Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1985

im Kalendarium Roms, das aus dem späten vierten oder beginnenden 'fünften Jahrhundert stammt, wird das Fest erwähnt. In der abendländischen Kirche ist es seit der Karolinger- und Fra.nkenzeit als hoher Feiertag nachweisbar. Das _bezeugen u. a. die Beschlüsse der Mainzer Synode von 813 und die des Aachener Konzils vom Jahre 818. Durch die 11Marien-Minne11 1 den Aufschwung des kirchlichen Lebens nach den · Kreuzzügen, das häufige Kirchenpatrozinium, sowie als Folge der Schutzherrschaft M.ariens über Kirche und Christenheit und durch mancherlei klösterliche Einflüsse wurde die Marienverehrung besonders gefördert. Auch in unseren Tagen hat der Himmelfahrtstag als Hochfest von Mariazell, dem bedeutensten Wallfahrtsort Österreichs, seine glanzvolle und besondere Bedeutung. Der „Große Frauentag" und die ihm folgende Zeit werden im Volksglauben besonders geschätzt. In diesen ·Wochen, mit Maria Himmelfahrt beginnend und bis r 5. September, d. i . Maria Geburt und der hinzugerechneten Oktav während, sind die Natur und ihre Kräfte für den Menschen besonders förderlich und zuträglich. Diese Frist wird gerne ,,Frauendreißigst" oder-weil zwischen dem „Großen Frauentag" (Maria Himmelfahrt) und dem „Klei- , nen Frauentag" (Maria Geburt) fällt, als „zwischen d' Frauentag" genannt. In dieser Zeit sollen alle Heilkräuter mit besonderem Segen und dreifacher Kraft versehen sein, die Pflanzen entwickeln und steigern , ihre heilsamen Kräfte und Säfte und die „Wurzgraber" machen sich auf die Suche nach innen. Aus den gesammelten Kräutern werden dann die „Frauenbusehen" gewunden, deren Zusammensetzung örtlich verschieden ist. Dabei wird die Neunzahl, als in der Vo'1ksüberlieferung bedeutsam, bevorzugt und bestimmte Pflanzen zieren die sonst so unterschiedlichen Weihebuschen. Hiezu zählen: Johanniskraut, Minze, Speik, Tausendguldenkraut, ·Wermut, auch Frauenhaar, DoerAnker Allgemeine Versicherungs AG 125 Jahre Geschäftsstelle Steyr 1858-1983 4400 Steyr Pachergasse 6 Tel. 24 4 72 und 26 2 49 ferner Labkraut und die Königs_ oder Muttergotteskerze. Maria ist seit altersher die Beschützerin .von Feld und Frucht. Bekannt sind ihre Darstellungen im Ährenkleid oder in dem mit Weizenähren gesmückten Ma.ntel, wie uns dies das bekannte Gnadenbild von Straßengel zeigt. Oft ist sie mit Früchten oder Blumen abgebildet oder als „Maria im Rosenhag" mit Rosen umgeben. Mancherlei Pflanzen sind nach ihr benannt, so die erwähnte Marien- oder Königskerze, das Tausendguldenkraut oder Muttergotteskraut. Unter dem Fuße Mariens sprießen die schönsten Blumen, so der Frauenschuh, und als sie einst während eines Gewitters unter einem Haselstra.uch Zuflucht suchte, fand sie dort Schutz und Unterstand. Daher genießt der Strauch im Volk viel Ansehen. Als die Jünger zur Gruft Mariens eilten, fanden sie dort an Stelle ihres Leicb.nahms prangende Blumenzier und die Luft war von Blüten- und Kräuterduft erfüllt. So künden viele frommen Legenden. Waren früher Flurumgänge mit Ge0 sang und Gebet, das „Felderbegehen" verbunden mit der Segnung der Fluren üblich, so hat sich die Kräuter- und Wurzweihe auch heute noch vielfach erhalten. Diese scheint schon in früheren Urkunden, um das Jahr 1209 auf. Mit ihr erhalten die Heilkräuter, diese köstlichen Gaben der Natur, Weihe und Segen, um „Sucht und Plag" zu wehren und Mensch und Tier als Heilmittel zu dienen. · 51-

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