100 Jahre Musikverein Steyr 1838-1938

Einen schönen Erfolg hatte der Verein erst wieder, als im März 1927 Herr Prof. Heinz Scholz vom Mozarteum in Salzburg in seiner Vaterstadt konzertierte. Er brachte Debussy und eigene Bearbeitungen alter Meister, ferner mit dem Orchester Tschaikowskys B=moll Klavierkonzert. Daß sein Spiel jubelnde Begeisterung der diesmal zahlreich erschienenen Hörer aus¬ löste, ist bei Heinz Scholz selbstverständlich. Doch bleibt es bedauerlich, daß immer nur eine Person oder ein festlicher Anlaß es sein muß, das die Zuhörerschaft anlockt, so selten ist es die Musik selbst. Ein Gartenkonzert im Juli mit hübschen Drogramm konnte auch zahl¬ reichen Besuch aufweisen. Leider war schon in diesem Jahre Herr Musikdirektor Prinz anhaltend krank, so daß die geplante große Beethovenfeier vorläufig verschoben werden mußte. Sie fand erst am 2. Dezember 1927 im Kasinosaal statt und brachte die Leonorenouvertüre 1, das C=moll Klavierkonzert (Solist Herr Prof. Karl Steiner aus Linz) und Szene und Arie „Ah’ perfido“ für Sopran (Frl. Steffi Selenka). Den Abschluß bildete die 2. Symphonie. Die zersetzende Art der damals führenden Politik machte sich in der §olgezeit besonders dadurch bemerkbar, daß die Bläser sich weigerten, mitzu¬ spielen und daher das Frühjahrskonzert gar nicht stattfinden konnte. Herr Musikdirektor Drinz konnte nun nur mehr mit Streichern arbeiten In diesem Sinne brachte ein Konzert am 20. April 1928 Serenaden von Mozart und Fuchs, ferner wurde Frau Sellyei (Harfe) vom neuen Konservatorium in Wien diesmal zur Mitwirkung gewonnen. Auch für die Schubertfeier kamen orchestrale Werke für Bläser nicht in Betracht. Doch die Dielseitig¬ keit Schubertschen Musikschaffens brachte von selbst Abhilfe, allerdings mußte die Mithilfe des A cappella=Chores „Sängerlust“, der Gesangvereine „Liedertafel“ und „Kränzchen“ und des christlich deutschen Gesangvereines beigezogen werden. Nach der Symphonie in B=dur, von Schubert im Alter von 18 Jahren geschrieben, hielt Prof. Franz Müller, Domkapellmeister in Linz, die Festrede, ihr folgte unter der Leitung Herrn Wegscheiders der ziemlich selten gehörte wunderbare „Gesang der Geister über den wassern, dessen Streicherbegleitung durch das Fehlen der Geigen dem schwermütigen Ernst der Dichtung so trefflich Rechnung trägt. Den Abschluß des Konzertes bildete die Wanderer=Phantasie in der orchestralen Bearbeitung von §. Lißzt; den Klavierpart hatte gütigst Herr Drof. Robert Scholz vom Mozarteum in Salzburg übernommen; dies verbürgte allein schon den großen künstlerischen Erfolg der Feier. Eine mit einer Schubertfeier ver¬ bundene wohlgelungene Schlußprüfung der Vereinsschule beendete die Aufführungen für dieses Vereinsjahr. Leider kündete sich dem Verein schon im selben Herbst ein schweres Geschick an, in dem Herr Musikdirektor Prinz sich wieder beurlauben lassen mußte. Bis zum Mai 1929 unterblieb daher die Konzerttätigkeit. Der Stellvertreter des Direktors, Herr Regens¬ chori Dribitzer brachte es in höchst anerkennenswerter Weise mit Zuhilfe¬ nahme einiger Mitglieder des Linzer Musikerverbandes zustande, in einigen Droben ein Konzert einzustudieren, bei dem Webers Oberonouverture, Spohrs 50

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