Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1956

braucht sie nicht präpariert zu werden. Die Grenze der Maske, die Teile am Hals, hinter den Ohren usw., werden mit dünnstem, nassem Papier umlegt. Eine große Schale Gips, suppendünn über das Antlitz gelöffelt, wenige Millimeter dick, dann wird ein Fäden über die Stirnmitte, Nasenrücken, Mund und Kinn gelegt. Eine zweite Schale stärkerer Gips wird wie ein Brei auf die erste Schicht aufgetragen (als haltende Kappe zu denken), und bevor diese bindet, wird der Faden gezogen, das Ganze in Hälften teilend. Nach dem Hartwerden der Kappe wird die zwei¬ geteilte Form gesprengt und vorsichtig vom Kopf gelöst; das Schwierigste, denn luft¬ dicht war der Körper mit der Form geschlossen. Die abgenommenen Hälften werden dann sofort wieder zusammengepaßt und verklammert, das Negativ gereinigt und wieder mit Gips ausgegossen. Der Mantel, die Kappe, sorgfältig mit Schlegel und Meißel abgeklopft, und das Positiv stellt sich dar, die fertige Maske. Es gibt heute wenige Sammler von Totenmasken. Nach Wien hat der Ver¬ leger Walter Krieg einen Teil seiner einzigartigen Kollektion gerettet. In der Antike hat man bei den Leichen¬ begängnissen der reichen Ritter und Senatoren zweifellos Totenmasken verwendet, doch davon hat sich nur wenig er¬ halten. Im Mittelalter hat man auf sie zurückge¬ griffen, aus primitiv ma¬ gischen Gründen, um bei dem Leichenbegängnis ein Abbild des Dahingeschie¬ denen „wie das Leben“ zu zeigen. Italien, Frank¬ reich und England sind die Länder, in denen sich solche Abbilder am mei¬ sten erhalten haben. Starb ein König von wurde der Frankreich, Hofmaler gerufen, um die Maske abzunehmen, be¬ vor der Körper geöffnet und einbalsamiert wurde. Der „Painctre et valet de chambre du Roy hatte nach der Gestalt des Verstorbenen eine Puppe aus Weidengeflecht zu verfertigen, ein Hemd Totenmaske einer unbekannten französischen aus holländischer Lein¬ Dichterin (aus der Sammlung W. Krieg, Wien) wand darüberzuziehen, ihr dann seidene Gewänder anzulegen und über das Ganze noch den hermelin¬ besetzten Krönungsmantel der französischen Könige zu drapieren. Dieser Pup¬ pe wurde der letzte Schein des Lebens verliehen, indem ihr an den Armen Hände aus Wachs zugefügt wurden, während aus dem Halsausschnitt der Gewänder der in Wachs modellierte Kopf des Königs hervorsah, der nach der Totenmaske geformt worden ist. Ebenso stammten die Hände von einem Abguß. Diese „effigies“, wie die offizielle Bezeichnung für das Gebilde lautete, war ein bei allen zivilisierten 57

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