Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1969

ma nix z'vül, juuuhuiii", jodelte der Bert! die Wände des Kellers an. ,, Nur sehen langsam, net gar so gach", dämpfte der Rudlbauer d.en Ausbruch des Burschen. ,,Nu daweil derfst mi net Schwiegavata nenna, aba wanns da glückt und du kannst mi bis am Neujahrstag am Abend dreimal drankriagn, dann bin i dei Vata, denn dann san zwoa Lustige beinand und i siachs dann, dast a du koa Trauminet bist." „Abgmacht" , schlug der Bert! ein, ,,i wer mei möglichstes tuan" !" Aber seinem Mädl mußte er doch noch vom Ausgang seiner Unterredung berichten. Auch einen Plan hatte der Bert! schon im Kopf, wobei ihn aber die Annerl ein bisse! unterstützen mußte. Also flüsterte er in einer dunklen Ecke mit dem Dirndl und wenn das Flüstern verstummte, dann schnalzte es so sonderbar, als ob wer Küsse tauschte . Schließlich lief die Annerl kiechernd fort und der Bert! kehrte wieder zur allgemeinen Geselligkeit zurück. So um elf herum wollte die Jugend endlich tanzen, denn um zwölf sollte das festliche Saukopfessen beginnen, also rief man nach den Musikanten. Schnell war eine Zither zur Hand, auch ein Klarinettist war bald gefunden und selbstverständlich einer, der Hannonika spielte. Bald schleiften und stampften die schweren Schuhe über den rauhen Boden der Stube. Juchsd1reie stiegen zur Decke hoch, die ganze unbesd1werte Fröhlid1keit dieser Naturkinder kam zum Ausdruck...Gstanzln" wurden gesungen, in denen die Anwesenden nicht sch.lecht durch den Kakao gezogen wurden, aber das gehörte nun einmal dazu. Schon eine Weile hatte sich unter den Tanzenden ein hübsches Mädl gemischt. Ein neues, buntgeblümtes Barchtenkleid umschloß die schlanken Formen, am Kopf trug es ein Seidentuch kokett gebunden, unter dem die welligen Haare ein wenig in die Stirn hingen. An den Ohrläppchen prunkten moderne Clipse, die ein vielfarbiges Feuei· versprühten. Suchend und ein wenig hilflos schaute das Dirndl umher, als suchte es jemand Bestimmten. Einige Zeit schon hatte der Rudlbauer das Mädchen beobachtet, das ihm irgendwie bekannt erschien. Er konnte sich bloß 42 nicht erinnern wo er das hübsche Ding schon einmal gesehen hatte. Da es sich aber nach einem Tanz ganz zutunlich zum Hausvater setzte, wurde seine Neugier nicht lange auf die Probe gestellt. „Suachst leicht wem, Dirndl?" wandte er sich teilnehmend an die Schöne . ,, weilst allweil so umadum schaust?? „Ja freili", pipste das Mädel, .. i suachat den Bert!, der mei Vetter is , i bin auf B'suach zu da Tant kumma und sie hat g'sagt, daß der Bertl bei enk herunten is und sie hat gmoant, i soll abagelm, damit i a wengl tanzen kann, wenn da Bauer nix dagegn hat!" ,,Na was soll i deru1 dagegn habn, wenn so a sauberes Menscherl zu mir kimmt", meiinte galant der Rudlbauer, ,, dös karu1 ma ja nur recht sein" . „Mei dös gfreut mi aber" , kicherte das Dirndl und rückte näher an den Bauern heran, ,,geh weida, tanz amol mit mir, woaßt i mag de jungan net , dö san ma z'keck und du bist so liab mit mir, gell Ba.uer? " Und das Mädel schmiegte sich hingebend in den Ann des Bauern, den ;in eigenes Gefühl durchströmte. Darm · nach dein Tanz nahm ihn das übennütige Ding beim Kopf, bog ihn herab und drückte einen herzhaften Schmatz auf die Lippen des Bauern. Scheu sah der Bauer in die Runde. Wenn das sein Weib gesehen hatte! Aber weder die Frau noch die Tochter walren in der Nähe. Daß in:des:sen beide durch den Spalt der Stubentür gesehen hatten und sich vor Lachen bogen, sah er nicht. „ Aber Dirndl, liabs ", protestierte er matt, .. du wirst di do net in mi alten Krad1er valiabt ham, i kunnt ja leicht dei Vater sei?" ,, Mögst leicht gern mei Vata sei?" , lockte das Hexlein, ,,mei war dös a Freud für mi, geh sog ma dös" , bat es drängend und lachte den Rudlbauer an wie eine Verliebte. „I han zwar eh a Dirndl, aba wenn i dei Vata sei kunnt, dös war ma gar net zwida", gab der Bauer z;u und die Anwesenden gaben ihm alle recht. „Dank schön Vata ", sagte plötzlich das MädeI mit veränderter Stimme, .. dös han i nur hörn wolln!".

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