Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1966

#unaannes Ddekert bringt für Damen, Herren und Kinder Bekleidung sowie Wäsche aller Art STEYR, Haratzmüllerstraße 16 Telefon 2268 wurden entweder mit einer Geldstrafess) oder Verhängung einer Kontumaz in doppelter Dauer der normalen geahndet.34) Die rigorose Handhabung der vom Magistrate verfügten sanitären Maßnahmen bewahrte die Stadt vor Einschleppung der gefürchteten Krankheiten. In den Ratsprotokollen dieser Zeit werden lediglich Fälle einer leichten Infektionserkrankung erwähnt.35 zwei Auch in den Kirchen wurden ab September 1679 Gebete wegen „Verhütung der Vblen Seiche“ verrichtet.36) Ende März 1680 fragte Schinnerer im Rate an ob der „Infections Gottesdienst“ noch fortgesetzt werden und den an ihm teil¬ nehmenden Kindern weiterhin „Zweipfennig=Kipfel gegeben werden sollten. Im Juni entschied der Rat, daß weitergebetet werden müsse und jedem der betenden Kinder eine Semmel zum Preise von einem Pfennig zu geben wäre. Andere Städte des Reiches schlossen sich, aus Furcht vor der Einschlep¬ pung von Seuchen, ab. So sah sich der Magistrat genötigt, dem „hochfürst¬ lichen Hofrat“ in Passau mitzuteilen, daß in Steyr eine „guete und gesundte lufft“ vorhanden wäre und man daher bäte, die Steyrer Stahl= und Geschmeidwaren¬ transporte nicht an der Durchfahrt zu hindern.37) Über Befehl des Landeshaupt¬ mannes war auch der Verkehr mit der Steiermark, mit Ausnahme von Eisenerz, untersagt worden. Davon wurde besonders der Transport von Venediger Waren betroffen und „die handlung mörklich gehindert“. Da bis zu diesem Zeitpunkte in der Obersteiermark und Kärnten, dem Durchzugsgebiete für diese Waren, keine Infektionskrankheiten festgestellt wurden, beschloß der Rat, gemeinsam mit den Linzer Kaufleuten, um die Aufhebung des Transportverbotes beim Landeshaupt¬ manne vorstellig zu werden.38) Erst am 9. März 1682 erfolgte ein Erlaß, wonach die „Contagionssperren“ aufgehoben wurden. Nur mit den „sächsischen Ländern war auch weiterhin Handel und Korrespondenz zu unterlassen.s9) Doch schon Ende Mai 1682 befahl der Landeshauptmann, den Verkehr mit der Steiermark wieder abzubrechen, da in Graz und der Untersteiermark Seuchen ausgebrochen waren. Daraufhin ließ der Rat, „zu Abtreibung der Verdächtigen Personen“, bei den zwei Ennstoren und beim Gilgentor Wachen aufstellen.40) 33) RP 1680, 14, 15: „Der Langstöger ist aus Wien kommend gleich über das Wasser gefahren und hat sich in die Stadt herein praktiziert, auch der Flößer Schinnagel. Wegen dieses Frevels müssen sie außerhalb des Burgfrieds 14 Tage Kontumaz machen“ 34) RP 1680, 47. RP 1680, 70: „Es stellte sich heraus, daß die Tochter des Papierers Gießer 35) und ein Papierergeselle mit der Infection behaftet gewest, der alt Gießer aber solches verhalten“ 36) RP 1679, 224; RP 1680, 51, 96. 37 RP 1679, 246. 38 RP 1681, 155. 39 RP 1682, 35. 40) RP 1682, 81, 83.

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