Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1959

36 EPIGRAMM Es hat an manchen Tagen Mein Magen bös geknurrt; Doch hab ich's still getragen Wenn auch mit Unbehagen Und habe nicht gemurrt. Es schlug in manchen Stunden Ein teuflisches Geschehn Der Seele tiefe Wunden; Doch tat ich's nicht bekunden, Ließ es vorübergehn. O Mensch, geh hin und stähle Auch du dich, wenn einLeid Geschieht dem Leib, der Seele, Laß stumm sein dann die Kehle Trost gibt dir nur die Zeit. Umgürtet so mit Härte Hältst du der Unbill stand; — Wie sie an dir auch zerrte An deine innren Werte Legt sie vergeblich Brand! Leopold Wirth, Steyr KINDER Blumen des Lebens! Beglückendes Blühen! Lachende Sonnen im irdischen Raum! Menschliche Sterne, die Helle versprühen. Lichte Gestalten, entstiegen dem Traum! Biegsam=geschmeidige, heitere Wesen, Niemals versiegender, munterer Quell! Göttlich Gebilde, berückend, erlesen Gleichsam, als wär'n sie geformt aus Pastell. Fittichumrauscht, von der Mutter Betreute Nährt sie die Liebe der selbstlosen Frau, Leitet sie rührend vom Gestern ins Heute Selbst ihre Tränen sind silbriger Tau. Selig versunken im Spiel, bau'n mit Mühe Sie eine Welt auf und stürzen sie ein; Sind sich ja noch nicht bewußt, daß die frühe Regung bestimmend sein kann für ihr Sein. Wunder der Schöpfung, die mählich sich runden: Zierliche Knospe, dann Blüte und Frucht. Kinder! Auch wir einst. Aus goldenen Stunden Fährt nach dem Sturm unser Kahn in die Bucht. Leopold Wirth, Steyr

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2