Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1917

einer bedeutenden Menschenmenge em¬ pfangen und in die Kirche geleitet wor¬ den. Der Herr Bürgermeister war ihm bis zum „Wirt im Felde“ entgegenge¬ fahren, und am Sonntage den 24. er¬ folgte vom Dompropste Schindermayr dessen feierliche Installation unter Pöllerschüssen. Es wird gesammelt für ein Monu¬ ment für den verstorbenen Stadtpfar¬ rer Alois Zweythurn. Am Pfingstsonntage früh trafen 90 Sänger des Wiener Schubert¬ Bundes (Lehrer, Professoren und Künstler) hier ein, wurden am Fischhu¬ berberge feierlich von den hiesigen Sän ger= und Turnvereinen empfangen und zum Rathause begleitet, wo die Fahnen deponiert wurden, dann nachmittags Diner im Crammer=Garten und dann Ausflug auf den Tabor, abends Theater, am Montag früh auf den Damberg, nachmittags und abends Pro¬ duktion und Tanz in Crammers Restau¬ ration, Dienstag Abreise. Um bei unseren heillosen Staats¬ finanzen einen förmlichen Staats¬ bankerott doch wo noch möglich hint¬ anzuhalten, hat das Abgeordnetenhaus unseres Reichsrates nebst einer 20% Ver¬ steuerung und der Konvertierung der enormen Staatsschuld von mehr als 3000 Millionen Gulden, auch den Ver¬ kauf der sämtlichen Staatsgüter und da¬ runter auch der Erzlager und sämtlicher Eisenwerke der k. k. Innerberger Haupt¬ gewerkschaft beschlossen. Da nun aber dieser Verkauf, wenn er an in= oder ausländische Monopolisten erfolgen wür¬ de, unfehlbar die wichtige Eisenindustrie von Steiermark, Nieder= und Oberöster¬ reich und insbesondere unserer Stadt total ruinieren müßte, so sind im Juni viele Eisenindustrielle dieser Provinzen in Wien zusammengetreten um eine in¬ ländische Aktien=Gesellschaft zum Ankaufe der fraglichen Erzlager, Hüttenwerke und Waldungen zu gründen und sind in das diesfällige Komitee in Wien unser städtischer Rechtskonsulent 155 Dr. Johann Hochhauser, der Eisenhänd¬ ler Franz Schönthan von Pernwald und der Waffenfabrikant Josef Werndl ge¬ wählt worden. Glück auf zu diesem gro¬ ßen Unternehmen! — aber die Hoffnung auf eine glückliche Realisierung ist in keiner Beziehung sehr groß. Am 13. Juli begann endlich die mini¬ Eisenbahnbegehungs¬ sterielle Kommission für die trassierte Strecke Steyr bis Weyer hier in der Vor¬ tadt Schönau, wo bereits 3 Wohn¬ häuser und 3 Stadeln um gute Preise abgelöst sind, ihre Arbeiten, welche bis Weyer fast zwei Wochen dauerten und dann wurde auch an mehreren Stellen der Bau selbst angefangen. Am 21. Juli verließ uns endlich das seit dem vorigen Herbste mit 3 Kom¬ pagnien hier und 1 Kompagnie in Gar¬ sten garnisonierte und hier in Zins¬ zimmern bequartiert gewesene 2. Ba¬ taillon des 63. Inf.=Reg., König von Hannover und rückte in das Lager nach Bruck ab, zum großen Leid¬ wesen der hiesigen Fräuleins, indem künftig wieder nur 94 Mann mit 2 Offi¬ zieren von der Linzer Garnison die Strafhauswache in Garsten bilden werden. Am 30. Juli kam, nachdem anstatt der am 25. Mai abgetragenen Schiffkorn¬ schen Ramingbachbrücke eine neue eiserne Gitterbrücke bereits hergestellt ist, wieder die erste Lokomotive nach Steyr, und am 31. kamen auch per Bahn der Herr Generaldirektor G. Aichinger mit mehreren Verwaltungsräten der Bahn hier an und fuhren nach 2 Stunden wieder nach Wien retour. Die aus allen Ländern zusammenge¬ strömten Werndlschen Arbeiter, deren Zahl in Steyr allein bereits. 1600 beträgt, machen in ihren Uebermute viele Wirtshausspektakel und sonstige Rauferzesse, weshalb bereits die städtische Polizeiwache von 5 auf 7 Bewaffnete vermehrt werden mußte, und am 8. August hat gar ein solcher Ar¬ beiter seine Geliebte, eine Bürgers¬

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