Zwanglose Blätter, Nr. 52, vom 13. September 1848

Diese Blätter er¬ scheinen wie bisher wöchentlich 2 mal in groß Quart auf schönem Maschin¬ apier, und zwe von jetzt an, jeden Mittwoch und Samstag e halber Druckbogen, und dieser, wenn es die Anhäufung 70. teressanten Nin¬ teriale erforbent noch mireiner Mei¬ lage vermehrt. Zwanglose Blätter Oberösterreich. Preis für den hal¬ Jahrgang bei * M viertel¬ jährig 1 fl. C. M. luswärtige: Für pr. Post unter Con¬ pert: Halbjährig 2 42 kr., viertel¬ jährig 1 fl. 21 kr. Inserate al¬ ler Art werden auf¬ enommen bei Un¬ erzeichnetem, der aum einer Zeile mit nur 2 kr. be¬ rechnet. 52. Nero. Steyr am 13. September 1848. O trüg ich doch ein männlich Herz in mir, Das, wenn es einen kühnen Vorsatz hegt, Vor jeder andern Stimme sich verschließt. Göthe. Die Antwort der Minister auf die drei Fra¬ gen Borroschs. Der Minister Dobblhof hat im Namen des gesamm¬ ten Ministeriums am 7. September die Fragen des Ab¬ geordneten Borrosch beantwortet. Dieses ganze Frag= und Antwortspiel erinnert mich lebhaft an die Streitschriften der Advokaten im ersten Ci¬ vilprozeß, den ich kaum aus der Schule in die Praris ge¬ treten, zu bearbeiten hatte. Die Klage war ein klares, kurzes, einfaches Stück Arbeit; als ich sie durchlesen hatte, glaubte ich die Umrisse des ganzen Prozesses mit wenig Strichen zeichnen zu können. Entweder muß die Einrede die Behauptungen der Klage zugestehen, oder sie muß das Gegentheil daran beweisen! Nichts Einleuchtenderes. Als ich aber die Einrede, die von einem renommirten Advoka¬ ten verfaßt war, gelesen hatte, merkte ich erst, wie wenig so ein neugebackener Jurist mit seinem Bischen Schulrecht auslangt, und wie das angeborene Rechtsgefühl, das seine Meinung dem jungen Richter so vorlaut aufdrängt, wie eine rechte Einfalt vom Lande froh ist, beschämt und un¬ bemerkt hinter die Thüre treten zu dürfen: Vom Rechte, das mit uns geboren ist, Von dem ist leider nie die Frage! Als ich die Fragen Borroschs las, glaubte ich auch ein klares Ja oder Nein sei für die Minister unvermeidlich obwohl ich die üblen Folgen voraussah, die irgend eine bestimmte Antwort ihnen bereiten mußte, da sie durch ihr hinterlistiges Benehmen beim Kudlich'schen Antrage und zu¬ letzt durch die absurde Erklärung des Justizministers Bach „er erkläre die Wirksamkeit des Reichstages zugleich für eine konstituirende und eine gesetzgebende“ so ziemlich den konstitutionellen Boden verloren hatten. Doch dachte ich mir, was nutzt alles Drehen und Winden, alles Flü¬ stern und Lächeln gegen das eine entscheidende Antwort sordernde Wort eines ehrlichen Mannes. Ach! das waren recht einfältige Gedanken vom Lande — die Minister haben geantwortet — und ich ziehe mich beschämt zurück. Ja — ich fühle eine Schamröthe auf meinen Wangen brennen — nur kann ich noch nicht be¬ stimmt sagen, für wen ich mich schäme. Vorrosch hat kurz gefragt und die Minister haben lang geantwortet. Wenn an der Antwort der Minister sonst nichts auszustellen wäre — so bliebe ihr doch immer der Vorwurf: sie ist viel zu lang! — Sie ist so lang als hätten die Minister damit erst das eigene Gewissen todt¬ reden oder als hätten sie sich erst selbst durch ihre Rede überzeugen müssen, daß sie es mit dem Volke ehrlich mei¬ nen und dem absoluten Throne ebenso feind seien, als der absoluten Bureaukratie! Ich habe einmal bei einer Depu¬ tirtenwahl einen Candidaten, den die Gegenparthei seit Mo¬ naten auf die niederträchtigste und schlaueste Weise zu ver¬ läumden gesucht hatte, zu den Wählern reden gehört, und als er von seiner vielverdächtigen Person zu reden kam, sprach er nur „Was meinen Charakter anbelangt, kann ich ihnen nur sagen — ich bin ein ehrlicher Mann!“ Dieser Mann wurde nicht gewählt — und das war gut. Wie leicht könnte ein solcher Deputirter Minister werden, und wenn nun so ein grader Michel einst in der Kammer in¬ terpellirt mit einem schlichten Ja oder Nein antwortete, so könnte sich die Kammer an solche ehrliche Antworten ge¬ wöhnen, und wenn sie später einmal andere Minister fragt, von ihnen wieder ein bestimmtes Ja oder Nein verlangen und dann möchte der Teufel Minister sein. Die Minister sprachen lange — lange, sie sprachen durch ein Viertelstunde bloß von ihrer Ehrlichkeit und Of¬ fenheit — ich erinnere mich früher nie so viel darüber reden gehört zu haben. Es war mäuschenstille im ganzen Saale — unheimlich — schwül. Ein Sessel am Steno¬ grafentisch war leer wie Bankos Stuhl an Macbeths Ta¬ fel. Ich fürchtete immer der Geist der Ehrlichkeit und Of¬ fenheit werde sich darauf setzen, geschmückt mit der goldenen Krone des Volksvertrauens — aber es ging alles glück¬ lich vorüber. Unsere Kammer ist keine Geisterheimath nur selten, selten huscht einer vorüber, wie ein flüchtiger Lichtschein. Noch Einmal: es ging mir mit der Antwort der Mi¬ nister, wie mit der Einrede in meinem ersten Prozesse: je mehr der Advokat zur Aufklärung der Sache sich ver¬ nehmen ließ, desto dunkler und verwickelter wurde sie. Es läßt sich nicht läugnen, die Antwort schmeckt nach Advokatenstyl, und es war mir immer, als würde Dobblhof am Ende die Kosten verzeichnen. Zuletzt müßten die Minister freilich auch auf die Fra¬ gen selbst eingehen. Die Beantwortung der ersten Frage

220 geschah in genügender Weise. „Das Ministerium verstehe unter Vereinbarung, die auf freier Selbstbestimmung beru¬ hende Annahme der von dem konstituirenden Reichs¬ tage festgestellte Verfassungsurkunde durch den Monarchen.“ Vereinbarung ist mithin im Sinne der Minister nichts Anderes als der von uns so oft definirte Verfas¬ sungsvertrag Außerdem darf nicht übersehen werden, daß das Mi¬ nisterium in dieser Antwort den Reichstag wieder aus¬ schließlich einen blos konstituirenden nennt. In der Antwort auf die zweite Frage ist aber der arme Zwitter¬ Reichstag schon wieder — obwohl ihm alle Vollmacht dazu fehlt — ein gesetzgebender, oder genügt ihm dazu die Vollmacht, die ihm der Hr. Justizminister ausgestellt hat?! Das Ministerium verspricht in dieser Antwort die speziel¬ len Gesetzes=Beschlüsse der Kammer ehestens dem Kaiser zur Sanktion zu unterbreiten, ohne welche sie ihm nicht giltig erscheinen. Wir müssen uns aber dahin aussprechen, daß sie uns auch mit der Sank¬ tion des Kaisers nur in der Form und Eigen¬ schaft provisorischer Gesetze, die der Kaiser über Antrag des Ministeriums durch dieses erläßt, bis dahin giltig erscheinen, als die Verfassung zu Stande gebracht und die Fak¬ toren der gesetzgebenden Gewalt bestimmt sind, denen einzig und allein das Recht zu¬ stehen kann dem konstitutionellen Oesterreich definitive Gesetze zu geben. Der konstituirende Reichstag vergeudet, wenn er sich mit der zeitraubenden Berathung spezieller Gesetze befaßt, kurz wenn er an irgend etwas anderen als der Feststellung der Verfassungsurkunde arbeitet, nur die kostbare Zeit und das kostbare Geld. Wann — in welch grauer nebelhafter Zeitferne wird er seine Aufgabe lösen — bis zu deren Lö¬ sung Kraft, Blüthe, Friede und Freiheit zwischen Leben und Tod schweben? Die jetzt so ganz zur Unzeit angekün¬ digte Anklage des Ministerium Pillersdorff durch den sonst vortrefflichen Sierakovsky bedroht uns wieder mit bedeu¬ tendem Zeitverlust. Und wozu soll sie jetzt führen! Wo ist der kompetente Gerichtshof für solche Staatsanklagen? Oder will sich der konstituirende Reichstag etwa auch als provisorischer Gerichtshof organisiren? Will er nicht viel¬ leicht in Zukunft auch die Preßprozesse entscheiden? In was Alles will er sich denn noch mischen? Figaro la! Figaro qua! Durch die Antwort auf die dritte Frage Borroschs übernahmen die Minister die volle Verantwortlichkeit, nach dem Begriffe den konstitutionellen Staaten im Allgemeiner mit diesem Ausdruck verbinden, für ihre Amtsführung. Es gibt aber gewisse Handlungen die man nie verantworten, über die man aber auch nie zur Verantwortung gezogen werden kann. Von dieser Sorte ist die Erklärung der Mi¬ nister, der Reichstag sei zugleich gesetzgebend. Die mora¬ lische Einwirkung dieser Erklärung auf die in ihren Be¬ griffen so unklare Kammer ist unverkennbar, ebenso der Schade dieses Irrthums der Kammer, der schon zur Genüge nachgewiesen ist. Eines vermißt man allgemein mit Leidwesen in der Rede der Minister: die Wiederholung des Ausdruckes: de¬ mokratisch=konstitutionelle Monarchie, den das Ministerium in seinem Programm einst mit gesperr¬ ten Lettern drucken ließ. Freilich wehte damals noch die Blüthenduft=schwangere, erfrischende Mailuft, in der nach Hei¬ nes Ausspruch die trockenste Filisterseele sentimental wird damals waren selbst Ministerseelen demokratisch gesinnt. Jetzt haben wir kühle, welkende Septembertage. Der Him¬ mel ist grau, die starke Sonne des Monats Mai ist matt geworden — es wintert ein. Die Politik, die im Früh¬ linge Blousen trug und Hand in Hand mit dem Volke durch die Gassen, Felder und Gärten strich, verläßt jetzt Strassen und Platz und zieht sich zurück in die traulichen alten Bureaur, in denen man so warm sitzt. Prrrr¬ Aler. Jul. Schindler. Toms friert! Ministerielle Schildereien. Es ist jetzt eine schlimme Zeit für Ministerien, sie fallen wie draußen die welken Blätter von den Bäumen, sie fallen weil die welken Blätter fallen von den Bäumen und noch kein Haus gebaut ist für die Freiheit. Das Mi¬ nisterium in Berlin ist gestürzt, das deutsche (?) Ministe¬ rium in Frankfurt ist gestürzt, weil es den Sieg des Vol¬ kes den Interessen der Höfe geopfert hat und die deutschen Truppen aus Schleswig=Holstein heim rief, damit der edle Dänenkönig nach wie vor die Wolle hole von den fetten Marschen! Gagern! parfümirter Hagen! endlich hast du deine Chriemhild gefunden. Sie hat dich zu Boden geschla¬ gen mit dem Schwerte ihres Gemales, des jungen Sieg¬ fried: Freiheit! Da liegst du nun, herzlosen Königen zu Lieb ein Spott des Volkes — ein Ministerfrak ist dein scurriles Bahrtuch — warum wolltest du nicht leben dem Volke zu Lieb — damit herzlose Könige zum Gespötte geworden wä¬ ren? Das Volk erschlägt mit seiner Linken seine Feinde, gefesselt treibt sie das Schicksal die Strasse hinab weit vor den Triumf=Wagen der Edlen, deren Gespann wir schon den Staub aufwirbeln sehen mit siebenmal gesegnetem Hufe! Ich weiß in Wien ein altväterisches unheimliches Zim¬ mer, der Leichengeruch des dahingeschiedenen Staatsrathes klebt noch in den damastenen Gardinen. Dort sitzen an einer Tafel sieben Männer, höchst ungleich an Jahren, höchst ungleich an Erfahrungen, eben so ungleich an Ei¬ genschaften des Geistes und des Herzens. Obenan ein Greis. seine Begriffe von Völkerrecht und Fürstenrecht gehören ei¬ ner verronnenen Zeit, der Aberglaube einer vergessenen Ju¬ gend bleibt dem stockenden Herzen ein theurer Traum. Der träumende Greis sieht grüne Bäume, wo die Jugend kah¬ len Aesten theilnahmslos den Rücken wendet; er bewahrt noch immer theure Götterbilder — und die Altäre sind längst schon zerschlagen, auf die er sie noch stellen will. Weiter — ein unfreundlicher Kriegsmann, grau, or¬ dengeschmückt, zürnend dem Sturm der die Stammbäume brach. Er hat das Schlimme aus alter Zeit nicht verges¬ sen, das Gute der Neuen nicht erlernen können — und ohne Beides kann er mit dem Verdienste seiner Vergangen¬ heit uns nicht unterstützen.

Dann ein Mann, verschlossen, düster, unzufrieden wie der Seemann, der sich einem blühenden Mädchen verlobte und nach stürmevoller allzulanger Fahrt heimgekehrt einer ern¬ sten Jungfrau sich vermählen muß. — Ja freilich! die Freiheit in der grünseidenen Enveloppe des Papa Gränz¬ boten, die burch das ständische Lesezimmer und durch die Salons hapste, welche die Polizei nur in Glacehandschuhen bestichte, war niedlicher anzusehen, als die ernste Schwert¬ jungstan, mit den nordisch=strengen Zügen, die jetzt mit dem Brantsgam zum Altar tritt. Jnnächst ein aufgeblasener Mann, zufrieden lächelnd #ie Hände in der Tasche und im Verborgenen schlau an ben Fingern rechnend, daß die Curatel über ein ganzes Volt doch noch mehr abwerfe, als die Curatel über die fette Gesbamasse des renommirtesten Banquiers! Daneben ein netter Weißkopf, immer rechnend und prosektirend und immer dabei klagend, wie der Beamte so sehr überladen sei und sich plage und dem Bürger es sor¬ genlos=wohl sei bei Wein und Braten in seinem Hause. Unten sitzt ein junger Mann mit einem schönen gro¬ ßen Bart. Ihm thut das redliche Herz weh, daß man das Volk nicht wie eine Familie glücklich machen kann mit einem einfachen Worte und einer schlichten That, sondern daß der nothwendige (??) bureaukratische, diplomatische und militärische Wust alles Glück todt drückt. Ihm gegenüber ruht ein fetter Krauskopf im Lehnstuhl und summt das alte Liedchen: „Ubi bene ibi patria.“ Vor den Sieben steht in der Mirte der Tafel eine grosse Schüssel voll Gold und Ehren, sie langen zu, der mit mehr, der mit minderer Begierde und von Zeit zu Zeit kommt ein Ministerialrath oder sonst ein Kammerherr mit einem Rauchfaß und beräuchert alle, daß sie vor Wohlge¬ ruch ganz heiter und trunken werden. Aber das seltsame Mahl wird doch kein fröhliches Ende nehmen — ich sehe an der Wand eine schreibende Hand die Hand eines kleinen Journalisten. Sie schreibt die welt¬ historischen Worte: Mene, thekel, upharsin! — Eh noch der Morgen graut, wird sich die unwiderstehliche Linke des Volkes erheben: Dann stürzen die Gäste Geschmäht und geschändet In nächtliche Tiefen Und harren vergebens Gerechten Gericht's Aler. Jul. Schindler. (Schluß folgt.) Gewerbliches. Ueber eine Eingabe vieler Gewerbetreibenden von Steyr vom 10 Juni dieses Jahres, welche um Sistirung aller Personal=Gewerbeverleihung, bis eine neue Ge¬ setzgebung ins Leben getreten ist, oder doch wenigstens um einstweilige Uebertragung des Gewerbverleihungsrechtes von den politischen Behörden an einen Ausschuß von Gemein¬ degliedern beim Ministerium des Handels ansuchten, hat laut unten folgenden Dekretes das Ministerium eine Ver¬ fügung getroffen, welche wohl eine vorwaltende gute Mei¬ nung nicht verkennen läßt, die Verleihung eines neuen Gewerbes aber noch immer ganz und gar von der Will¬ kür der politischen Behörden abhängig macht. Wir ha¬ ben, leider selbst an unserem Reichstage, der doch der Vater aller Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit sein sollte die Erfahrung gemacht, daß das bewiesene Recht gegen den einmal gefaßten Beschluß eines Bureaur, einer Behörde, oder wie man das Ding nun nennen will, doch noch immer unterliegen muß. — Wenn nun ein Ma¬ gistrat oder dgl. einmal behauptet, aus gewichtigen Grün¬ den (die Summe des Gewichtes gibt er nicht an) sei bei aller angewendeten Behutsamkeit und Umsicht, doch die Verleihung eines neuen Personalgewerbes nöthig, so dürfte wohl die höhere politische Behörde „regis ad exemplum“ trotz aller Proteste und Rekurse der Bürgerschaft es doch bei dem verliehenen Personale bewenden lassen. Uebrigens bleibt die Ministerial=Entscheidung für den Gewerbestand Steyrs doch immer eine höchstwichtige Er¬ rungenschaft, wenn nur die Bürgerschaft Einigkeit und Entschlossenheit genug hat, die Behörden trotz „alter lieber Gewohnheit“ dahin zu vermögen, obige Entscheidung nicht nur dem Worte, sondern auch dem Geiste nach zu befolgen. Das erwähnte Dekret lautet: Dekret an den Herrn Schuhmachermeister Georg Oeker. In Erledigung des mit Erlaß des Handels=Ministe¬ riums vom 27. Juni 1848, Z. 338 an die Regierung zur Amtshandlung herabgelangten, und von vielen Gewerbe¬ treibenden der Stadt Steyr vom 10. Juni 1848 unterzeich¬ neten Gesuches, um einstweilige Einstellung der bisher üb¬ lich gewesenen Verleihung von Personal=Gewerben, ist den Bittstellern zu Folge Regierungs=Dekretes vom 19. v. M. Z. 16756 zu erinnern, daß nach dem Ausspruche des Han¬ delsministeriums es unter den dermaligen Umständen bei der eingetretenen Stockung aller Erwerbs=Geschäfte, und bei der daraus hervorgegangenen Störung des Gleichgewich¬ tes zwischen dem Anboth und dem Begehr nach Waaren räthlich erscheint, bei Verleihung neuer Handlungs= und einfacher Gewerbs=Concessionen auch alle obwaltenden Ver¬ hältnisse genau zu berücksichtigen, und dabei mit aller nur möglichen Umsicht vorzugehen, und während der Dauer der gegenwärtigen auf die Erwerbs= und Verkehrs¬ verhältnisse im Staate unstreitig lähmend einwirkenden Zeitverhältnisse bei Verleihung neuer Gewerbs= und Hand¬ lungsbefugnisse die schwierige Lage der Umstände in angemessene Berücksichtigung zu ziehen. Hiernach benimmt sich die Regierung, und hat sich auch der Magistrat Steyr zu benehmen. Hievon werden Sie in Folge kreisämtlichen Dekre¬ tes vom 3/21 d. M., Z. 8132 zu Ihrer Wissenschaft ver¬ ständiget. Magistrat Steyr am 23. August 1848.

Hertl Sonntag den 10. d. M, unternahm das Schützenba¬ taillon der Steyrer=Nationalgarde einen Uebungsmarsch nach Sierninghofen; die Nationalgarde Schützenkompagnien von Sierning, Sierninghofen und Neuzeug empfingen das Ba¬ taillon an der Komissariatsgränze auf das Ehrenvollste und Herzlichste und die brüderlich vereinten Waffenkörper setzten den Marsch nach Sierninghofen fort. Die Stunden des Nachmittages verflossen fröhlich, beim Gesange deutscher Lieder. Bei Anbruch des Abends begab sich das Steyrer¬ ich es. Schützenbataillon auf den Heimmarsch. Die nachbarlichen Schützenkompagnien gaben ihnen wieder das Ehrengeleite. Der Marsch wurde durch die echt deutsche und herzliche Gesinnung der Nachbargarden zum Feste, zu einem Feste der Vereinigung, die nicht nur für Freudentage dauern soll und wird. Ich wünschte die eifrigen Mineure die schon wieder so emsig die Wurzel des jungen Freiheitsbaumes zu untergraben trachten, möchten bei ihrem Werke doch nicht ganz auf uns Schützen vergessen! 3 Zur Geschichte des Tages. Am 6. September fand im Saale zum „römischen Kaiser“ in Wien die Versammlung der von Dr. Vivenot in seiner an allen Strassenecken angeschlagenen Einladung. Geladenen Statt. Es bildete sich ein Klubb, als dessen Präsidenten die Herren Ebersberg, Qu. Endlich und Zer¬ boni die Sposseti ernannt wurden. Handelt es sich hier etwa gar um eine republikanische Schilderhebung? Prag. Die Constituirung der hier zu organisiren¬ den Nationalgarde naht ihrem Ende. Bisher wurde nicht ein einziger Aristokrat zum Offizier gewählt. Brav! — In ganz Böhmen werden allenthalben Unterstützungs¬ Ungarischen Blättern entnehmen wir: Glaubwürdigen Nachrichten zufolge war in den letzten Tagen des Monats August eine kroatische Deputation in Wien, welche eine Klage gegen den Exban Jellachich sowohl bei Sr. Ma¬ jestät als auch bei dem Erzherzog Franz Karl und der Erzherzogin Sofie vorbrachte, und auf Verlangen der bei¬ den Letzteren denselben eine Denkschrift überreichte. Se. Majestät gab der Deputation die Versicherung, daß diese Angelegenheit bald eine andere Wendung nehmen werde. Was fiel aber dieser Deputation ein, sich an zwei Privatleute wie der Erzherzog Franz fie zu wenden? Was sollen denn die bei der beiträge für die Serben und Kroaten im Kampfe gegen die Magyaren veranstaltet. „Tutti-frutti“ von F. W. Es ist eine auffallende Wahrheit, daß in den abso¬ luten Monarchien nie viel für Volksbildung gethan, — ja, man kann sagen, ihr selbst feindlich entgegen getreten wor¬ den. Ein Beispiel gibt Ludwig, der Prachtliebende, — der König von Baiern, welcher zu einer Zeit in das Privat¬ leben zurückgetreten, wo der Satz: „Was in Wahrheit der ganzen Menschheit einem ganzen Volke nützen soll, muß auf dem breiten Grunde der Volksbildung beruhen und aus ihr hervorgehen“ sich geltend zu machen begann. Die¬ ser Ludwig, welcher immer noch viele findet, die ihn lo¬ ben seiner aufgeführten Luxusgebäude wegen, seines Kunst¬ sinnes seiner Unterstützung der Malerei und Plastik we¬ gen, — dieser Ludwig hatte einen Großtheil der Stiftungs¬ gelder, wovon die Schullehrer in Baiern bezahlt werden, zu Zwei von Hundert hergeliehen, damit in München ein schöner neuer Gasthof erbaut werden konnte. Der Ausfall an den Zinsen wurde den Schullerern (das versteht sich von selbst) an ihrem Solde abgezogen, weßhalb diesel¬ ben an dem nutzlosen Rhein= und Mainkanale Taglöhner¬ dienste verrichten mußten, um ihr Leben zu fristen. Nicht ganz, aber doch ziemlich — wie bei uns! Ich bin kein Freund der Formalitäten, das weiß jeder der mich kennt; aber eine Form muß es geben in Allem und Jedem. Dieses scheint man jedoch in unserem jungen constitutionellen Staate hie und da ignoriren zu wollen; es thut nicht gut, man nehme sich ein Beispiel an dem freien Amerikaner, am freien Engländer; die ver¬ stehen ihre Sache und wenn sie auch bisweilen etwas peinlich=kleinlich in der Form sind. In Ashingtown sollten die Assisen eröffnet werden. Wie bekannt, halten die Ge¬ schwornen, wenn sie den Eid ablegen, die Bibel, dem Ge¬ setze gemäß in der rechten Hand — aus Versehen hielten zwei Geschworne das Buch in der linken Hand, — dieses wurde angegeben und die bereits begonnenen gerichtlichen Verhandlungen mußten unterbrochen werden, jene Beide Arming. noch einmal schwören. Einige mögen lächeln über diese Formalität, — ich halte es für nöthige Beachtung der Form.*) Es schadet nicht, mit den demokratischen Demonstra¬ es mag immerhin tionen ein Wenig arg aufzutreten; selbst ins Ertreme, selbst offenbar Ungerechte abschweifen; denn gar leicht könnten wir wieder es schadet nicht, von der stets wachsamen und thätigen Reaction in jene gefährliche loyale Sorglosigkeit eingelullt werden, aus der wir kaum erwacht sind. Betrachten wir uns nur das deut¬ sche Philisterthum mit seinen hausbackenen Patriotismus, wie es sich grob und anmaßend dem Freisinnigen ge¬ genüber in die Brust wirft und wir werden es er¬ klärlich finden, daß sich die Aristokratie darob vergnügt die Hände reibt; — wir haben mit einem Doppelfeind zu darum aufgeschaut!! ringen, Im Mittelalter und bis zur Reformation war die latainische Sprache die diplomatische. Sie wurde später durch die französische ersetzt, welche sich ihrer Leichtigkeit und Schmiegsamkeit wegen wirklich im vorzüglichen Grade zur Diplomatensprache eignet; aber der Deutsche bequemte sich auch stets zu andern Sprachen, wenn es ihm anbefohlen wurde, er war allezeit des Fremden Knecht, er mußte rö¬ misch reden unter den Cäsarn, spanisch unter den Habs¬ burgern, französisch zur Zeit des Rheinbundes; sollte er vielleicht jetzt auch noch slavisch lernen? — das wäre böse! *) Da nimmt es unser hochweiser Reichstag nicht so genau. Wenn z. B. zwei Drittheile der Wahlmänner, die einen Deputirten wählten, durch alle mög¬ lichen Umtriebe, ja selbst in die Augen fallende Verfälschung der Wahlpro¬ tokolle und Stimmzettel zu ihrer Majorität gekommen sind, außerdem noch 20 wesentliche Formfehler der Wahlen stichhältig nachgewiesen werden, so findet es der Reichstag über vorliegende Proteste nicht einmal der Mühe werth, sich die Wahlacten vorlegen zu lassen, sondern — wenn ihm der Abgeordnete eben zum Gesichte steht — erklärt er seine Wahl für giltig und tritt das Wahl¬ D. R, gesetz mit Füssen. Verantwortlicher Redacteur Alex. Jul. Schindler; Mitredacteur F. W. Arming. Druck und Verlag von Sandböck und Haas in Steyr.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2