Gemeinderatsprotokoll vom 27. Dezember 1919

2.700 K Uebertrag 3. Meisteratelier für Stahlschneidekunst 1.250 # 3.000 4. Musikwesen .000 5. Theaterausstattung 6.600 Voraussichtliche Mehrauslagen 6. 7 . Volksbibliothek 10 000 " 31.550 K Summe 11.200 K Zusammen Inter Kultus sehen Sie eine Post, die nicht recht ver ständlich ist, denn von wo kommt für ein Gemeinwesen die Verpflichtung her, daß selbes für eine konfessionelle Grupp 6000 K für Pfarr= und Kirchengebäudeerhaltung zahlen soll. Ich kann es nur aus historischen Gewohnheiten ableiten und wird zu erwägen sein, auf welchen Rechtstitel sich diese Aufgabe aufbaut Unter der Post Unterricht sehen Sie eine gewaltige Steigerung von rund 290.000 K. Wir wollen endlich einmal nachdem der Militarismus gefallen, unserer Jugend Ausbildungs¬ stätten im wahren Wissen schaffen, damit unsere Jugend mit hellem Geiste und mit mehr Tatkraft den Kampf um das Leben führen kann. Statt der zwei Jahre Militärzeit wollen wir liebe zwei Jahre länger für die Schulung kommender Generationen verwenden. Eine besonders hohe Post bildet die für die Städt. Handelsschule, die infolge des natürlichen Fortganges ein Steigerung der Ausgabe von 80.000 K aufweist. Ob es seinerzei gerade eine gute Idee war, eine eigene Handelsschule zu er¬ ichten, statt selbe an die Bürgerschule anzugliedern, ist meines Erachtens mehr als fraglich. Doch nun besteht diese Schöpfung und es heißt selbe erhalten und ausgestalten. Eine große Post bilden auch die Auslagen für Lehr= und Lernmittel ein, doch wird diese allmählich noch höher werden, bis alle Kinder kosten¬ los die Bücher erhalten werden. Es gehört mit zu den Reform plänen einer modernen Schule, die Lernmittel allen Kindern aus gemeinsamen Mitteln beizustellen. Für die Ausgestaltung der Fachschule, die nun im Februar spruchreif wird, werden der Gemeinde noch allerhand Lasten erwachsen, doch es gilt hier das Jahre alte Versprechen, endlich ein geeignetes Gebäude für Fachschulzwecke zur Verfügung zu stellen, einzulösen. Hier er¬ üllt es mich mit besonderer Genugtuung, das es der jetzigen Majorität gelungen ist, diese Frage einer gedeihlichen Lösung zuzuführen. Den die Ausgestaltung dieser Schule ist nicht nur für unsere Industrie, sondern auch für das Gewerbe von un¬ geheuer großer Bedeutung. Durch diese Ausgestaltung werden der Industrie tüchtige Kräfte zugeführt werden, aber auch manche Zweige des Gewerbes, so die Messer-, Scheren= und Sensenindustrie werden belebt und den alten guten Ruf dieses Gewerbes haben durch Schulung tüchtiger Handwerker. Das bietet einen Bestandteil wahrer Gewerbe= und Industriepolitik zum Wohle des alpenländischen Volkes Ein neuer Zweig scheint unter Post 13 auf 100.000 K ür Jugendfürsorge und Kinderhilfsaktion. Die furchtbare Ver¬ elendung der Jugend durch den Krieg, zum Teile auch Verwahr¬ losung zwang alle einsichtigen Leute in großzügiger Form alles u unternehmen zur Rettung unserer Kinder, unserer Zukunft Was aus diesem Gebiete unter großen Opfern von einzelnen Bewohnern unserer Stadt geleistet wurde, verdient vollste Aner¬ ennung und doch muß noch vieles, sehr vieles geleistet werden, um das furchtbare Leid, daß dieser von Verbrechern in Szene gesetzte Krieg verursachte, zu mildern. Das, was diese volks¬ fremden Herrscher diese Väter ihrer Völker verbrochen haben, das wollen nun diese von ihren Vätern verlassenen Untertanen wieder gut machen. helfen Sie alle mit, retten wir unsere Jugend Auf dem Gebiete von Kunst und Wissenschaft konnten wir leider nicht jene Schritte unternehmen, die dem Ansehen unserer Stadt entsprechen würden. Andere Sorgen drängen diese zurück, doch soll das nicht den Anschein erwecken, als ob wir nicht daran denken werden. Zwecks Gründung einer Volks¬ bibliothek hätte ich es gerne gesehen, wenn man dafür einen größeren Betrag eingesetzt hätte. In letzter Zeit haben wir im „Steyrer Tagblatt“ ein Theaterprojekt veröffentlicht, in desser inne wir zur Hebung der Stadt Steyr arbeiten werden, dock braucht diese Sache ziemlich viel Zeit und Mittel. Herr G.=R. Prof. Brand verweist darauf, daß die Post 1 dem Patronatsrechte der Stadtgemeinde gegenüber der Vorstadtpfarrkirche entspricht, welches Recht auch gesetzlich ge¬ regelt ist. Wenn die Stadtgemeinde auf das Patronatsrech erzichtet, so kann die Gemeinde diese Kosten ersparen. Was die handelsschule anbelangt, so ist die Gründungsabsicht derselben chon auf lange Jahre zurückzuführen, obwohl die Errichtung damals im Gemeinderate mit allen gegen zwei Stimmen an jenommen wurde. Bevor jedoch von der früheren Majorität die Handelsschule eröffnet wurde, hätte man sich um die ent prechenden Subventionen von Staat und Land kümmern sollen Weiters muß ersucht werden, daß die Verstadtlichung des Antrag Erfordernis. das Jahr ür IX. Militärangelegenheiten 920 200 K 1. Auslagen für Heeresergänzung 5.000 2. Kosten der Militärbequartierung 5.200 K 1 Fürtrag 7 K Fürtrag 3. Meisteratelier für Stahlschneidekunst * * —„ 4. Musikwesen : * —E Summe 31.078 K Zusammen * Lyzeums endlich ernstlich in Erwägung gezogen wird. Was das Jugendamt betrifft, so ist die hiefür eingesetzte Post wohl voll und ganz anzunehmen. Unsere Jugend ist infolge der Er¬ nährungsschwierigkeiten herabgekommen; wir müssen trachten, eine gesunde und kräftige Jugend zu erhalten Was das Theater betrifft, so ließe sich zum Neubau eines Theaters eine Beitragssammlung auch so durchführen, daß zu en Eintrittskarten noch Zuschläge für Bausteine gemacht werden; es kämen immerhin hübsche Beiträge zusammen, was iemit in Antrag gebracht wird. Herr G.=R. Vogl erklärt, daß alljährlich diese Frage der Kosten wegen der Kirchen= und Pfarrhofgebäude erhaltung auftaucht; im Vorjahre erklärte man, daß man erst die Akten durchsehen müsse; bisher ist über den Erfolg einer Durchsicht nichts bekannt geworden. Ich stelle daher den Antrag: Die Patronatsrechte der Stadtgemeinde und die daraus sich ergebenden Pflichten sind auf Grund der angeblich vorliegenden Akten eingehend zu prüfen und ist, wenn aus den Akten keine Pflicht sich ableiten läßt, auf das Patronatsrecht zu verzichten und der eingestellte Betrag zu streichen. Herr G.=R. Krottenau stellt den Antrag, als 7. Post zu c) Kunst und Wissenschaft für die Schaffung einer Volks¬ bibliothek einen Betrag von 10000 K einzusetzen. Herr G.=R. Aigner ersucht bei Gelegenheit der Prüfung der Akten über die Patronatsrechte der Stadt auch gleich die Rechte der Gemeinde auf den Friedhof zu überprüfen, damit uch endlich die Leichenhausfrage und die dortigen sanitären Uebelstände gelöst, bezw. behoben werden. Nach § 55 der B.=O. steht dem Gemeinderate die Handhabung der sanitäts¬ polizeilichen Agenden zu. Herr Bürgermeister erwidert, daß er über die ge¬ stellten Anträge nach Schluß der Beratungen abstimmen lassen werde. Betreffend das Meisteratelier wolle dem Gemeinde¬ ate durch die Mitglieder des Kuratoriums Aufklärung gegeben werden. Herr G.=R. Fischer spricht sich gegen eine neuerliche Subventionierung des Theaters aus; man könne sehen, daß das Theater fast täglich ausverkauft ist; es wäre besser, diesen be¬ ntragten Subventionsbetrag von 2400 K zu dem Fonde für inen Theaterneubau zuzuschlagen Herr G.=R. Krottenau berichtet über die Besichtigung m Meisteratelier und erklärt, daß Herr Blümelhuber manche chöne Arbeiten in Angriff habe und der Eindruck gewonnen verden mußte, daß tatsächlich eine solche Leistung vorliege, die ie Weitersubventionierung rechtfertige. Bezüglich der Volks¬ ibliothek bitte er jedoch nochmals, seinem Antrage zuzu timmen. Herr G.=R. Tribrunner tritt dem Herrn G.=R Fischer wegen der Streichung der Theatersubvention entgegen es gibt eine Reihe von kleineren Städten, die ihren Theater¬ unternehmungen eine viel höhere Subvention gewähren. Von nserer Subvention wird die Theaterdirektion nicht fett, weil die Bezahlung des Personales eben sehr gestiegen ist. Es muß jesagt werden, daß die Leistungen heute weit besser sind, als unter den früheren Direktionen. Man hätte mit mehr Be¬ rechtigung der Direktion Infelder die Subvention entziehen önnen, weil sie lange nicht das leistete wie die gegenwärtige Direktion. Wenn die Gemeinde für die Handelsschule 90.000 K um Daraufzahlen übrig hat, so wird sie auch dem Theaten diese kleine Subvention geben können. Herr G.=R. Prof. Brand frägt, ob für die Ueber¬ siedlungskosten der Fachschule in die Jägerkaserne im Vor¬ anschlage etwas vorgesehen ist, von einem sonstigen Ge¬ meinderatsbeschlusse sei nichts bekannt. Herr G.=R. Witzany erwidert, daß dies in das Etat Schulangelegenheiten falle; anschließend hieran berichtet der¬ selbe über die Bestrebungen der Kommunalisierung der Kinos vorüber die Sozialisierungsgesetze in zirka einem Monat vom Nationalrate verabschiedet werden Bezüglich des Friedhofes sei diese Frage eigentlich in das Etat „Gesundheitswesen“ einzu¬ schalten Hierauf läßt der Herr Vorsitzende über den Antrag Krottenau, wegen Einstellung von 10.000 K unter Post 7 Kunst und Wissenschaft" für Schaffung einer Volksbibliothe abstimmen, welcher Antrag vom Gemeinderate einhellig an¬ genommen wird. Bedeckung. Antrag das Jahr ür IX. Militärangelegenheiten 1920 1.000 K 1. Beiträge des Aerars für Militärbequartierungen 2. Bestandzins für die Artilleriekaserne 90.000 0. 91.000 K Fürtrag

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