Die städtebauliche Entwicklung Steyrs im Mittelalter

Die städtebauliche Entwicklung Steyrs im Mittelalter Die Voraussetzungen für eine Stadtgründung im Bereich der Mündung der Steyr in die Enns sind überaus günstig gewesen. Die Enns bildete an der alten Grenze ein Hindernis gegen Osten , die Hochflur mit dem Felssporn zwischen den Flüssen eignete sich vorzüglich zur Anlage einer Befestigung. Zu ihren Füßen auf einem ebenen, hochwasserfreien Uferstreifen gab es Raum für eine Siedlung. Der Flößerweg und die Eisenstraße kreuzten sich an den Furten durch die Enns und die Steyr. Schließlich hat sich die wasserreiche Enns als Transportweg angeboten und die kurz vor der Mündung in zahlreiche Arme aufgefächerte Steyr ergab eine ideale Energiequelle. Bis zur Mistelbacher Synode um 985, bei welcher Bischof Pilgrim von Passau die Abgaben im Enns- und Traunbereich neu geregelt hat, liegen im frühen Mittelalter keine Nachrichten über das Land an der unteren Enns vor. Nun aber wird die Styraburg erstmals erwähnt. Als der 1. Otakar Herr über dieses Gebiet wurde, bestanden am Zusammenfluß von Enns und Steyr vier KristallisationspunkPlanskizze des vormittelalterlichen Straßenkreuzes von Steyr. - Entwurf vom Verfasser Zur Bebilderung dieser Abhandlung stellte das Kulturamt der Stadt Steyr in dankenswerter Weise bisher unveröffentlichte Originalzeichnungen aus dem Stadtmuseum Steyr von Richard Klunzinger zur Verfügung. Dr. Volker Lutz, Leiter des Kulturamtes der Stadt Steyr, informiert über diesen Steyrer Topographen: „ Dr. Richard Klunzinger, geboren 1865 in Vasvar/Eisenburg , war seit 1908 Polizei-, Impfund Armenarzt in Steyr, darüber hinaus in vielen kulturellen Institutionen der Stadt tätig; so war er 1911 Mitbegründer des Denkmalschutzvereines Heimatschutz und trug 1929 wesentlich zur Gründung des Museumsvereines Steyr bei . Aus seiner intensiven Beschäftigung mit der Steyrer Stadtgeschichte und romantischen Bestrebungen entstanden von seiner Hand Zeichnungen und Ölbilder mit Darstellung zerstörter Bauwerke der alten Eisenstadt und auf historischen Tatsachen fußenden Rekonstruktionen , die oft durch spätere Forschungen bestätigt werden konnten. Dr. Kunzinger starb am 31. August in Linz." Otto Ehler te für eine Siedlungstätigkeit: die Befestigung auf dem Felssporn zwischen den Flüssen, Hütten von Fischern und Fährleuten an beiden Furten und schließlich im Süden, am späteren Pfarrberg , gab es eine Cella. Von der Furt an der Steyrmündung bestand schon in der Römerzeit eine Verbindung zur Hauptstraße über den Pyhrnpaß. Von Enns her führte eine Vorläuferin der Eisenstraße über Stein die Enns aufwärts nach Süden. Dieser alte Straßenzug folgte von Stein einem Einschnitt in der Hochflur in östlicher Richtung, um auf den Niederterrassen, sich über Süden nach Westen wendend, die Furten an Enns und Steyr zu erreichen und dabei den ungangbaren Steilabbrüchen auszuweichen. Nach der Niederlage der Magyaren 955 auf dem Lechfeld hatten sich die Verhältnisse an der Ennsgrenze, welche die Bayern seit der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts dauernd besetzt hielten, stabilisiert. Bei der Styraburg, deren Erbauungsjahr nicht bekannt ist und in der nun die Otakare residierten , siedelten sich Dienstleute an . Volker Lutz lokalisiert die erste Siedlung im Bereich des heutigen 1 ST"EYR.DO KF 2. STYRAßUR& 3 ENNSDORF 4 CEUA ( Sf"ADT-PFA RP-- K \R.CHE) --- AL..TE STK'.ASSE.t--.1 Schloßparkes. Die Otakarischen Dienstmannen siedelten dann „Am Berg" im Verlauf der nördlichen Berggasse, die früher Hofgasse hieß. Erst in späterer Folge wurde die Burguntersiedlung als Wohngebiet bevorzugt. Einen zweiten Siedlungskern sieht Lutz im Bereich von Pfarrberg und Grünmarkt. Auch im Bereich des Steyrdorfes und Ennsdorfes sind Ansatzpunkte für Siedlung und Bebauung anzunehmen. Das Wachstum dieser Siedlungen begann im 11. Jahrhundert entlang der Hauptstraßen. Bei der Burguntersiedlung war es die Enge Gasse und die Fortführung nach Süden. In Steyrdorf ging die Entwicklung vor allem nach Westen und zur Steyrniederung , im Osten in Richtung Örtl , also an der Straße nach Stein , war das Siedlungswachstum geringer. Ansätze im Ennsdorf dürften erst mit der Errichtung der Brücke im 13. Jahrhundert anzunehmen sein. Steyr war seit 904 Verwaltungszentrum der Otakare, die auch Grafen von Leoben waren . Durch ihren Steirischen Besitz werden die Eisenverarbeitung und der Eisenhandel stark gefördert. Franz Xaver Pritz erwähnt, daß un29

ter ihrer Herrschaft Eisen vom Steirischen Erzberg nach Steyr gebracht und verarbeitet wurde. Dies wirkte sich auf die bauliche Entwicklung und das Wachstum der Stadt günstig aus. Wichtig für die mittelalterliche Stadt war vor allem ihre Befestigung. Innerhalb der Mauern konnte sicher gebaut werden. Ab 1082 wird Steyr als „Urbs" und 1255 als „Civitas" bezeichnet. Stadt und Burg haben eigene Befestigungsanlagen, die um die Stadt anfangs nur als Holzpalisaden bestanden, jedoch bald durch Mauern ersetzt wurden . Friedrich Berndt nimmt hiefür das 10. Jahrhundert an . Die erste befestigte Grenze der Burgunterstadt verl ief von der Enns zwischen den gegenwärtigen Häusern Enge Gasse Nr. 3 und Nr. 5 zur Schloßmauer am Schloßberg, der noch zum Burgbereich gehörte, dieser Mauer entlang zum oberen Schloßtor, der ÖlbergKEGELPRIEL - SIEDLUNSSKE.RNE. gasse folgend zur Enge Gasse zurück und weiter zur Enns. Die frühere Befestigung des Steyrdorfes verlief vom Örtltor im Osten , vor dem es einen Graben gab, am Fuß des Taborhanges zum ,,Hungerturm" am „Dunklhof" nach Westen , schwenkte dort nach Süden zum nachmaligen Brittingertor und zum Inneren Schaurstein, an dessen Oberkante zurück gegen Osten, sperrte dort die Badgasse mit einem Tor. Eine Mauer über dem Uferfelsen sicherte die Siedlung bis zum Abgang zur Steyrfurt, welche wieder durch ein Tor zugänglich war. Der Ring der Befestigung schloß sich an der Oberkante eines Felsabsturzes zum Örtltor. Ob in frühester Zeit massive Torbauten bestanden, ist zweifelhaft . Eine Befestigung des Pfarrbergbereiches in früher Zeit kann nur vermutet werden und ist nicht nachzuweisen. Die Mauern des Hauses Berggasse Nr. 81 lassen aber einen derartigen Schluß zu. AICl-l!=T -- ERWiclTER.UN6 DER UNTU?.STADT' lt.\ ii.;JtlDT. 30 l':>EfT.STl6UN& IM 14::Jl-l!JT: 0 ZEU6STÄTTEN IM WEHRGRAßEN UND .SA6<5-~EN J ••••• f>EFESTIGUNG 1478 /eo -:-ORE: 1:1 A PFARRTOR MfT S(tJLA&E>R.Üa<E E, OBERE:S- UND UNTERES BUR.6mR. C .STEyr.2.TOR !e:NN S TOI<:. D RE!Cl-fENSCHWALLTOfc.. E GIL5ecNTOR. F l<Ol.LEQTOR G :JOMNNI.STDR H SCIW.IEDTOR.. 1 ST°E.,.-~R..{SfE)'RD0/2'.F) K C,RfLTOR.. L "TOK ÄM IN~"-1 .SCHAUEl<'l-STBN M 6RJTTIN 6ER.XOR.. N •DR.AM ÄU.SSERE:'-l .öCHAL'ee·te.Sn,eJf.J 0 FlE'.AvEN'tOR- 1' ßRLJC+tßCDENTG('. Q. G<EC/N KE12JDR.. Das Ennsdorf ist vor dem Brückenbau im 13. Jahrhundert noch unbedeutend und nicht befestigt. Preuenhueber schreibt , daß Steyr schon zur Zeit der Otakare eine „ziemliche" Stadt war, in der wahrscheinlich als Baumaterial für größere Gebäude nicht mehr ausschließlich Holz verwendet wurde. Über die Bautätigkeit im mittelalterlichen Steyr finden sich nur spärliche Hinweise. Die Burguntersiedlung hat sich im 11 . und 12. Jahrhundert rasch nach Süden ausgedehnt. Die Urstadt reichte nach Berndt von der Höhe des unteren Burgtores bis zur Ölberggasse. Dies konnte vor der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg an den Mauerstärken der im Krieg zerstörten Häuser nachgewiesen werden. Die Burg hatte ihre eigene Befestigung . Unteres und oberes Burgtor sowie das Pfarrtor mit der Schlagbrücke im Zuge der Berggasse gehörten zur Burgbefestigung. 0.. STYRAbUR.G ~ ~v';?~f~~N .,; E"'-S"ö"e,\= e G>:i':NMAteicr f rmR.Rß~ g .fADGASSE h E S<CHA\DEl<R~ L WP..-..SS= k. AHLSCK,<,\IEcDBEle0 t 11A MME!eSffiM l!eJ)eE>eE,

Die Fläche Zwischenbrücken war anfänglich nicht in eine Befestigung eingezogen . Es bestand an der Steyr schon in frühen Zeiten eine Mühle, die zur Burg gehörte. Reste eines frühen, hölzernen Mühlenobjektes wurden 1979 bei Kanalbauarbeiten in zwei Meter Tiefe gefunden. Von der Furt erreichte man über leicht geneigte Flächen die nebeneinanderliegenden Tore von Burg und Stadt. Ein Wachstumsschub, vermutlich am Ende des 11 . Jahrhunderts, erweiterte die Stadt bis zur heutigen Schulstiege. Eine Befestigung an der Schulstiege ist auf Grund der ursprünglichen Mauerstärke des Hauses Stadtplatz Nr. 4 anzunehmen . Die geringe Breite der heutigen Baufläche läßt auf einen Freiraum hinter der Mauer nach deren Errichtung schließen. In weiterer Folge ist die Stadt sehr rasch nach Süden gewachsen . Nach Preuenhueber erfolgte die Bebauung im Stadtplatzbereich zuLinks: Planskizze des mittelalterlichen Straßennetzes von Steyr. - Entwurf vom Verfasser Rechts: Das Gleinkertor (von außen) gehörte zu den kleineren Stadttoren. Die Bauweise war einfach. Die Decke über dem Torweg bestand aus Holz. Die Erbauung dieses Tores ist im Zuge der Befestigung des erweiterten Steyrdorfes um 1410 anzusetzen . Abgebrochen 1843 erst hangseitig . Durch die Errichtung der Häuser am Ennsufer entstand der linsenförmige Platz. Bei der Bebauung wurde auf die Höhenlage des Geländes keine Rücksicht genommen, sondern die Häuser wurden auf das Urgelände gestellt. Sie waren „mit der Stube nur in der Nieder gebaut und meist mit Stroh gedeckt", heißt es bei Preuenhueber in seinen Annalen . Die hangseitigen schmalen Parzellen reichten bis zur Berggasse. Hier wohnten Ackerbürger. Stallungen und Scheuer waren - durch einen oder zwei Höfe vom Vordertrakt getrennt - an der Berggasse angeordnet. Diese konnten bei Umbauten in jüngster Zeit nachgewiesen werden . Die nach Süden drängende Bebauung erreichte die Höhe des Pfarrberges, wo im 13. Jahrhundert eine romanische Kapelle entstand. Durch den Geländeeinschnitt am Pfarrberg führte eine Staße nach Süden. Der Grünmarkt war anfangs ein Wiesenanger. In weiterer Folge dehnte sich die Bebauung bis zum nunmehrigen Haus Grünmarkt Nr. 20 aus, wo in den Katasterblättern heute noch eine Einengung des Straßenzuges erkennbar ist. Die jeweilige wirtschaftliche Lage färbte stark auf das Baugeschehen der Stadt ab. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde in Zwischenbrücken eine Brücke über die Steyr und etwas später auch eine über die Enns errichtet. 1255 wird Steyr in einer Urkunde als „Civitas" bezeichnet und die Gegend des Stadtplatzes als „ In Foro" bei Preuenhueber erwähnt. Der Stadtplatz ist um diese Zeit schon von Häusern umschlossen , die aber noch nicht dicht zusammengebaut waren . Am östlichen Brückenkopf der Enns entwickelte sich das Ennsdorf. Im äußeren Steyrdorf siedelte sich das eisenbearbeitende Gewerbe in verstärktem Maße an . Hier hatten sich die Handwerker, die Schmiedefeuer unterhalten mußten, in lockerer, offener Bauwei31

se Häuser errichtet, um so die Feuergefahr zu verringern. In der Steyrniederung entstanden an den Nebenarmen des Flusses die Eisengewerke, welche für die Meister in Steyrdort das Rohzeug vorbereiteten, und solche, die den Erzeugnissen den „ letzten Schliff" gaben . Durch das Tor in der Badgasse, das Tor am inneren Schaurstein, erreichte man den Wehrgraben, ein ursprünglich wohl natürliches Gerinne, welches, da es in alter Zeit nur wenig Wasser führte, ,,Saichgraben" genannt wurde. Eine Urkunde aus 1572 nennt es als von uraltersher in etlicher Menschen Gedächtnis bestehend. Der Wehrgraben führte dann nach Errichtung entsprechender Wasserbauten genügend Wasser, um als Energiequelle zu dienen . Aus dem 13. Jahrundert sind in der Stadt keine Bauten erhalten, doch war nun der Entwicklungsrahmen für die Altstadt vorgegeben. Es bestanden die Kirchenbauten am Pfarrberg und in Steyrdorf. Der Stadtplatz hatte sich gebildet, das Eisengewerbe hatte sich am Wehrgraben und in Steyrdorf angesiedelt. Das Eisen vom Erzberg wurde auf der Enns mit Flößen gebracht, auf der Steyr wurde Holz geschwemmt und in der Steyrniederung auf gewissen Plätzen verkohlt. Brücken und Wegverbindungen entstanden vor allem vor der Stadt im Aichet und Kegelpriel, die noch heute im Straßensystem der Stadt erkennbar sind. Die dortige lockere Bebauung ist bis in die Gegenwart in ihrer reizvollen Art erhalten geblieben . Josef Ofner schreibt in seiner Kunstchronik der Stadt Steyr, daß über die Befestigungen der Stadt im Hochmittelalter nichts bekannt ist. Er weist aber auf das älteste Stadtsiegel an einer Urkunde aus dem Jahre 1305 hin, das nicht nur den Steyrer Panther zeigt, sondern auch ein Tor, das von zwei Türmen flankiert ist. Er ist der Ansicht, daß eine schon bestehende Befestigung der Inneren Stadt im 14. Jahrhundert verstärkt wurde. Die heute noch zum Teil bestehenden Tore am Inneren Schaurstein und am Steyrer Brückenkopf in Steyrdorf, letzteres ist zur Gänze in ein Privathaus eingebaut, sind auf Grund der Gewölbebauweise als im frühen 14. Jahrhundert entstanden anzusehen. Auch das längst abgebrochene Brittingertor dürfte auf Grund der noch vorhandenen Planunterlagen aus dieser Zeit stammen . Der kostbare Platz innerhalb der Stadtmauern führte zur Entstehung von sehr schmalen und tiefen Bauplätzen. Sie wurden in der Regel durch Höfe unterteilt. Die Häuser Enge Gasse Nr. 16 und Grünmarkt Nr. 14 lassen den Schluß zu , daß es sich bei diesen Bauwerken um ehemalige Bauernhöfe handeln könnte, wobei letzterer anfänglich der Burg 32 Oben: Das Schmiedtor (von außen) wurde im Zuge der von Kaiser Friedrich III. befohlenen Erneuerung der Stadtbefestigung errichtet. Es wurde 1944 bei Bombenangriffen schwer beschädigt und abgetragen Rechts: Das Steyrtor wurde in seiner ursprünglichen Form wohl mit der Steyrbrücke errichtet und ist mehrmals umgebaut worden. Das oberste Geschoß wurde aufgeführt , als das Tor keine Festungsfunktion mehr hatte. Es war flußseitig mit einem Fresko geschmückt. Im Jahre 1829 wegen Baufälligkeit abgebrochen

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zuzuordnen wäre. Er ist mit der Burg durch einen heute noch bestehenden unterirdischen Gang verbunden . An der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert werden einzelne Häuser schon urkundlich erwähnt. Die Bauweise wurde nun aufwendiger. War ursprünglich nicht die ganze Breite des Bauplatzes bebaut , so bildete sich nun die Regel aus, zwei dreiachsige Häuser, also Häuser mit drei Fenstern in der Straßenfront, so zusammenzubauen , daß ein gemeinsamer Hof mit einem gemeinsamen Brunnen entstand . Die dem Hof abgewandten Außenmauern wurden nicht zusammengebaut. Der dort eingehaltene schmale Zwischenraum, der Bauwich , nahm ein Gerinne für die Wasserabfuhr auf. Diese Bauweise erforderte die Anlage einer Kanalisation . Es wurden Kanäle mit großem Querschnitt aus behauenen Konglomeratsteinen gebaut, von denen noch heute einige Stränge in Betrieb stehen. Das Erdgeschoß der Stadthäuser bestand nun zur Gänze aus überwölbten Räumen , die meistens auf geräumige Kellergewölbe gestellt waren. Noch waren nicht alle Flächen innerhalb des Mauerringes bebaut. Am Pfarrberg und am Grünmarkt gab es noch Platz. Ofner weist in seiner „Kunstchronik der Stadt Steyr" im Kapitel „Befestigungsanlagen" darauf hin , daß nach einer Weisung von Herzog Albrecht aus dem Jahre 1340 die einzelnen Bürgerhäuser als wehrhafte, feste Zuflucht für ihre Bewohner zu errichten waren . Er ist auch der Meinung, daß einzelne Häuser mit Wehrtürmen ausgestattet waren , die dann im späten Mittelalter abgetragen wurden. Im 15. Jahrhundert sind die Altstadthäuser in ihren ersten Ansätzen und in ihrem Kern entstanden . Einzelne Bauteile, Details und Dekor lassen diesen Schluß zu . Es sind in der Regel zweigeschossige Bauten mit einem Breiterker und einem steilen Giebeldach mit Krüppelwal m. Für die Befestigung der inneren Stadt , Enge, Stadtplatz, Berggasse, Pfarrgasse und Grünmarkt sieht Ofner die Möglichkeit einer Ausbesserung derselben im 14. Jahrundert, da auch die Stadt Enns - wahrscheinlich im Auftrag Herzog Rudolfs IV. - damals ihre Befestigungen ausbessern ließ. Ende des 14. Jahrhunderts schloß die Befestigung , die für den baulichen Umfang der Stadt bestimmend war, die Häuser der Berggasse ein . Die nordseitige Außenmauer der Bergschule - der verbreiterte Sockel ist noch sichtbar - war Stadtmauer. Die Schießscharten gegen den Burgzwinger, der heute in diesem Bereich Straßenraum ist, liegen jetzt unter dem Straßenniveau . Die Stadtpfarrkirche wurde von der Mauer knapp umschlossen . Die südliche Außenmauer der Margarethenkapelle, die Kapelle 34 wird 1430 erstmals erwähnt , war gleichzeitig Stadtmauer. Aus dem Chor führte eine jetzt vermauerte schmale Treppe in die Höhe, über die der Wehrgang erreicht werden konnte. Diese Mauer lief von der Kapelle geradlinig zur Enns und schloß den Grünmarkt beim Haus Nr. 20 ab. Von einem Torbau an dieser Stelle ist nichts bekannt. Flußseitig bestanden im frühen Mittelalter keine gemauerten Befestigungen. Preuenhueber erwähnt nur einen hölzernen wasserzerfressenen Schlag . Ende des 14. Jahrhunderts ist aber auch ennsseitig bereits eine gemauerte Befestigung anzunehmen , die einzelne Häusergruppen verbunden hat. In Zwischenbrücken waren die Mühlen vergrößert und ausgebaut worden : die 1262 schon genannte Spitalmühle linksufrig und die Hofmühle, die 1287 erstmalig erwähnt wurde, rechtsufrig der Steyr. Die dazugehörigen Wasserbauten bestanden bis in unsere Zeit. Neben der Schloßmühle entstanden im Flußbett eine Säge und Schleifen . Das halbe Flußbett der Steyr hatte man überbaut. An der Steyr waren am Wehrgraben neben Holzlagerplätzen und Kohlenstätten vier Zeugstät-

Links: Das Ennstor (von innen), später als das Steyrtor - 1489 - erbaut , stand als Torbau zwischen Vorlandbrücke und Flußbrücke. Die Torseiten zierten ebenfalls Fresken . Im Jahr 1864 abgebrochen ten entstanden. Auch im Gsang hatten sich Gewerke angesiedelt. Neben der Styraburg dominierten im Stadtbild die im Umbau begriffene Pfarrkirche, das Bürgerspital mit der dazugehörigen Kirche und ab 1472 auch das Dominikanerkloster. Im späten 15. Jahrhundert wurde der Schloßpark angelegt. Die Stadt hatte sich bis in das späte 15. Jahrhundert stark ausgedehnt. Besonders das Steyrdorf war über die Mauern hinaus gewachsen . Am inneren Wehrgraben waren Häuser entstanden, Zwischenbrücken mit Oben: Das Brittingertor (von außen) zählte mit seinem einfachen Tonnengewölbe über dem Torweg zu den ältesten Toren von Steyr. Umbau 1480 im Obergeschoß. Die Nutzung des Obergeschosses für Wohnzwecke führte später zum Ausbruch normaler Fensteröffnungen. Im Jahr 1843 abgebrochen zwei Toren in die Stadtbefestigung einbezogen worden . Ofner weist darauf hin, daß das Steyrdorf und das Ennsdorf nach ihrer Einbeziehung in den Burgfried von 1407 befestigt wurden. Für das Steyrdorf ist eine Erneuerung schon bestehender älterer Befestigungen anzunehmen . 1478 wurde durch Kaiser Friedrich III. die Instandsetzung und Erneuerung der Stadtbefestigung befohlen . Das Ennsdorf erhielt eine Befestigung, die vom Schmiedtor an der Haratzmüllerstraße über das Tor an der Johannesgasse zum Kollertor verlief. Das Steyrdorf wurde bis zum Fuß des Schnallenberges in die Befestigung einbezogen, wo man das Gleinkertor errichtete. Am Ende der Schuhbodengasse, die damals Bruchbodengasse hieß, entstand das Bruchbodentor. Zwischen den beiden Toren wurde ein starker halbrunder Turm errichtet. Die Sierninger Straße, damals Siechengasse, wurde durch das Frauentor abgeschlossen , und die Fabrikstraße in der Steyrniederung , deren früherer Name unbekannt ist, erhielt als Abschluß das Tor am äußeren Schaurstein. Die neue Befestigung bestand im Wieserfeldbereich aus einem Graben sowie einer äußeren und inneren Mauer. Auch das Wachthaus am Tabor entstand in dieser Zeit. Zum Schutz der inneren Stadt erbaute man die Mauer am linken Ennsufer, verstärkt durch eine Bastei im Bereich des Hirschenhauses (heute Gerichtsgebäude), in dessen Hof die gotische Nikolauskapelle seit 1464 stand . Auch im Bereich des damals noch nicht bestehenden Neutores wurde eine Bastei errichtet , zu welcher das 1572 vom Hochwasser zerstörte Reichenschwallertor gehörte, das den Ausgang aus der Stadt zum Hundsgraben ermöglichte. Der Grünmarkt war Ende des 15. Jahrhunderts noch locker bebaut. Die Bebauung schloß sich allmählich zusammen . Die Befestigung wurde durch die neue Bastei nach Süden gerückt bis zum Abfall gegen den Hundsgraben und stieg dann bis zu dem wuchtigen neuen Eckbefestigungsturm beim nachmaligen Pfarrhof an , um dort nach Norden zum Gilgentor an der Stadtpfarrkirche zu schwenken . Eine Verstärkung bildete der am Hundsgraben eingebaute starke halbrunde Turm, der auf alten Stadtansichten deutlich zu erkennen ist. Im Neutorbereich dürften noch mehrere Türme die Mauer verstärkt haben . Sie wurden beim Stadtbrand im Jahre 1522 zerstört und nicht wieder aufgebaut. Die Mauern zwischen Gilgentor und Schloß, bestehend aus einer neun Meter hohen Hauptmauer, einer fast zwei Meter hohen Zwingermauer davor und einem breiten, davorliegenden Graben , wurden instandgesetzt. Am Ende des Mittelalters war die Stadt wohl verwahrt. Sie hat sich den Besuchern mit gotischen Breiterkerhäusern dargeboten . In einzelnen Fällen gab es schon sechsachsige Fassaden , wenn zwei schmale Häuser zu einer Einheit zusammengebaut worden waren . Je nach dem Vermögen der Hausbesitzer fand man reichen Dekor an Fenster- und Torgewänden. Im Inneren entstanden die gotischen Arkadenhöfe. Die Fugenmalerei war an noch älteren Objekten zu sehen . Reiche Bürger deckten ihre Dächer mit Ziegeln . St. Michael mit dem Jesuitenkloster, das Rat35

Das Pfarr- oder Kilianstor, unmittelbar bei der Stadtpfarrkirche errichtet, bestand aus dem älteren viergeschossigen Torturm , dem 1480 bei 36 der Neubefestigung der Stadt an der Außenseite ein dreigeschossiger Anbau vorgesetzt wurde. Zusätzlich wurde als Vorwerk das Garstnertor errichtet , beide Torbauten waren durch Mauerzüge verbunden. Abgebrochen 1846.

haus, das Zölestinerinnenkloster und der Wasserturm in Zwischenbrücken waren noch nicht erbaut. Die Hauptstraßenzüge hatten sich deutlich ausgebildet. Die Nord-Süd-Verbindung lag nun auf der Linie der heutigen Rooseveltstraße-Gleinkergasse-Kirchengasse und kam von Westen zur Steyrbrücke. Die Straße über das Örtl hatte an Bedeutung verloren. Die Neutorbrücke war noch nicht erbaut. Die Straße von der Stadt nach Süden besteht seit alters her und nahm von dem 1484 erbauten Kollertor ihren Ausgang . Von dem Ostwest-Straßenzug Schmiedtor - Lange Gasse (heute Haratzmüllerstraße) - Zwischenbrücken - Kirchengasse - Siechengasse (heute Sierninger Straße) - Frauentor und weiter Richtung Westen hatten sich die Verbindungswege zu den Gewerken an der Steyrniederung gebildet, nach der uralten schon erwähnten Badgasse führte nun die heutige Fabrikstraße über den später so genannten Gschaiderberg zum Wehrgraben. Außerhalb der Stadtmauern war der Wasserberg entstanden und weiter westlich gab es den Hammerschmiedberg und den Ahlschmiedberg. Über die Steyrniederung war noch keine Wegverbindung vorhanden . Hauser hatte auf seinem Kupferstich 1600 noch keinen durchgehenden Weg dargestellt. Man konnte im ausgehenden Mittelalter sagen, was 1656 Merian über Steyr meinte: „Ist eine schöne wohlerbaute und eine aus den sieben landesfürstlichen Städten in Oberösterreich an der Steyr und der Enns, so allda zusammenkommen, gelegen, von welchen beiden Wassern auch die zwei schönen und von steinernen Häusern wie die Stadt selbst auch stattlich erbauten Vorstädte Steyrdorf und Ennsdorf den Namen haben ." Literaturangabe: Franz Xaver Pritz: Geschichte der Stadt Steyr und ihrer nächsten Umgebung, Steyr 1837. Friedrich Berndt: Die Wehrbefestigungen der Stadt Steyr. - In: Veröffentlichungen des Kulturamtes der Stadt Steyr 1949. Die Territorialentwicklung der Stadt Steyr. SteyrerZeitung 1935/71 , 74, 77, 80, 83, 86, 89, 92 und 95. Die Feste Steyr. OÖ. Tageszeitung vom 26. 1. 1929. Volker Lutz: ,,Am Berg zu Steyr", Veröffentlichungen des Kulturamtes der Stadt Steyr, Heft 35/1980. Josef Ofner: Kunstchronik der Stadt Steyr. Veröffentlichungen des Kulturamtes der Stadt Steyr, Heft 25/31. Ingeborg Krenn: Häuserchronik der Altstadt Steyr. Phil. Diss. Universität Innsbruck 1950. 37

38 Die herrliche Barockkirche lädt zu ein paar besinnlichen Minuten ein. \\'ttl111ecl(e l11·tttlesse1· gedacht 4240 FREISTADT h Ginzkeystraße 6 durchdac t '& o 79 42123 85 ht und 29 60 gemac 4040 LINZ/URFAHR Rudolfstraße 24 ~ 0 732/23 62 22 3950 GMÜND '& 0 28 52/ 26 63 4040 Linz. Jägerstr. 5 Elektro Lichtl Tel. 0732/233153 Gesellschaft m. b. H. Installation und Handel BAUMEISTER UND ZIMMERMEISTER r~~,~i~ HOCH-,TIEF-,STAHLBETON- U. HOLZBAU GERICHT LI CH BEEIDETER SACHVERSTÄNDIGER BÜRO: 4020 LINZ, HOFGASSE 9, TEL, (0 73 2) 27 30 89 -..ar·rrne vva Maß nach . Halter GesmbH, Sanitär- und Heizungsgroßhandel Sengerstraße 27, 4600 Wels , Tel. (07242) 85871-53

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