Zwanglose Blätter, Nr. 69, vom 11. November 1848

G. R. Groß, (Böhmen). F. Hedrich, (Böhmen). A. L. Jeitteles, (Mähren). L. Jordan, (Böhmen). Kotschy, (Schlesien). J. H. Kudlich, (Schlesien) F. Makowiczka, (Böhmen). T. Mareck, (Steiermark). M. Mayfeld, (N.=Oesterreich). E. Melly, (N.=Oesterreich). F. Möller, (Böhmen). H. Neugebauer, (Böhmen). G. Pattai, (Steiermark) J. Rank, (Böhmen). W. Raus, (Mähren). F. Rapp, (Böhmen). H. Reitter, (Böhmen). A. Riehl, (N.=Oesterreich). E. Rößler, (Böhmen). E. Schilling, (N.=Oesterreich, Wien). J. Schneider, (Mähren). C. Stremayr (Steiermark). C. Wagner, (O.=Oesterreich). A. Wiesner, (N.=Oesterreich). Diese Ansprache ist mir mit einem freundschaftlichen Briefe vom Abgeordneten Wagner zur Veröffentlichung übersendet worden, und ich werde nicht ermangeln der hochwichtigen Frage des Anschlusses an Deutschland in diesen Blättern jene Aufmerksamkeit und Energie zu wid¬ men, die der beschränkte Raum und die bedrohte Frei¬ heit der Meinung zuläßt. Nach den grauenvollen Nach¬ richten, die uns täglich im Privatwege aus Wien zukommen, haben sich bie edelsten Gemüther aller Farben finster und mit Abscheu von der Politik abgewendet, in der die Staatsmänner dieser Tage nur die Kunst zu er¬ kennen scheinen, hinter Bajonneten das Volk zu verhöhnen. Auch die schwarzgelben Deputirten Oesterreichs in der Paulskirche haben eine Ansprache an ihre Wähler erlassen, die hier nicht abgedruckt wird, da sie ohnehin in der Wienerzeitung vom 7. November steht und durch Vermit¬ telung der Parthei, die gegenwärtig über unser Vater¬ land eine milde, auf Ueberzeugung gegründete Herr¬ schaft übt, an alle Distriktskommissariate u. dgl. versendet werden wird. 39 Individuen: Aristokraten, Beamte und ein paar Ultramontane sind unterschrieben. Ihr Nach¬ ruhm im deutschen Vaterlande — wird ihnen leicht sein. Einige Stellen dieser Ansprache sind merkwürdig ge¬ nug, um hier angeführt zu werden. Im vierten Absatze heißt es: Die Völker Oesterreichs seien jetzt durch Freiheit und Brüderlichkeit zu einem Ganzen verbunden! Ich konnte mir nicht helfen — ich mußte bei dieser Freiheit an die den Wienern auf¬ gedrungene schwarzgelbe Fahne und bei dieser Brü¬ derlichkeit an Kain und Abel denken. Am Schlusse dieses Absatzes heißt es: „Eine abgesonderte Verwaltung und Verfassung der deutschen Länder Oesterreichs würde den Namen Oesterreichs aus der Geschichte verschwinden machen.“ Warum nicht gar Herr von Mühlfeld! Im sechsten Absatze heißt es: „Deutschlands Zukunft beruht auf Oesterreich.“ Das heißt mit andern Worten: „Deutschlands Zukunft beruht auf einer sla¬ vischen Majorität!“ Ist das weniger als absurd? Als ich aber vollends von Oesterreich las, das in Frieden deutsche Sitte, deutschen Geist (?) an die Ufer der Donau trug — da fiel mir mein geliebtes Wien ein, seine erschlagenen Bürger, seine verwaisten Kinder, seine Brandstätten, seine Wundmale und — der deutsche Geist, der die deutsche Fahne vom Stephans¬ thurme warf und das schwarzgelbe Banner des alten Glückes aufpflanzte.*) *) Von oberösterreichischen Abgeordneten haben diese Ansprache unterschrieben: Der Bauersmann Engelmayr (Enns), Richteramtskandidat Heyden (Kirchdorf), die k. k. Beamten Fritsch (Wels), Kagerbauer (Linz), Kürfinger (Salzburg), Reindl (Gmunden), Schmidt (Schärding), Weiß (Grein) und der Benediktinermönch Piringer (Eferding). Aler. Jul. Schindler. Gagern über Oesterreich. Gagern hat gesprochen! Das ist das Wichtigste, was die 103. Sitzung der Nationalversommlung gebracht hat, in der die österreichische Frage ihr Ende noch nicht erreicht hat. So wenig wir zu den unbedingten Lobrednern dieses Mannes gehören, so verkennen wir doch das Gewicht seiner Worte durchaus nicht. Theils der ihn umschwebende Nim¬ bus theils der seltene Gebrauch, den er von seinem Worte macht sind das Geheimniß der Anziehungskraft, die das Gerücht er würde sprechen, auf so Viele geübt hat. Darum kann mit Recht wohl das Faktum: er hat ge¬ sprochen, als das Wichtigste dieser Sitzung bezeichnet wer¬ den, die nicht arm an geistreichen und witzigen Ge¬ danken war. Doch müssen wir zu jenem Faktum gleich das zweite fügen, daß seine Worte nicht befriedigt zu haben scheinen. Diejenigen, welche erwartet hatten, er würde mit einem kräftigen Worte unsere höchste Errungenschaft, ein einiges Vaterland, auch in der österreichischen Frage proklamiren, wurden getäuscht; er sprach gegen den un¬ bedingten Anschluß der deutschen Provinzen Oesterreichs an Deutschland. Diejenigen, welche die Erledigung der Frage hinausschieben wollen, wurden auch getäuscht; er sprach für eine augenblickliche Entscheidung und zwar zu Gunsten eines Bundesverhältnisses mit Oesterreich. Andere, die wie Mühlfeld, in der Hauptsache mit ihm übereinstim¬ men, wurden dadurch verletzt, daß er doch zugleich auch kein starkes und ganz einiges Oesterreich vertheidigte; denn er wünschte Gallizien, wenn auch nicht für den nächsten Augenblick, davon getrennt; sein freiheitliches Gefühl jauchzte einem selbständigen italienischen Bunde zu, er vin¬ dicirte Ungarn die ihm zukommenden selbständigen Rechte. Wieder Andere, denen eine preußische Hegemonie der ein¬ zige Rettungsanker in der Verwirrung unserer Verhältnisse

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