Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1900

Jung und alt. (Nachdruck verboten.) I. übermuth, der Burschen seines Alters , das is' ja gar der Leifelder meist beseelt, völlig fremd war. Dazu hatte er eine langsame Redeweise, wie Franz! Bist denn schon z'ruch wenn er jedes seiner Worte wohl be¬ von der Militari? Sind die dächte, ehe er es aussprach. drei Jahrln schon wieder um Mei', mei', wie halt die Zeit vergeht!“ „Na ja freilich, es ist schon ein olcher Gang, wegen einer Heirat! Ob Und das alte, hagere Weiblein, das was draus wird, kann ich aber noch nit so sprach, blieb mitten auf der breiter für g’wiß sagen, denn ich geh' mir erst Straße stehen, guckte einem jungen d'Braut anschau'n! strammen Burschen scharf ins Gesicht und streckte demselben zur Begrüßung Neugierig schaute die Alte auf den die braune, magere Rechte hin. Der¬ Sprecher und sagte: „Ja, was Du nit weilen ihr der Bursche mit einem freund¬ agst! Derf man denn wissen, wer's ei¬ lichen „Grüß Gott!“ die Hand schüt¬ gentlich is'? Wär' wirklich recht'neu¬ telte, ging das Redewerk sogleich wieder gierig!“ seinen Gang „Na ja, ist ja eh kein G’heimniß „G'wachsen bist ordentlich, seit i Dich nit! Wirst sie eh' kennen, mein' ich nimmer g’sehen hab'! Und sauber bist d'Bacherbäurin z'Pierbach ist's!“ ’worden, na, das muß man schon sagen „D'Bacherbäurin?“ rief das Weib Wie lang bist denn eigentlich schon da¬ ganz verwundert. „Ja, wie bist denn Du heim? auf die 'kommen? „Gestern war's drei Wochen. „Wie? Na, durch'n Hamtinger, mein Hat denn d' Winklehnerin nix g’wußt Vettern! Der kennt, mir scheint, die davon?“ meisten Lent' da um und auf in der „Keine Spur nit. Ja, weißt, die Gegend. Er hat halt g'meint, d’Bacher¬ letzten paar Wochen is' mir da herum bäurin möcht' gut passen für mich! Und frei keine Menschenseel' begegn't und da nachher trifft er zusammen mit mir und hab’ i nix erfahren können. Und ins geht mit hin zu ihr. Wirthshaus da vorn' geh'i jetzt a ganze Die Alte schlug klatschend beide Zeit nimmer eini; müßt' g'rad' einma Hände zusammen und neigte den Kopf stoamüd' (besonders müde) sein. Sonst nach rechts und nach links mit einer nit. Weißt, die Zeiten werden allewei Miene stärksten Staunens. „D'Bacher¬ schlechter und meine Botengäng' werd'n bäurin? J' komm' gar nit zu mir vor mir jetzt schon miserabel schlecht bezahlt lauter Verwunderung! Und die sollt' für Laßt sich nix machen; man muß's halt Dich gut passen, meint er, der Hamtinger! nehmen, wie's kommt! Jetzt sag' mir Ist das ein Kund', ein unverstandiger! aber, wo gehst denn Du jetzt hin? Wenn Man sollt's frei nit glauben, daß Eins die Frag' erlaubt ist, heißt das! Leicht in seinem Alter noch so unverständig gar aufs Heiraten aus? sein kann! Ein so ein alt's Weib und Der Bursche lachte, aber nicht laut o ein junger, sauberer Bursch' a und fröhlich; in seiner Miene prägte sich Schand' ist's frei, so was zu denken! wie vorhin eine stille Zurückhaltung Jung und alt is' grad' wie warm und eine Ruhe aus, die erkennen ließ, daß kalt. Das thut kein gut, mein Bual den Kern seines Wesens ein tiefer, wei s möcht' Dich einmal bitter reuen, wenn über seine Jahre hinausgehender Ernst Du eingingst auf den Handel. Kehr' lieber bildete, daß seinem Gemüthe der Jugend¬ gleich um und schan Dir um a Andre.“ 4

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