Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1896

64 der Fußwaschung spricht der Papst denGründonnerstagsgemüses glaubt man sich Segen über die Stadt und die Welt. vor Bezauberung und Unglücksfällen schützen Das protestantische Deutschland be¬ zu können. trachtet den grünen Donnerstag als ge¬ In Moskau wäscht der Erzbischof wöhnlichen Werktag oder höchstens als zwölf Geistlichen die Füße, wie auch in halben Feiertag an den Orten, wo den den Abteien und Bisthümern die Prälaten am Palmsonntage confirmirten Knaben und höchsten Würdenträger das Beispiel und Mädchen zum ersten Male das Abend¬ des Herrn nachmachen. Selbst in dem mahl gereicht wird. Sonst herrscht überall die protestantischen England hat sich diese Sitte Sitte, an diesem Tage ein Gemüse von bis heute erhalten. Ehedem wuschen der den Erstlingen aus der Pflanzenwelt zuKönig und die Königin so vielen Bettlern genießen, und dieser Gebrauch ist aller die Füße, als das Ehepaar Jahre zählte. Wahrscheinlichkeit nach der Grund warun Im Jahre 1814 erhielten nicht weniger man diesen Donnerstag den „grünen“ ge¬ als fünfundsiebzig Männer und fünfund¬ nannt hat, eine Benennung, deren Ursprung siebzig Frauen in der königlichen Halle verschieden gedeutet wird, so soll er z. B. Lachs, Stockfisch und Heringe, Rindsbraten von einem hebräischen Gebrauch herstammen. Ale und Porter. Königin Victoria hat Das Herkommen bestimmt, daß bei diesem auch schon für die Speisung von vierund¬ Gemüse die heilige Neunzahl in Kraft iebzig Armen zu sorgen. In England heißt tritt, denn es muß aus neunerlei heilsamen der Gründonnerstag der Korbdonnerstag Kräutern zubereitet werden. Gewöhnlich veil den Armen die Speisen in Körben nimmt man dazu Bachbunge, Brunnenkresse, gegeben werden; bei den Belgiern heißt er Schlüsselblumen, Hollundersprossen, Brenn¬ der weiße, der hohe oder große, bei den nesseln, Butterblumen, Frauenmantel, Lauch Dänen, Schweden und Norwegern der reine und Kuckucksblumen. Durch Genuß dieses oder reinigende Donnerstag. Humoristisches. Aus der höheren Töchterschule. sein“ gesungen, dessen Refrain bekanntlich Professor (zu den Schülerinnen, die sich lautet: „Edite, bibite, collegiales, post ehr wild benehmen): „Das kann ich Ihnen multa saecula pocula nulla!“ Der alte agen, fünf Gymnasiasten sind mir lieber Forstmann, der die lateinische Sprache nur als Eine von Ihnen!“ — Eine Schülerin: dem Namen nach kannte, stutzte nach den „Mir auch, Herr Professor! lateinischen Worten, aber er half sich und Jägerlatein. Ein Student, welcher ang aus vollem Halse: „Edelmann, einer Verbindung angehörte, bekam Besuch Bibelmann, Consistorialrath, Forstmeister, von seinem Vater, einem biederen Förster. Säbelmann, Popelmann, Hurra Er wurde auf seinen Wunsch von seinen Verlockend. Agent (einer Unfallver¬ Sohne mit auf die Kneipe genommen, wi icherungsgesellschaft zu einem Reisenden): er sich im Kreise der jungen Leute ganz Sehen Sie, gesetzt den Fall, Sie brechen * ** heimisch fühlte und tüchtig mitpoculirte ein Bein, so bekommen Sie 5000 fl.; brechen Man hatte ihm ein Commersbuch vorge¬ Sie nach vier Wochen einen Arm, so bekom¬ legt und der Alte sang wacker mit. Schließ men Sie 10.000 fl.; brechen Sie aber das Ge¬ lich wurde auch das Kneiplied „Ca, Ca, nick, so bekommen Sie gar 30.000 fl. — und geschmauset, laßt uns nicht rappelköpfisch sind dann der glücklichste Mensch der Welt!

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