Ratsprotokoll vom 18. Jänner 1916

2 ledigt werden solle, zumal, da eine derartige Ehrung für so großen Mann spontan erfolgen solle. einen Die beiden Anträge lauten: I. „An die I. Sektion des Gemeinderates der l. f. Stadt Steyr! Mit besonderer Freude ist die Nachricht, Feldmar¬ challeutnant Ignaz Trollmann, ein Sohn unserer Stadt ei der Bezwinger des Lovcen, zu begrüßen. Ich hatte hon mehrfach die Ehre, ihn zu verschiedenen, ihm für seine ausgezeichnete Führung verliehenen kaiserlichen Auszeich¬ nungen den Glückwunsch der Stadt Steyr auszusprechen Dieser neue Erfolg ist als eine Großtat in diesem Kriege zu bezeichnen und verdient, gebührend geehrt zu werden. Ich erlaube mir daher, die Anregung zu geben, ihn zum Ehren¬ bürger unserer Stadt zu ernennen, und bitte die I. Sektion, dies im Dringlichkeitswege durchzuführen. Steyr, 16. Jän¬ ner 1916. Julius Gschaider m. p., Bürgermeister.“ Dringlichkeitsantrag des GR. Franz Kirchberger 2. „Vor einigen Tagen brachte uns der Draht die freudige Nachricht von der Erstürmung der als uneinnehmbar ge¬ haltenen montenegrinischen Trutzburg, des Berges Lovcen, durch unsere heldenmütigen Streiter. Ungeheuren Jube löste diese Tat in allen Teilen unseres geliebten Vaterlandes aus. In noch größerem Maßstabe war dies in unserer alten Eisenstadt der Fall, als noch bekannt wurde, daß dieser herr¬ liche Sieg von den Truppen jenes Armeekorps errungen wurde, welche der Führung eines getreuen Sohnes unserer Stadt, Seiner Exzellenz Feldmarschalleutnant Trollmann, anvertraut waren. Die großartigen Folgen dieser Eroberung sind nunmehr zutage getreten: Montenegro hat die Waffen gestreckt und um Frieden gebeten! Die Stadt Steyr hat stets das Werden und Wirken Seiner Exzellenz des herrn Feldmarschalleutnants Trollmann mit Freuden ver¬ olgt. Mit Ehre und Stolz begrüßt sie nunmehr den Sieger vom Lovcen als ihren großen Sohn. Ich stelle den Antrag: Seine Exzellenz den Herrn Feldmarschalleutnant Trollmann in Würdigung seines hervorragenden Wirkens und als be cheidenes Zeichen heimatlicher Dankbarkeit zum Ehren¬ bürger der k. k. landesfürstlichen Stadt Steyr zu ernennen und zur bleibenden Erinnerung an seine siegreiche Führung n diesem furchtbarsten aller Kriege eine Straße nach seinem Namen zu benennen. Steyr, am 18. Jänner 1916. F. Kirch¬ berger m. p., Obmann der Finanz=Sektion, als Antrag steller. Die Sektion stellt hiezu folgenden Dringlichkeits¬ antrag: Ueber die Anregungen des Herrn Bürgermeisters und des Herrn Gemeinderates Kirchberger, betreffend Ehrung Seiner Exzellenz des Herrn Feldmarschalleutnants Trollmann, beantragt die I. Sektion, der löbliche Gemeinde¬ rat wolle Seine Exzellenz zum Ehrenbürger der l. f. Stadt Steyr ernennen und zu seinem bleibenden Gedächtnisse den Platz zwischen dem Innerberger=Speicher und der Gen¬ armeriekaserne, welch letztere das Geburtshaus des zu Ehrenden ist, „Trollmann=Platz“ zu benennen. Der dringlichen Behandlung des Gegenstandes stimmt der Gemeinderat zu. Der Antrag der I. Sektion selbst vird einstimmig angenommen Der Herr Vorsitzende erklärt, daß er Feldmar¬ schallentnant Trollmann unverzüglich telegraphisch von der Annahme des Antrages in Kenntnis setzen werde Ferner teilte der Herr Vorsitzende mit, daß er dem Kommando des Feldkanonen=Regiments Nr. 42 im Namen der Stadt die besten Glückwünsche zur Jahreswende über¬ mittelt habe. Darauf sei folgendes Danktelegramm an ihr eingelangt „Bürgermeister Gschaider, Steyr. Aufrichtigst erfreut über das Gedenken unserer Garnisonsstadt an der Jahres wende, bitte ich, unsere herzlichsten Wünsche für eine glück¬ iche Zukunft dem löblichen Gemeinderate und der Be¬ völkerung Steyrs übermitteln zu wollen. Oberst Sooboda Feldkanonenregiment Nr. 42. (Wird mit Beifall zur Kenntnis genommen. Darauf führt der Herr Bürgermeister aus „Ich erlaube mir zu berichten, daß ich an der am 9. November stattgehabten Ausschußsitzung des deutscher Städtebundes teilnahm. Von den hier vorgebrachten An¬ regungen und Berichten erlaube ich mir Folgendes zu er¬ wähnen: Die Versorgung der Kriegsinvaliden, sowie die Wit¬ wen= und Waisenversorgung durch den Staat wurde in dem Ausmaße, wie dies heute geschieht, als vollkommen unzu¬ eichend betrachtet. Es wurde beschlossen, eine Petition an die Regierung gelangen zu lassen, in welcher die Ver¬ besserung dieser Fürsorge verlangt wird, und zwar soll dies nicht erst nach Eintritt verfassungsmäßiger Zustände ge¬ schehen, wie dies die Regierung verlangt, da dies voraus¬ sichtlich zu lange dauern würde, sondern möglichst rasch im Verordnungswege Weiter wurde des längeren über die Errichtung von Kriegerheimstätten gesprochen, die den Heimkehrenden ge¬ sunde, billige Wohnungen bieten sollen, und deren Wert und Notwendigkeit anerkannt. Seitens der Stadtgemeinde Wien lagen bereits Entwürfe und Pläne für eine derartige Heimstätten=Kolonie vor. Bezüglich der Lasten der Einquartierungen wurde viel geklagt, insbesondere deshalb, weil manche Länder die Zuzah¬ lungspflicht nicht anerkennen wollen und deshalb die Er¬ änzungszahlungen verweigern, was die Städte, insbeson¬ dere diejenigen mit höheren Kommanden und Kaders außer¬ ordentlich belastet. Es wurde beschlossen, diesbezüglich bei der Regierung vorstellig zu werden. Einen breiten Raum in den Beratungen nahmen na¬ turgemäß die Versorgungsfragen ein. Zu Beginn der Er¬ örterungen stellte Bürgermeister Weiskirchner fest, daß mit Ausnahme der Stadt Krakau kein städtisches Statut die Verpflichtung einer Stadtvertretung zur Lebensmittelver¬ orgung enthalte. Die Stadtvertretungen haben aus Pflicht efühl die schwere und sehr oft undankbare Aufgabe über¬ nommen, für die Bevölkerung zu sorgen; gehe dies nich ganz nach Wunsch, so sei es ungerecht, die Stadtgemeinden dafür verantwortlich zu machen, die unter den schwierigsten Umständen arbeiten. Die Schuld liege in anderen, den Stadtverwaltungen unerreichbaren Faktoren. Oberkurator Steiner berichtete über in Budapest und Prag gemachte Bahrnehmungen. In der ungarischen Hauptstadt seien Brotmarken unbekannt, auch Weißbrot sei in jeder Form zu haben, da die ungarische Regierung den Städten gestatte, ihren Mehlbedarf vollauf zu decken. Im übrigen sei aber ie Versorgung bedeutend schlechter wie in vielen öster¬ eichischen Städten. Alles zu wünschen übrig lasse die Ver¬ orgung der Stadt Prag, da die tschechischen Agrarier die Zufuhren angesichts der dort eingeführten, nicht einmal niedrigen Höchstpreise aufs äußerste eingeschränkt haben. In den hierauf folgenden Wechselreden wurde viel über den allgemeinen Milch= und Eiermangel geklagt. Auf¬ erregte unser niedriger Milchpreis von 28 h.: ehen Braz berichtete über einen Mißerfolg bei Bezug von dänischem Vieh. Im allgemeinen ersah ich, daß die Städte Salzburg Linz und Steyr am vielseitigsten für die Bedürfnisse ihrer Bevölkerung gesorgt haben Gelegentlich meines Wiener Aufenthaltes sprach ich im Ministerium des Innern bei den Referenten für Kar¬ offel= und Mehlversorgung vor Bezüglich des erstgenannten Nahrungsmittels legte ich die durch wiederholte Versuche erwiesene Unmöglichkeit dar, u den seitens der Regierung festgesetzten Höchstpreisen Kar¬ toffel zu bekommen, so daß, um die bereits aufgetreten Kartoffelnot zu bekämpfen, die Stadtgemeinde Kartoffel zu wesentlich höherem Preise kaufen und mit Verlust wieder erkaufen mußte. Der Referent sagte mir zu, er werde die Statthalterei in Prag beauftragen, den seitens der Stadt gemeindevorstehung Steyr durch die Statthalterei in Linz eingebrachten Anforderungen weitgehendst nachzukommen. Betreffs Mehlversorgung führte ich Beschwerde über die zu geringen Zuweisungen, die zu den ja allgemein be¬ kannten Mißständen führten, und ersuchte mit Berufung auf die außerordentliche Wichtigkeit Steyrs als Erzeugungs¬ ätte der Armeegewehre, sowie auf die unbedingte Not¬ wendigkeit, insbesondere die Arbeiterschaft klaglos zu ver¬ orgen, um Erhöhung der bisherigen Zuweisungen. Ich er¬ klärte, daß ich, falls dies nicht geschehe, jede Verantwortung ir unangenehme Folgen ablehnen müsse, und bemerkte aß die Einwohnerzahl Steyrs stetig zunehme. Der Re¬ erent sagte möglichstes Entgegenkommen zu und versprach sich diesbezüglich mit der oberösterreichischen Statthalterei owie mit der Zweigstelle Linz der Kriegs=Getreideverkehrs¬ anstalt in Verbindung zu setzen. Während meines Wiener Aufenthaltes wurde ich auch von Sr. Exzellenz dem Herrn Landesverteidigungsministen Freiherrn von Georgi in Audienz empfangen. Ich machte aufmerksam, daß unsere wackeren freiwilligen Schützen nun schon eine sehr lange Zeit in der Kampffront stünden und deshalb dringend einer gründlichen Erholung bedürfen. Auch bat ich, dieser Truppe, die sich ja meist aus jugend¬ ichen Leuten zusammensetzt, doch zumindestens keinen stren geren Dienst zuzuweisen als einer Infanterietruppe, son¬ dern sie vielmehr so weit als möglich zu schonen. Se. Ex¬ zellenz nahm meine Mitteilungen mit Interesse auf und versprach, die Sache beim Armeeoberkommando zur Sprache zu bringen. Durch meinen Besuch beim Enthebungsreferenten des Landesverteidigungs=Ministeriums erfuhr ich zu meiner Be¬ iedigung, daß meinem Ansuchen wegen Enthebung städti¬ scher Angestellter und Beamten stattgegeben und Rechnungs¬ assistent von Pausinger auf unbestimmte Zeit, Maschinist Eder bis 16. April 1916 enthoben wurden. Im Anschlusse hieran erstattet Herr Büegermeister schaider folgenden umfangreichen Bericht über die Versorgungstätigkeit der Stadtgemeinde Steyr im Jahre 1915: „Nachfolgend gestatte ich mir einen Bericht über die rätigkeit der Stadtgemeinde im Jahre 1915 behufs Beschaf¬ ung der zur Versorgung der Bevölkerung notwendigen Lebensmittel zu erstatten: die Hauptsorge der Stadtgemeinde bildete die Ver¬ sorgung der Stadt mit Mahlerzeugnissen. Diese begegnete öst ganz unglaublichen Schwierigkeiten, die am meisten in der Zeit zum Ausdrucke kamen, als die Zuweisung noch durch

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