Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1902

154 drei Schweine verbrannten. Es gingen aber die ganzen Futtervorräthe und die meisten Fahrnisse zu Grunde. Der Schade betrug 20.200 K; die Versicherung bei 18.000 K. An der Localisirung des Brandes arbeiteten die Feuerwehren von Bad Hall, Sierning, Pichlern, Waldneukirchen, Adlwang und Pfarrkirchen. Das Feuer war von der 16jährigen, aus Sierning gebürtigen und nach St. Marien zuständigen Dienstmagd Marie Bärnklau gelegt worden, weil sie nicht länger dortselbst dienen wollte. Das Mädchen, welches körperlich und geistig etwas zurückgeblieben ist, wurde Anfangs September beim Schwurgerichte in Steyr des Verbrechens der Brandlegung für chuldig erkannt und unter Anwendung des außerordentlichen Milderungsrechtes zu drei Jahren schweren Kerkers verurtheilt. Am selben Tage wurde der seit 33 Jahren im Weinmeister'schen Sensenwerke zu Agonitz bedienstet gewesene Sensenarbeiter Mathias Jagersberger bei der Arbeit vom Schlage gerührt und blieb sofort todt. Er war ver¬ heiratet, Vater von drei Kindern und hatte von seinen Ersparnissen sich seinerzeit das ogenannte „Rainergut“ in Altpernstein angekauft. Am 14. Juni wurde im Sipbache nächst der Ortschaft Lindach der Leichnam eines circa 50 Jahre alten Mannes aufgefunden. Derselbe war circa 14 Tage im Wasser ge¬ legen und wurde als der Kesselflicker Thomas Rohacs aus Neszlusa agnoscirt. Der Mann ist vermuthlich im Rausche verunglückt In Steyr starb am 15. Juni der ge¬ wesene Bäckermeister Georg Lintlen. Vater des Bäckermeisters und Gemeinde¬ rathes Georg Lintl jun. in Steyr, in seinem 83. Lebensjahre. Durch Tüchtigkeit und nimmermüde Arbeit hatte es der Verblichene zu hohem Ansehen gebracht, weßhalb sein Hingang auch allseits Theilnahme fand. Lintl sen. war seinerzeit an der Gründung der Sparcasse wie bei der Erbauung der Rudolfsbahn, als auch bei der Gründung der „Steyrer Zeitung“ lebhaft betheiligt. Den Conduct des Leichenbegängnisses des alten geachteten Steyrer Bürgers führte dessen Sohn, Stadtpfarrer Alois Lintl von Urfahr. Am selben Tage verschied in Steyr die Private Marie Millner, die Mutter des bekannten Privaten Hans Millner daselbst, in ihrem 77. Lebensjahre. Sie war die Witwe des seinerzeitigen Vesitzers des sogenannten Millnerhammers (jetzt Object I der österr. Waffenfabrik), Johann Millner mit welchem sie volle 40 Jahre verheiratet gewesen, und der ihr vor 19 Jahren im Tode vorangegangen war. In ihr verkörperte sich noch des Bürgerthums „gute, alte Zeit“ Im Hotel „Schiff“ in Steyr fand am 15. Juni eine zahlreich besuchte öffentliche Versammlung des „Deutschen Volksver¬ eines für den Traunkreis in Steyr“ statt, wobei Redacteur Hans Schögl von Linz über das Thema „Volk, Schule und Rechtsverhältnisse des Lehrerstandes“ und Reichsraths= und Landtagsabgeordneter Anton Hueber von Salzburg über gewerb¬ liche und politische Fragen sprach An diesem Tage constituirte sich auch in Linz unter dem Vorsitze des Herrn Landeshauptmannes Dr. Alfred Ebenhoch der Landesverband für Fremden¬ verkehr in Oberösterreich, in welchen auch der Landtagsabgeordnete der Stadt Steyr, Victor Stigler, gewählt wurde. Die Freiwillige Feuerwehr von Grün¬ burg feierte am 16. Juni das Fest ihres 25jährigen Bestandes, welches mit einem Delegirtentag des Bezirksverbandes ver¬ bunden war. Es waren erschienen die Feuer¬ wehren von Molln (mit Musik), Breitenau, Kirchdorf, Neuzeug=Sierninghofen, Garsten¬ Sand, Waldneukirchen, Bad Hall, Pichlern, Trattenbach, Steyr Waffenfabrik und Steyr Stadt, zusammen bei 150 Mann; die Orts¬ euerwehr von Grünburg zählte 100 Mann Bei dem Feste wurden folgende Feuerwehr¬ männer für 25jährige treue Dienstleistung mit Diplomen ausgezeichnet: Peter Hackhofer, Alois Brandstetter, Anton Kerschbaumer Gottfried Schrempf, Jacob Ramsner, Jose Schindler, Franz Pießlinger, Andreas Maier Franz Herber, Wenzel Köhler und Gottlieb Mehrwald. Feuerwehrhauptmann=Stellver¬ treter Franz Zauner begrüßte die zum Feste erschienene Gemeindevertretung und die Festgäste, darunter speciell einen der Gründer der Feuerwehr, den emer. Notar Dr. Alois Kurz von Steyr, und Bürg meister Moriz Ludwig insbesondere die auszuzeichnenden Jubilare. Nach dem Fest¬ zuge durch den schön beflaggten Ort wurde in Folge der Ungunst der Witterung von der Abhaltung einer Uebung abgesehen. In den verschiedenen Gasthäusern ging es dann recht lustig und kameradschaftlich zu. Das ganze Fest verlief in animirtester Weise. Am 17. Juni wurde P. Norbert Metz, Küchen= und Gastmeister im Stifte Krems¬ münster, zu Grabe getragen, welcher in Folge eines Blutsturzes in Mülln bei Salz¬ burg plötzlich verschieden war. Der Ver¬ blichene stand im Alter von 52 Jahren und wurde 1874 zum Priester geweiht, nachdem er 1869 in das Benedictinerstift Krems¬ münster eingetreten war. Er wirkte unter anderem in der Seelsorge als Cooperator in Kematen (1884—85), an der Stiftspfarre 1885 —88), und dann als Pfarrvicar in Rohr (1888—90) und in Bad Hall (1890—96). Am gleichen Tage wurde der Vorstadt¬ pfarr=Cooperator Heinrich Pfeiffer in Steyr zum Pfarrer in Wolfsegg ernannt Derselbe war Präses des Kathol. Gesellen¬

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