zei t bis 1850 vorbehalten , eine Wochens tunde war fi.ir Geschichte aus reichend, um die Behandlung der Klass ik und Rom a ntik zu unte rs ti.i tzen. Tm fün f- ten Jahroa n.o konnte dann aus führli ch das le t zt e J ahrhund~rt "'durchgenommen we rden ; hi e r erhi elt die Gesch ichte di e unen t behrlich e, Aufgab e, ,die in de n mode rnen Dichtunoen entha ltenen P robl eme zu e rl äute rn. Ich leg te d en\ esonde ren vVe rt da r.auf , bi s zur unmittelba ren Gegenwar t vo rzud rin ge n un d a ll e Fraoen ,unserer Zeit zu klären . D as le t z t e Ha lbj,ah r ö • 1 des fünft en J ahrganges wurde eme r ,großange c-gt en \ Viederholung gewi dm et. In D eutsch wu rde in Lä ngs- schnitten di e Entw icklung de r Ba ll ade, des A ben- t eue rromans, des bürge rli chen Dramas ve rfol gt , in Geschi chte dagegen d ie Entw ick lung der Ma lerei, de r Landwirtscha ft de r Staiatsvc rw.a ltung usw. A ll e T at- sachen waren 1~a ti.irli ch schon aus dem U nterrich t bekannt , nur wurden sie j et zt in einen großen Z•u- sammenhang ges t ell t. Z usammenfassend kann ich h eute sagon , daß sich di ese r Ve rsuchsleh rplan g.u t bewährt ha t. Di es gil t n icht nur für di e KLa,ssen , wo ich beide Fäche r unte r- ri chtet e, wodurch meine A uf,g,abc einer Koo rdini e- run o na türlich .erl eichtert wurde, sondern auch dann , wet; n ein Koll ccie ,den Deutschun terricht führt e. E r konnte mir wi ede rho lt v er.s ichern., ,daß e r die durch den Geschichtsunte rri cht gebo t ene U nters tüt zung a ls an ,genehm emp fand . De r .l a hr,gan.g, der e rstma li g die c1an ze Höhere Abteilung hin durch den geschil de rten U nterricht e rhi elt, w ird in Kürze di e Schule verl as- sen. Man kann durch a,us fc s tst,e llcn , da ß e r eine gute Kenntnis der Entwi cklungsgeschichte unsere r Kultur bc-s itz t und zu de r H o ffnung be rechtigt, über ein gc- fos h gt es W eltbil d zu verfi.ig.en . A n un seren Schulen is t mit dem Geschi ch ts- auch der Geog raphi eunter ri cht ve rbund en. F rcilicl~ umfaßt er nur eine sehr besch eide ne Stund enza hl , cm c Wo- chensllund e in einem Semes t e r d es Schulj,ah res. Durch den Ve rsuchslehrplan für Geschichte tra t eine Ände- run g ein. De r Geog raphi eunte rri cht de r 1-Iöh c rcn_Ab- tcilun o wurd e auf den v ierten J a h rg,ang beschrank t. In d ie°scm J a hre w ird e in ü be rblick i.ibe r die wirt- schaftlich wich t igsten Lä nd er der E rde ,geb o t en. Seh r hä ufi g e rgib t sich di e Mög li chke it, Ve rb i_nclun gen zu den t cchni schL: n fiich c rn zu sch a ff en. D te Autopro- d ukti on der USA w ird genau so b esproch en, wie di e

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