Gemeindetagsprotokoll vom 29. Dezember 1937

Der Bürgermeister eröffnet die Wechselrede. Die G.R. Rossner und Wipplinger legen in längeren Ausführungen die Unhaltbarkeit und Unsinnigkeit der Tendenz der angeführten Broschüre dar. G.R. Hofer ist der Ansicht, dass eine Ermässigung oder gänzliche Auflassung der Wust den Automarkt bedeutend heben würde, worauf ihm G.R. Rossner erwidert, dass in Österreich die Wust so fest verankert und eine Produktion ohne Wust nicht möglich ist. Die Kunde, die ein Auto kauft, muss damit rechnen, dass in dem Autopreis auch alle sozialen Lasten u.s.w. mit inbegriffen sind. G.R. Josef Hübl vermisst im Haushaltsplan die Einstellung eines grösseren Betrages für den Fremdenverkehr. Er ist der Ansicht, die Stadt solle die Bedeutung des Fremdenverkehres nicht unterschätzen. Ebenso vermisst der Redner im Haushaltsplan einen Betrag für den Körpersport und für die Jugenderziehung. Es sei unverkennbar, so führt der Redner aus, dass Steyr im Sport eine aufstrebende Stadt ist. Seiner Meinung nach wird sich auch die Stadt nicht verschliessen können, der Jugendbewegung einen Betrag zur Verfügung zu stellen. Ferners ersucht er den Bürgermeister, von Zeit zu Zeit Gemeindeversammlungen abzuhalten, um die Wünsche der Bevölkerung entgegenzunehmen, bezw. seine Wünsche und Vorhaben mitzuteilen. Dies wäre seiner Meinung nach eine gewisse Deckung des Gemeindetages für seine Beschlüsse. G.R. Dr. Fritz Doppler kritisiert die mangelnde Strassenund Brückenpflege. Wenn die Stadt die Mittel für die Strassenpflege zur Verfügung stellt, dürfe es nicht mehr vorkommen, dass die Bevölkerung dauernd durch Schmutz, Staub und über Glatteis gehen müsse. Wenn auch eine intensive Strassenpflege eine unproduktive Aufgabe ist, dient sie doch denjenigen Menschen, die auch die erhöhten Abgaben tragen müssen. G.R. Anton Weindl ersucht den Bürgermeister, bei der Einhebung der Kommunalabgabe, die immerhin im Jahre rund 236.000 S ausmache, nicht so genau nach dem Buchstaben des Gesetzes oder nach den Ziffern des Voranschlagen vorzugehen, sondern nach der Möglichkeit und Tragfähigkeit. Er ersucht weiters den Bürgermeister, Mittel und Wege zu finden, damit im Jahre 1938 eine den derzeitigen Anforderungen entsprechende Leichenhalle errichtet werden könne. Bezüglich der Ausgaben der Stadtgemeinde für das Bettlerhaftlager erscheinen ihm diese zu hoch. Er ersucht den Bürgermeister um Aufklärung.

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