80 Jahre Bundesgewerbeschule Steyr 1874-1954

Wohnmaschinen mit aller Automatik und mit in Schubfä chern ve rsenkbaren Möbeln. Die Geschichte unserer Schule sp1egelt haa l\Scharf im Klein en die Entwi cklung in der großen Welt wider. D.iese Schule, zum Zwecke der künstlerischen Be lebung und Durchdringung des I--Landwerks vor 80 Jahren ,geg ründet, wur,de, der Notwendigkeit en t - sprechend, immer mehr zu -einem Instrument der 1-Teranbildung reiner Techniker. Unse re Abtei lung alle,in , die Fachschule für Stahl- und Stanzenschnitt, Metalltreiiben und Gravieren, hat bis heute die künstlerische Tradition w,eiterge- fi.ihrt und ist bestrebt, trotz Technik und mit ihr dem Ding jene Form abzugewinnen, die es über den Bereich des rein Technischen hinaushebt, ohne die Zweckmäßigkeit zu gdähr,den. Die Abteilung wurde 1905 geg ründet und von Prof. Z i m 'p e 1, de r seit 1895 an ,der Schule in küns t- le rischen Fächern t äüg gewesen war, übernommen und bis 1920 geführt. Sie erfuhr durch dessen Nachfo lge r, Regi,erungsrat Ge rs t m a y r, dem Mitarbeiter BI i.i m e I h .u- h er s, eine wesentliche Erweiterung und Belebung insofe rn, als unter sein er Leitung nicht nur die E r - J- ord erni sse des praktischen G raveurs ge lehrt, son- de rn darüber hinaus die begabteren Schül er in ihren küns tl e rischen Bestrebungen bestens gefö ndert wur- den und viele davon die künstleri sch-akademische Laufbahn erfo lgre-ich beschreiten konnten. 26 ·w esentli ch war und is t nach wie vor die Heran• bildung des Schülers für -di e Notwcndiake;iten in In- dus tri~ und Gewe11bc. Der Positiv- ~nd Neigativ- schnitt, das Metalltreiben und die F.lac hcr ravu·~ bil - den das Kernstück der Ausbilduncr in Verbinduncr ~ ~ mit der Lehrwerkstätte, in der sich die Schüler vor- nehmlich mit der Hcr~tellung von Gesenken beschä f- tigen. Ein e Reih e sor,g fälhg ausgewählter th eo reti - scher Gegens tände e1,gänzen den Lehrplan. Der Laie macht s ich kaum eine genaue Vorstel - lung, woran über,all di e Arbeit des Graveul\S betei- li gt is t. Von den Farbdruckwalzen des Zimmermalers und der Stoffdruckereien angefangen, den Preßfor- men fi.ir Kunststoffe, Gummi und Glas, den Kernen und Gesenk en für Bestecke und Schmuck, bis zu den Prägest öcken des Ge ldes, der Medaillen und Abzei- chen und den gravierten PJ.atten für Marken und Ba nknoten ers treckt s ich die Arbeit des Graveurs. Es is t begreiflich, daß bei der enormen Weite des A rbeitsgebietes und der Kürze der Ausbildungszeit nur jene Grundlagen geschaffen wePden können , die es dem Absolventen ermög~ ichen, sich draußen in der Praxis rasch in das ihm zukommende Spezial.ge- biet eim~uarbeiten. Di e Technik ,js t ein Kind der Mathematik und Na- turwissenschaften , meßbar an ihren Formen s ind nur die Ebene, der Zylinder, der Kegel und die Kugel. AUe anderen Formgebungen beruhen auf Wertschät- zungen des Ins tinkts. Die W iede rerweckung des Formgefühls wird da,her immer mehr eine Notwendiigkeit unserer Zeit. So is t es durchaus kein W.iderspruch , wenn der Schül er vormittags an seinem Schraubenschli.isselge- senk arbeitet und s ich an der einfachen, eleganten Zweckform erfreut, nachmittaigs a ber nach der Na- tur e-in Bildnis in Stahl schneidet, sofern seine Be- gabung dies ermöglicht. Auch ,die küns tlerische Arbeit hat ihre Gesetze in bezugi auf Statik, Festigkeit und Logik. Der Techniker von heute soll nie vergessen, daß einst Leonardo seine Gerä.te, Wehr- und Wasserba.u- ten mit der gleichen Sachlichkeit entwarf wie die Tektonik seiner Gemälde, ,das Statuarische seines Reiterstandbildes oder die Mechanik und He belwir- kung bei Bewegungen des menschlichen 1"örpers. Di e Gegens t ände und Instrumente des täg lichen Bedarfes, einst Erzeugnisse des individuellen Hand- werkers , sind heute Produkte des Fließbandes ge- worden. All ,di ese Dinge ihrer kalten, trockenen Techni sierun g zu -entkleiden ist die Hauptaufgabe cles neuen Kunsthandwerks, eine der wichtigsten A uf,gaben unserer Ze-it überhaupt.

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