Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1949

Der Sumperer Mirl kürze Neöschaft Die Sumperer Mirl, die beim Krampler Veit, gemeiniglich Simpelhuber in Pinzelstätten, schon seit hübsch einigen Jahren in Dienst gestanden ist, die Sumperer Mirl also ist eine recht verliebte Gaggen gewesen. In jungen Tagen schon gar. Und Zeit des Alterns hat sie das närrische Verliebtsein, wie die Katz das Mausen, noch viel weniger lassen können. Hat die Menschen, die Menschen mit Hosen nämlich, tollgern gehabt; lieber sogar als die ihrer Pflege anbe¬ fohlenen Ferkel, die sicherlich unter dem Gesichtswinkel einer Saudirn auch eines gewissen Liebreizes nicht entbehren. Einmal hat sie sich aber, so großes Glück sie ansonst gehabt hat in Liebes¬ sachen, ordentlich geschnitten. Manöverzeit war. Einquartierung ist nach Pinzelstätten gekommen, auf einige Tage nur. Da haben die guten Pinzelstättner was zu schauen gehabt, daß ihnen fast der Verstand stillgestanden ist. „So viele Soldaten — und so schöne, so junge!“ haben sich die Dirnlein gesagt, und keine hat während dieser Zeit den ihren angeschaut. Dafür aber haben sie fleißig die hohlen Mägen der Soldaten ausgestopft, denn auch sie dürften es gewußt haben, daß der Weg zum Herzen durch den Magen führt, besonders bei Soldaten. Und her¬ ausgeputzt haben sie sich; fesch, mit einem Wort gesagt. Sogar gewaschen haben sie sich jetzt so oft, als früher kaum das ganze Jahr über. Die Sumperer Mirl ist bei solchem Tun nicht hinten geblieben, beileibe nicht. Ganz närrisch war sie, und sie hat sich so lange vor die Soldaten hin¬ gestellt, bis wirklich einer mit ihr angebandelt hat. Muß hungrig gewesen sein, der Kaiserliche, denn er hat schnurstracks auf seinZiel losgesteuert. „Schöns Diandl, nix zum Essen?“ hat er ganz unverfroren gefragt und sich kerzengerad vor ihr aufgepflanzt. Herrgott von Stadelhofen, hat der Mirl mit ihren hochaufgelaufenen Jahrgängen das „schöne Diandl“ gut getan! Rot wie ein gesottener Krebs ist sie geworden vor übergroßer Freud. „Nit bloß für einen, für etliche Zehne zum Essen!“ lispelte sie verschämt und wackelte dabei einer Ente am Kirchtag gleich. Ist dann gelaufen und hat alles Mögliche, was sich in einem Nest wie Pinzelstätten nur immer an E߬ waren auftreiben läßt, für gutes Geld zusammengekauft. Und sie hat dem Kaiserlichen noch eigens einige Zwanziger in die Hand gedrückt, weil er ihr mit seinem nach Art des Matratzenhaares aufgezupften Schnurrbärtchen gar so aufrührerisch in die Augen stach. Fürs liebe Vieh im Stall ist die Mirl auf einmal eine wahre Rabenmutter geworden. Kaum zum Füttern hat sie sich mehr Zeit genommen. Der Simpelehuber, freilich hat der sich ordentlich gefuchst; nicht bloß, weil die Dirn jetzt die Tiere so sehr vernachlässigte, sondern hauptsächlich deswegen, weil sie ihm zugeflüstert hatte: „Dös, Bauer, der Soldat gibt Bußlan! Ganz andre wie so a gwöhnlicher Zivilist. Na, dö bringt so einer gar nit z'samm! Darauf hatte sie mit der Zunge saftig geschnalzt, als wäre sie erst jetzt auf den richtigen Geschmack einer Schöntuerei gekommen. 120

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