Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1924

erhoben beträchtliche Ansprüche auf öster¬ reichische Kunstschätze. — Nach einer Front¬ gerieten Sozial kämpferversammlung demokraten und Hakenkreuzler aneinander, wobei letztere einen Arbeiter erschossen. — 18.: Die Bundesregierung erhob gegen Bürgermeister Reumann als Landeshaupt¬ mann beim Verfassungsgerichtshof die An¬ klage wegen schuldhafter Rechtsverletzung anläßlich der Inbetriebsetzung des Krema¬ 19.: Die Franzosen verhängten toriums. — über Gelsenkirchen den verschärften Belage¬ Der Finanzminister der rungszustand. — Tschecho=Slowakei, Dr. Raschin, starb infolge der bei dem Attentat auf ihn erlittenen Verwundungen. — 20.: In einer Berliner Nationalistenversammlung kam es zu gro¬ ßen Zusammenstößen, wobei sechs Personen verletzt wurden. — 21.: Der Finanzaus¬ schuß des Gemeinderates hat 25 Millionen für die Erhaltung des Stephansdomes ge¬ widmet. — 22.: Nach dem Urteil des Buda¬ pester Gerichtshofes verfiel das gesamte Vermögen des Grafen Michael Karolyi wegen Vaterlands= und Hochverrat an den ungarischen Staat. — 23.: Der Belgrader Ministerrat setzte die Richtlinien für die Verhandlungen mit Bundeskanzler Doktor 24.: Die Polizei löste Seipel fest. — die monarchistische Selbstschutzformation „Ostara“ auf. — Die Quoten für den österreichischen Kredit, welche die Banken zu übernehmen erklärten, waren: England 1,800.000 Pfund Sterling, Frankreich 60 Millionen französische Francs, Holland sechs Millionen holländische Gulden, Belgien 8½ Millionen belgische Francs, Schweiz fünf Millionen schweizerische Franken und Schweden 100.000 Pfund. — Unter Teil¬ nahme sämtlicher Arbeiterorganisationen wurde der erschossene Arbeiter Franz Birn¬ ecker zu Grabe getragen. Die Leichenfeier währte von halb 3 Uhr nachmittags bis halb 7 Uhr abends. — 25.: Die Franzosen überfielen den Schnellzug Köln=Berlin und raubten 15 Milliarden Papiermark. — Alle Bürgermeister der Städte des Ruhr¬ gebietes wurden zum Teile ausgewiesen, zum Teile eingesperrt. — 26.: Aus dem Laboratorium der Thyssen=Werke wurde Platin im Werte von 180 Millionen Mark 59 gestohlen. — 27.: In einer Genossenschafts¬ versammlung der Schneider im Wiener Rathaus kam es zu wüsten Tumulten. 28.: Bei einer Wiener Speditionsfirma wurden Waren fuhrenweise gestohlen. Die Schadenssumme betrug Milliarden März, 1.: Die Gemeinde Wien genehmigte ein neues Wohnbauprogramm, wonach — 775 neue Wohnungen und drei neue Bäder geschaffen werden sollen. — Ein 22jähriger Mann stellte sich der Polizei mit der An¬ gabe, daß er mehreren Personen mindestens 200 Millionen entlockt habe. — 2.: Frank¬ reich ging mit neuen Sanktionen vor. Eine Anzahl Bahnhöfe wurden besetzt und farbige Soldaten in Bürgerwohnungen ge¬ steckt. — 3.: Bei einer Versammlung der Jüdischnationalen im Wiener Rathause kam es zu einem Zusammenstoß dieser mit Hakenkreuzlern. 17 Verletzte und 100 Ver¬ In haftungen waren zu verzeichnen. — Graz kam es wegen Lohndifferenzen zu Arbeiterkrawallen. — 4.: Die italienischen Truppen räumten Dalmatien. — In Baden und Hessen wurden neuerlich eine Reihe Orte und Bahnhöfe von den Franzosen — 5.: Der Rektor der Wiener besetzt. Technischen Hochschule gab einen Erlaß heraus, wonach jüdische Hörer nur im Ausmaß 1:10 zur Eintragung zugelassen werden. — 6.: Im Deutschen Reichstag fand eine denkwürdige Sitzung statt. Der Präsident sagte in seiner Einleitung: „Die Reichsregierung und der Reichstag müssen jetzt ihre Stimime erheben vor der ganzen Welt zum Proteste gegen diese Brutali¬ täten, die nur zu einer wachsenden Flut des Hasses führen können!“ Hierauf sprach der Reichskanzler gegen die Vergewaltigungen der Franzosen. — 7.: Das Justizministe rium verbot allen richterlichen Funk tionären das Tragen von politischen Ab¬ zeichen während ihrer Amtstätigkeit Die Münchner Polizei vereitelte einen vor¬ bereiteten Rechtsputsch und verhaftete zahl¬ 8.: In Wien * reiche Nationalisten. wurde ein Krankenkassenarzt wegen ver¬ botener Eingriffe mit tödlichem Ausgang verhaftet. — In Budapest und Umgebung wurden Fälle von Flecktyphus festgestellt. 9.: Staatsrat Glücksstad in Kopenhagen

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