Gemeinderatsprotokoll vom 16. November 1948

Aus diesem, sehr verehrte Damen und Herren des Gemeinderates, können Sie entnehmen, daß die Grundfrage in Steyr im wesentlichen berriedigt werden kann. Um aber zu einer Linderung der Wohnungsnot zu gelangen, bedari es auch des Neubaues von Wohnungen. Im wesentlichen kann es sich hier nur um Neubauten handein Der Aurbau von größeren Zinshäusern ist heute wegen der überaus hohen Baukosten wirtschartlich niche moglich. Umsomehr nat sich aber der Gedanke des Baues von Einfami¬ lienhäusern durchgerungen. Hier können die ebenfalls hohen Bau¬ kosten noch dadurch gerechtfertigt werden, daß dem Siedler eine lange Abzahlungmöglichkeit zugebilligt wird. Praktisch gesehen zahlt der Siedler seinen Mietzins in sein eigenes Haus. Die meisten der Siedlungswilligen verrügen aber über keine nennenswerten Kapi¬ talien und hier hat die Bundeswohnbaurörderung und andere öfrentl. Einrichtungen in dankenswerter Weise eingegriffen. Voraussetzung für die Erlangung dieser Hilfen ist jedoch ein Grundstück an eigenem Kapital sowie die Leistung einer Anzanl von Arbeitsstunden. Nach der Währungsmanipulation ist es schwer, heute von einem Durchschnitts¬ siedler, die sich im wesentlichen ja aus Arbeitern und Angestellten rekrutieren, zu verlangen, daß sie bis zu 10 oder 15 % des Gesamt¬ baukapitals heute noch in bar erlegen können. Hier müßte meines Erachtens nun die lilfe der Arbeitgeber einsetzen Es müßte der Siedlungswillige in die Lage versetzt werden, eben dieses nötige Anfangskapital sich irgendwie billig zu beschaffen. Ich könnte mir vorstellen, daß einzelne Firmen, die ein besonderes Interesse an der Erhaltung eines Arbeiters oder Angestellten haben, diesem dieses Anfangskapital vorstrecken, allenfalls als Vorschuß oder als 3. Hypothek, sodaß die Finanzierung in jeder Hinsicht gesichert erscheint. Ich kann mir vorstellen, daß in Ansehung der hohen Baukosten nur solche Siedler die monadlichen Abstattungen werden tragen können, die auch bereits über ein entsprechendes Gehalt verüfügen. Aber wenn jede Firma einem oder zwei dieser bei ihnen sicher vorhandenen, etwas besser gestellten Siedlungswilligen den nötigen Rückhait gibt, so kommt für Steyr eine Leistung heraus, die sich bestimmt sehen lassen kann. Der Erfolg wäre nach überschlägiger Schätzung sicher über 100 Siedlungsnäuser: Damit wurden die von den Siedlern bisher innegehabten Wohnungen frei und die weniger Glücklichen könnten damit befriedigt werden.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2