Ratsprotokoll vom 24. November 1911

8 Der Herr Vorsitzende spricht sodann dem bisherigen Armenvater für das XV. Viertel Herrn Josef Stöger für seine uneigennützige Mühewaltung den Dank aus und ersucht die Herren Gemeinderäte, sich zum Zeichen des Dankes von den Sitzen erheben zu wollen. (Geschieht.) Nach Abwicklung der Tagesordnung meldet sich Herr G.=R. Kirchberger zum Worte. Er teilt mit, daß er zu¬ sammen mit Herrn G.=R. Sieghart eine Kassen=Skontrierung vorgenommen habe, deren Ergebnis ein ganz vorzügliches ge¬ wesen ist. Herr G.=R. Mitter stellt die Anfrage, wie es mit der Frage über die Tiefbohrungen betreffend der Wasserbeschaffung für das neue Spital stehe. Herr G.=R. Huber erwidert, daß hierüber noch Ver¬ handlungen mit der betreffenden Firma gepflogen werden, nach¬ dem man sich bezüglich des Kostenpreises noch nicht geeinigt hat. Herr G.=R. Kattner stellt den Antrag, daß der Herr Bürgermeister ermächtigt werde in Zukunft bei dringenden Fällen, so zum Beispiel bei Anschaffung von Instrumenten für das Spital, gleich seine Zustimmung zur Anschaffung derselben geben zu können, damit es nicht noch einmal vorkomme, daß Kranke vier Wochen lang warten müssen, bis hierüber im Ge¬ meinderate abgestimmt wird. Er bittet die Herren Gemeinderäte, seinem Antrag zuzustimmen. Der Herr Bürgermeister macht Herrn G.=R. Kattner darauf aufmerksam, daß Anträge nach § 24 der Geschäftsordnung des Gemeinderates stets schriftlich mindestens eine Viertelstunde vor dem Beginn der Sitzung dem Vorsitzenden überreicht werden müssen, daher über seinen Antrag in der heutigen Sitzung nicht mehr abgestimmt werden könne. Er ersucht den Herrn Ge¬ meinderat Kattner, seinen Antrag für die nächste Sitzung ein¬ zubringen. Herr G.=R. Landsiedl äußert sich, daß bekanntlich von ihm in einer der früheren Sitzungen eine Anregung be¬ treffend Abhaltung eines Kurses für Wöchnerinnenpflege ein¬ gebracht worden ist. Er teilt mit, daß sich erfreulicherweise Herr Stadtarzt Dr. Klunzinger bereit erklärt hat, diesen Kurs abzuhalten. Ebenso könne der Kurs für Privatkrankenpflege abgehalten werden, nachdem sich Herr Primar Dr. Klotz wie immer gerne dazu bereit erklärt hat, den Kurs zu leiten. Redner denke sich die Sache so, daß dieser Kurs im St. Anna=Spitale ab¬ gehalten werde, und sei es dann auch selbstredend, daß die Pflegeschwestern daran teilnehmen können. Er bittet den Herrn Bürgermeister, daß er sich diesbezüglich mit Herrn Primar Dr. Klotz ins Einvernehmen setzen möge. Der Herr Bürgermeister sagt dies zu. Herr G.=R. Erb bemerkt, daß die Benützung des Spitales zu Kursen unbedingt die Bewilligung des Gemeinderates brauche. Er ist der Ansicht, daß diese Anregung in Form eines Antrages gebracht werden solle, damit man dann Beschluß fassen könne, unter welchen Bedingungen dem Herrn Primar ein Lokal zur Abhalung dieses Kurses überlassen werden könne. Der Herr Bürgermeister ersucht sodann den Herrn G.=R. Landsiedl, er möge in der nächsten Sitzung einen diesbe¬ züglichen Antrag einbringen. Herr G.=R. Wokral äußert sich, daß ein Großteil der Häuser in Steyr in den Gängen und Stiegen nicht beleuchtet st, wodurch sehr leicht Unglücksfälle herbeigeführt werden können. Er ersucht deshalb den Herrn Bürgermeister, einen Erlaß auf Grund der kaiserl. Verordnung vom Jahre 1852 herauszugeben, worin die Hausbesitzer aufgefordert werden, ihre Häuser in den Stiegen und Gängen eine bestimmte Zeit zu beleuchten. Herr G.=R. Tribrunner bemerkt, daß in letzter Zeit eine amtliche Verfügung herausgegeben worden ist, worin den Stadtarmen das Einsammeln von milden Gaben verboten wird. Wie ihm bekannt ist, sei diese Verfügung darum getroffen worden, weil auch fremde Arme in das Stadtgebiet herein¬ kommen, um hier Almosen zu sammeln. Redner ist der Ansicht, daß man den Stadtarmen vielleicht dadurch Schutz bieten könnte, daß man denselben Legitimationen ausstellt, mit welchen sie sich ausweisen können, daß sie tat¬ ächlich Stadtarme sind. Er sehe nicht ein, warum man diesen Armen die paar Kreuzer wegnehmen solle, nachdem dieselben damit rechnen müssen, um sich Holz und Licht anschaffen zu können. Er bittet deshalb den Herrn Bürgermeister, dieses Verbot auf irgend eine Weise einzuschränken oder abzuändern, denn es wäre sehr zu bedauern, wenn dadurch die hiesigen Stadtarmen betroffen werden würden. Der Herr Bürgermeister versichert, daß er sich dieser Sache annehmen werde. Herr G.=R. Fendt stellt die Anfrage, weshalb das Rats¬ protokoll der letzten Sitzung bis heute noch nicht erschienen ist. Der Herr Bürgermeister erwidert, daß die Fassung und Drucklegung des Protokolles infolge des reichlichen Inhaltes längere Zeit beansprucht hat. Dasselbe sei jedoch bereits zur Ausgabe gelangt. Herr G.=R. Kirchberger spricht den Wunsch aus, daß der Innerberger=Stadel nicht durch Plakate verunziert werden solle, und bittet den Herrn Bürgermeister, daß er ein Verbot des Plakatierens am Innerberger=Stadel herausgeben möge. Der Herr Bürgermeister erwidert, daß er das Nötige veranlassen werde. Hierauf Schluß der öffentlichen Sitzung um 6 Uhr abends. Druck von G. Bruckschweiger in Steyr. 11=12

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