Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1900

29 erfreut sich heute noch der Vater, wie die Beiden sich in die traurigen Tage der erwachsene Sohn, welcher für imme der Vergangenheit mit dem süßen Ge¬ den Soldatenrock angezogen ühle des „Geborgenseins“ zurückversetzen Als stille Mahnung hat Möllner o sagt der Vater stets: „Unser Herr¬ den Brief Vetter Martin's aufbewahrt gott hat doch auf andere Weise ge¬ durch welchen ihm in der Stunde bitteren holfen als auf die, in welcher der Trübsal die Versuchung so nahe getreten Vetter die einzige Rettung für mich fin¬ einen Treubruch an seinem Glauben zu den wollte. Aber erst, nachdem ich Kraft begehen, der leicht zu seinem Abfall hätte erlangt, mich zu einem entschiedenen führen können. Nein' aufzuraffen, sandte Gott die Für Richard ist jenes Schreiben helfende Hand welche vor dem Versinken längst kein Geheimniß mehr, und wenn Dich wie mich bewahrte.“ Die Hausfreundin. Humoreske von Janny Kaltenhauser. (Nachdruck verboten.) a kommt er endlich!“ — „Um „Eine Hausfreundin? Na, dannsei eine halbe Stunde verspätet! mal froh, daß es nicht ein Hausfreund „Maller, wo bist Du so ist!“ lange gewesen? „O, gut hab' ich es auch so nicht! So tönte es ihm Chorus von den klagte Herr Maller. „In Allem und Jedem Lippen der drei Freunde, welche am bei meiner Liese Thun und Lassen muß Stammt che im „Goldenen Bären“ bei¬ die Hausfreundin ihre Meinung abgeben sammen aßen und seit sieben Uhr auf und was da oft herauskommt, könnt den Vierten im Bunde geharrt hatten. Ihr Euch denken! Man ist nicht einmal „Zu Hause,“ erwiderte Leopold sein eigener Herr zu Hause. Was man Maller. redet, was man thut, wird Alles einer „Ja, und was machst Du denn für Beurtheilung unterzogen, wird bemäkelt, ein saures Gesicht? Hast Du daheimals wäre es das Verwerflichste; und ge¬ einen Zank?“ fragte jetzt einer der Drei rade da, wo man es am wenigsten wünscht, „Thäte mich wundern, wo ich doch weiß, wird Einem ein guter Rath aufgedrängt. wie gut Du mit Deiner Frau lebst! Erlaubt man sich dann, nach seinem Willen Wehmüthig nickte Herr Maller dazu. und Ermessen zu handeln, dann wird „Ja, ja, bisher habe ich an der Seite oh' und „weh geschrien, als ginge die meiner Liese gelebt wie im Himmel. Welt zu Grunde. Ja, Freunde, mögt Aber seit vierzehn Tagen ist's nicht mehr Ihr es glauben oder nicht, aber wahr auszuhalten bei mir daheim!“ ist's: mir ist das Daheimsein total ver¬ „So? Und warum denn?“ fragte leidet. Herr Trattner. „Ist vielleicht die Mutter Und mit der trostlosesten Miene von Deiner Frau jetzt bei Euch? Ich weiß, der Welt ließ sich der Sprecher auf einen mit den Schwiegermüttern ist's ja eine Stuhl nieder und schaute die Freunde wahre Plage! der Reihe nach an. Plötzlich rückte der Ach, die hat wahrlich keine Zeit, sich ihm zunächst sitzende Freund, der Kauf¬ um uns zu kümmern! Die kann ihren mann Wirt, ganz nahe zu ihm heran, Mann und die zehn Sprößlinge, die sic mit lächelndem Gesicht: „Du, Maller noch hat, nicht auf einen einzigen Tag merk' auf, was ich Dir mittheile, sagte verlassen. Aber— meine Frau hat sich er wichtig. „Ich will Dir sagen, wie Du eine Hausfreundin angeschafft! die Hausfreundin vertreibst. Nicht wahr,

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