Zwanglose Blätter, Nr. 38, vom 26. Juli 1848

Zwanglose Blätter für Oberösterreich. Nro. Steyr am 26. Juli 1848. 38. Weil ich so ganz vorzüglich blitze, Glaubt Ihr, daß ich nicht donnern könnt'! Ihr irrt Euch sehr, denn ich besitze Gleichfalls fürs Donnern ein Talent. Heine. Tristia ex Ponto. Wir armen Publicisten in den Provinzen leben wie die Commis in den einsamen Faktoreien der Inseln im in= dischen Meere. Wir haben viel grünes Land, viel frische Luft, viel Langweile, wir liegen auf der faulen Haut, rauchen Cigarren, und vergeuden Tagelang mit kleinen Dingen die große Zeit, die mit Riesenfittigen über dem Welt= meer vorüberrauscht und uns mit unserem guten Muth, unseren guten Kräften vergessen zu haben scheint an den entlegenen Küsten, auf denen wir zur Unthätigkeit gezwun= gen die Hände ballen und nur von Zeit zu Zeit einen Fuchs auf den Pelz brennen, der raubgierig heranschleicht. Lang und langweilig und thatenlos sind die Tage, in deren Kreis feindselige Götter uns bannten; ein ängstliches Schwei= gen um uns hält unsere Seele befangen und hörbarrinnt unser unbenütztes Leben aus dem Stundenglase. Niemand gönnt uns das Schlachtfeld, niemand den Kampf, den sie doch alle selber nicht wagen, niemand gönnt uns die Dor= nenkrone der That, deren Früchte doch nur die Stillen im Lande erndten müßten. Die Kaufleute an den einsamen Küsten des indischen Meeres spähen früh Morgens in die blaue See, ob nicht eines Mastes auftauchende Spitze, eines Wimpels buntes Flattern, eines Segels silberweißer Flug ein nahendes Schiff verrathe, daß neue Waaren, neue Mühen, neue Sorgen, neue Kunden bringt von jenem Gestade, welches die Götter mit Kämpfen gesegnet haben in diesem Wende= punkte des Jahrtausendes. Uns armen Publizisten in den Provinzen vertreten die Zeitungen die Stelle dieser Schiff= lein, sie legen mit ihren papierenen Segeln häufig bei in un= seren halbvergessenen Häfen. Wir bringen hurtig ihre Ladung an das Land und sichten und sondern sie mit Kennerschaft und tragen den ganzen Empfang in unsere Journale ein aus denen einst die Bilanz wird gezogen werden. Aber wir fürchten, für die Firma „Volk“ wird nicht viel Gewinn aus dem Geschäfte entfallen, wie es jetzt betrieben wird. Es wird viel Quark über See ge= führt, der die Fracht nicht werth ist. Zwei Häuser laden jenseits der See viele Schiffe, die in unsere Häfen se= geln, das eine heißt die Paulskirche in Frankfurt, das an= dere die Winterreitschule in Wien. Aber sie haben keinen Begriff von dem Bedarf der Gegenden, die wir versehen sol= len, sie schicken lauter Waare, die nicht an Mann zu brin= gen ist. Aus der Paulskirche bekommen wir lauter altes Gerümpel aus den seligen Frankfurter= und Nürnberger Patriziertagen oder hie und da ein begeisterndes Gemsen= jägerstücklein des Helden Theuerdank, längstverschollenen Angedenkens. Aus der Winterreitschule aber kommt all= tägliches Zeug, wie es uns auch zu Hause unter die Füsse kömmt, Tabuletkrämmerwaaren, wie sie auch bei uns an al= len Wirthstischen feilgeboten werden, böhmische Steine, Rosenwasser, Mandelseife mit der eine Hand die andere wäscht, Rasierspiegel, in denen man sehen kann, wie der deutsche Michel sich geduldig vom Bruder Czech über den Löffel barbieren läßt und dergleichen mehr. Ach wir be= dauern nur die schönen Besoldungen, die man an die Leute verschwendet, welche die Zeit und die Zeitungen mit so un= nützen Erzeugnissen beschweren. Sie beladen Schiffe, die den Hungernden Waitzen bringen sollten, mit leerem Stroh. Worte — Worte — Worte! — nennt Hamlet die Tha= ten, die unsere Reichstagsdeputirten in Wien und Frank= furt vollbringen. Ein Menschenfreund hat berechnet, daß jedes der Worte eines Deputirten in der Paulskirche dem deutschen Volke sieben und dreißig Kreutzer kostet — zwi= schen den bedeutenden und unbedeutenden Worten ist in dieser Berechnung wahrscheinlich kein Unterschied ge= macht. Um sieben und dreißig Kreuzer kann sich ein Mann zweimal des Tages satt essen und in der Paulskirche wird diese Summe täglich tausendmal verschwendet und wir hun= gern noch immer nach Gerechtigkeit und dürsten noch im= mer nach Freiheit! Ein Wort um sieben und dreißig Kreutzer und ich fürchte die Worte im konstituirenden Reichstage zu Wien werden uns noch theurer zu stehen kommen. Neulich wählte dieser Reichstag den Bürgermeister von Prag Dr. Strobach, einen energischen Verfechter der slavischen Sache, zu seinem Vicepräsidenten. Dr. Strobach bestieg darauf die Rednerbühne, dankte der Versammlung, für seine Erwählung und für die dadurch ausgesprochene Anerkennung des slavischen Prinzipes. He! wo wart ihr denn damals ihr Abgeordneten der deutschen Pro=

vinzen, wo wart ihr — ihr Vertrauensmänner Oberöster reichs, als jener Slave dieses keke Wort sprach, als er mit einer Geschicklichkeit und einem Muthe, für den ihm seine Nation Dank wissen muß das slavische Prinzis wie eine Bombe in die Mitte des — ach so arglosen Reichstages schleuderte, den es zersprengenwird? Wo war denn der große, berühmte Staatsmann, den sich die Majo= rität der Wählerschaft der Stadt Steyr zur Wahrung ih= rer Volksrechte aus Klagenfurt verschrieb? Warum hob er da die eiserne Stirne nicht empor mit der er seine Wahl annahm, die doch wie ihm von ein paar hundert Ehren= männer bekannt gegeben wurde — auf Urwahlen basirt ist, deren Ungesetzlichkeit schwarz auf weiß bewiesen vorliegt!? Weder das slavische, noch das deutsche Prinzip darf im Reichstage anerkannt werden, wenn er seine Aufgaben lösen soll: aus den Ländern, für welche die selige Constitutions= urkunde vom 25. April gegeben war, ein konstitutionelles Kai= serreich zu bilden. Das slavische und das deutsche Prinzip, zwei oberste Grundsätze können in einem logischen Ganzen und ein solches wird wohl das neue Oesterreich, wenn es Lebens= fähigkeit haben soll, sein müssen — nicht nebeneinander be= stehen; in einem solchen kann nur ein oberster Grundsatz herrschen. Sollte dieses bei uns das slavische Prinzip sein, so muß das deutsche fallen und umgekehrt das slavische — jedes von beiden fiele aber nur durch einen der blutig= sten Kriege, den die Welt je gesehen. Man muß daher um eine Stufe höher treten, als die Nationalitätsgefühle stehen, man muß sich zur Höhe des Weltbürgerthumes, des Kosmopolitismus erheben, wenn man auf friedlichem Wege ein neues, demokratisch=konstitutionelles Oesterreich in der alten Grenzen erschaffen will. Nur auf diesem Wege ist ein solches Oesterreich möglich und wer sich nicht auf die humane Höhe dieses Standpunktes zu schwingen, wer nicht die nach Gerechtigkeit, Sittlichkeit und Friede dürsten= den Völker durch die Gewalt seines Geistes so hoch zu sich empor zu reissen vermag — der verschießt fruchtlos die Pfeile seines magern Witzes, seiner alltäglichen Weisheit im Reichstagsaale zu Wien. So rollt die Welt und ich liege an meiner vergesse= nen Küste, schreibe meine tristia ex Ponto und erwarte mit Sehnsucht das papierene Segel, das mir Kunde bringen wird von einem großen Gedanken, der unter der Kuppel der Paulskirche oder des Wiener Reichstagssaales entstand und sich Geltung verschaffte. Bis dahin habe ich ein klei= nes, ärmliches, provinzielles Journalistengefühl und rechne nach und zähle an meinen Fingern ab, was uns unsere Volksvertretung kostet und was sie uns noch Alles kosten kann! Sieben und dreißig Kreuzer ein Wort in der Paulskirche! wie theuer mag das Schweigen ei= nes Deputirten im Reichstagsaale zu Wien sein?! Alex. Jul. Schindler. Die Volksbewaffnung Das Jahr 1848 hat nebst manch anderer vom Libe= ralismus beschützten und getragenen Idee nothwendig auch die Idee der Volksbewaffnung zur Ausführung gebracht. Um dieser aber den Werth zu verschaffen, der in ihr liegt, ist es nöthig, daß man die Idee sorgfältig begründet und ausbildet, sie praktisch in Ausführung bringet, und daß man sich bemühet, sie so recht nach ganzer Tiefe in Geist und Gemüth des Volkes zu versenken; wenn das Volk einmal in der vollen Einsicht steht, was seine Bewaffnung für eine Bedeutung hat, wenn es in dieser Beziehung zur festen Ueberzeugung und zur unerläßlichen Gewohnheit gelangt ist, dann erst wird die Volksbewaffnung den Hoffnungen und Erwartungen entsprechen, die man ihr vernünftiger Weise zuwenden darf. Es gibt nichts von Menschen Gedachtes oder Aus= geführtes, das nicht seine Gegner, Beschnüffler, Bekrittler gefunden hätte, also auch die Volksbewaffnung, und zwar in einer Art, daß mit gutem Rechte das Sprichwort anzu= bringen ist: „Es sind die schlechtesten Früchte nicht, an de= nen die Wespen nagen“, aber deshalb darf man doch auch nicht zu weit gehen, und mit all zu sanguinischen Forderungen und Hoffnungen auftreten; dadurch würde man der Sache wieder schaden, während Beurtheilungen der gepriesenen Vorzüge und der zum Vorwurfe gebrachten Mängel die Begriffe erhellen und eben dadurch von guten Nutzen sein werden. Die gepriesenen Vorzüge der Volksbewaffnung sind: 1. Die allmälige Ersetzung und Abschaffung der ste= henden Heere; 2. Die Belebung des männlichen kriegerischen Sin= nes im Volke; 3. Die Wehrhaftmachung des Volkes als sicherste Schutzwache seiner Freiheit; 4. Die Belebung des Gemeinsinnes, die Annäherung und Verschmelzung der verschiedenen Stände. Was den ersten Punkt betrifft, so wird er nie in vollster Ausdehnung in Anwendung kommen. Gewisse Cadres eines regulären Militärs werden immer bestehen müssen, namentlich einzelne Waffengattungen, wie Artillerie und Kavallerie, welche eine mehrjährige unausgesetzte Uebung voraussetzen; aber die allgemeine Volksbewaffnung wird den Nutzen haben, daß sie eine Beschränkung der Zahl des stehenden Heeres, oder vielmehr, daß sie die Aufstellung eines größeren Heeres möglich macht, als die Finanzen des Staates eigentlich zu halten erlauben. Daß dabei nach Vernunft und Billigkeit gehandelt werden muß, versteht sich von selbst. Immer wird man eine kluge Aus= wahl treffen müssen und zunächst nur die Jüngeren, Un= verheiratheten weniger im eigenen Geschäfte angesessenen Bürger zum ersten Dienste aufrufen. Diese sind aber dann auch für die Dauer des ersten Dienstes wirklich zu Solda= ten umzugestalten. Sie müssen von ihrem bürgerlichen Gewerbe sich trennen, Heerd und Heimath verlassen, sie erhalten Uniform und Sold, werden dem Kriegsgesetze unterworfen, müssen vollkommen die Eigenschaften erhalten,

die das Sistem der Kriegsführung erfordert. Als Vorbe= reitungen dazu sollen nun allerdings die Uebungen aller Waffentüchtigen auch während der Zeit des Friedens die= nen. Es ist die Einrichtung zu treffen, daß sie die nöthige Fertigkeit in den bei der Kriegsführung erforderlichen Ue= bungen und Bewegungen erhalten, daß sie Alle, wenn sie gebraucht werden sollten, als Soldaten dienen oder doch schneller als außerdem zu Soldaten werden können. Vor allen müssen sie gehorchen lernen; das Aufgehen des ei= genen Willens in dem fremden, die strenge Disziplin der unbedingte militärische Gehorsam sind nothwendige Bedin= gungen. Es ist nicht zu läugnen, daß dieses dem, der als Hausvater und Vorgesetzter Anderer in seinem ganzen üb= rigen Leben eine selbstständige Stellung hat, ungleich schwe= rer fallen wird, als alle Handgriffe= und Erercierübungen, aber derjenige, der mit frohem Muthe bereit ist, Familie, Herd und Geschäft zu verlassen und sich dem zweifelhaften Geschicke des Krieges Preis zu geben, wenn ein gefürchte= ter Feind in die Grenzen des Vaterlandes einbricht und ein verhaßtes Joch zu bringen droht, der wird auch in den Tagen der Uebungen sich in die militärische Unter= ordnung fügen und dem Befehlenden seine ohnehin un= gleich schwerere Stellung, als die des Befehlenden im ste= henden Militär ist, erleichtern. Daß durch solche Uebungen und Vorbereitungen der männlich kriegerische Sinn im Volke belebt, und der Ver= weichlichung und der herrschenden Selbstsucht kräftig ent= gegengewirkt wird, springt in die Augen. In Tirol, in der Schweiz, in einigen Theilen Spaniens und Griechen= lands gehören kriegerische Thätigkeiten zu den Sitten und Gewohnheiten des Volkes; der Knabe, der noch die Schule besucht, übt sich in den freien Stunden, um wenn zum Jünglinge erwachsen, zum Manne gereift, auf das erste Zeichen wider den Feind zu ziehen. (Schluß folgt). Pfefferkörner Ein Präsent für meine Freunde! Gewiß! in die Arche sind nicht so seltsame Pärchen eingetrieben worden, als jene sind, die unsere Monarchie in die Reichs= versammlungen nach Frankfurt und Wien sendete. Ich rede hier nicht von dieser oder jener Person Gott be= wahre — wenn ich das wollte, hätte ich schon den Muth sie näher zu bezeichnen. Ich würde zum Beispiele sagen: Der schwarzgelbe Ersatzmann der früher schwarz=roth=gol= den war, und von Natur ganz gelb ist aus Neid und Mißgunst. Solcher Leute willen lohnt es mir nicht die Mühe meine Feder stumpf zu schreiben. Ich rede hier von einer ganzen Gattung Deputirter, von einem Schwarme der mehr als zur Hälfte die Sitze der Säle einnimmt, in denen über die Lebensfragen Deutschlands und Oe= sterreichs soll entschieden werden. Das sind die lie= benswürdigen Protektionskinder der Bureaukratie und des bürgerlichen Zopfes (der Protektionskinder der Ultras: die Bauern zu geschweigen) die ihr Lebetag sich nicht be= kümmerten auf was für Grundpfeiler ein Staatsgebäude ruht und die nun eines auf grünem Wasen mit aufführen sollen. Das sind die gutmüthigen Leute, die sich denken: „Ei was! ich halte mich recht still, daß ich es mit keiner Partei verderbe, daß hübsch Friede im Lande bleibt, schick sichs eben, so rede ich einmal ein Wort über die besser Besoldung unsers Schulmeisters, über Verbesserung unse= rer Strassen oder dgl., schaue mir dabei die Stadt, die Theater und das alles an, habe seiner Zeit doch vor meinen Kollegen einen Vorzug im Avancement oder bringe noch ein Stück Geld und ein hübsches Kleid für meine Frau nach Hause.“ Ich kann mir das Vergnügen nicht versagen diesen Leuten und ihren Vettern, Basen und sonstigen Anhängern eine Stelle aus der Allgemeinen Zeitung gegen Halbheit und Zwitterhaftigkeit mitzutheilen. „In vielen Fällen ist es schwer keine Satire zu schreiben,“ sagt Horatz — und so wie dem alten berühmten Römer geht es uns unberühmten Deutschen noch täglich. Man schilt uns oft Satiriker und wir sprechen nur die nakte, ungeschminkte Wahrheit. Obige Stelle lautet: „Angesichts so hochwichtiger, so dringlicher Aufgaben möchten wir noch an die Männer des Reichstages die Bitte tellen auch in ihrer Mitte keine Zwitterhaftig= keit zu dulden. Wir meinen nicht die äußerste Linke mit ihren republikanischen Gelüsten; nein, Gott segne und erhalte sie vielmehr, indeß ohne sie zu kräftigen; sie ist ein höchst gedeihlicher Sauerteig, oder in einem anderen Bilde ein wahres Sicherheitsventil, das den Gang der Maschine stätig erhält. Ich selbst, ein eingefleischter konstitutioneller Monarchist aus der innigsten Ueberzeugung, ich selbst würde in vielen Fällen mit der Linken stimmen müssen, so lange die Rechte sich nicht entblödet noch von dreiunddreißig Na= tionen zu reden. Nein, aber es sind unter euch viele gute Leute, gewiße sogenannte ehrliche Leute, die euch mit Entwürfen über die Tapezirung der Zimmer heimsuchen bevor noch der Reichspalast aufgebaut und unter Dach ge= bracht worden ist. Die einen kommen mit Anträgen über Kirchen= und Schulwesen angestiegen. Antwortet ihnen daß wir zur Zeit noch keine andern Superintendenten ge= brauchen als Wrangel und Radetzky, und keine andern Missionäre als ihre Grenadiere und Scharfschützen. Ein anderer jammert über die Entsetzung eines Salzcommissärs. Du lieber Gott! es werden noch andere Leute ihre Aemter niederlegen müssen als Salzcommissäre und Schulmeister. Macht also solchen Abgeordneten auf sanft eindringliche Weise begreiflich, daß sie Zwitter sind welche provinzielle Angelegenheiten mit der Wiederge= burt Deutschlands vermengen, duldet sie nicht mehr auf der Rednerbühne, laßt euch die kostbare Zeit, den frischen Humor großsinniger Beschlüsse und Handlungen nicht durch ihre Beschränktheit verkümmern, bleibt standhaft bei dem

Werke das ihr begonnen habt. Die nächsten Monden, ja die nächsten Wochen und Tage werden und müssen ent= scheiden ob ihr eine verfassunggebende Versammlung seyd so groß, selbstbewußt und allgewalt wie unser Vaterland noch keine gesehen hat — oder eine Versammlung von Zwittern, von hochfliegenden Ideologen und eigensinnigen kleinmüthigen Duckmäusern. Wählt jetzt! Mit den Küh= nen und Beharrlichen ist das ganze Volk, ein Volk von vierzig Millionen; die Feigen und Halben würde es verachten und verwünschen. Nur ein Wahlspruch gilt jetzt: Hoch das einige deutsche Reich! Hoch jedes Man= neswort und jede Mannesthat, die auf friedlichem Wege zum großen Ziele führen!“ An die Innungsmeister in Oberösterreich und Salzburg. Das Innungswesen ist unter der Herrschaft des vorigen verderblichen Regierungssistems, welches die Erstarkung jedes Standes haßte und jeden kraftlos zu machen suchte, um selbst desto stärker zu bleiben, zu gänzlicher Bedeutungslosigkeit herab= gesunken; seine schönste Aufgabe: jedes Handwerk als eine sittliche und materielle Macht, als eine sichere Burg der bürgerlichen Würde und des bürgerlichen Wohlstandes aufrecht zu erhalten war es zu lösen vollends nicht mehr im Stande. Und doch le= ben wir der Ueberzeugung, daß nur eine vernünftige Beschrän= kung und Regelung des Gewerbewesens durch Bildung kräftigen Innungen, deren Gesetze den Anforderungen unserer reiferen Zeit genügen, im Stande sind Kraft, Wohlstand und Bedeutung des Bürgerstandes zu erhalten, und aus ihm und den durch ihn ge= tragenen Städtewesen ein Bollwerk zu bauen gegen die wilde, sittenlose Herrschaft eines Proletariates, das den friedlichen Herd des fleißigen Bürgers mit nicht geringeren Schrecken be= droht, als jene waren, die in den blutigen Tagen des Faustrech= tes übermüthige Ritter von ihren Burgen in die Straßen stille Städte getragen haben. Der Willkur — komme sie aus Burgen oder aus Hütten — sich entgegen zu stellen, ist der Bürger von Heute noch mit demselben Muthe bereit, wie seine Voreltern vor Jahrhunderten — und die Zunftfahne ist ihm noch immer ein theures Banner um das er sich noch gerne mit seinen Brüdern schaart. Der Bürger, der sich sein Brod mühsam verdienen muß, will es im Frieden und in Sicherheit essen, und durch Nichts wird die Sicherheit des einen Theiles mehr befördert, als durch die Ver= meidung der Verarmung und der damit so leicht in Ver bindung gebrachten Entsittlichung des andern Theiles und durch nichts wird die Verarmung und Entsittlichung des Volkes wirk= samer hindan gehalten, als durch eine kluge Leitung der vorhan= denen Arbeitskräfte, durch gute deutsche Gewerbgesetze. Diese Gesetze kann für uns nur der österreichische Reichs= tag zu Stande bringen, das Materiale zu seinem Baue werden ihm aber die Gewerbtreibenden selbst liefern müssen, deren Auf= gabe es ist, ihre eigenen Bedürfnisse mit Umsicht zu prüfen und die zeitgemäßen Wege, auf denen diesen abzuhelfen wäre, mit Sorgfalt aufzusuchen. Das einmal festgestellte Bedürfniß und der Weg zu dessen Abhilfe müssen aber dem Reichstage gegen über auf dem Petitionswege in einer Art ausgesprochen werden, daß er die beruhigende Ueberzeugung hegen kann, und es sei das Welser Wochenmarkts=Getreidpreis. Samstag den 22. Juli 1848 Weitzen pr. Metzen 9 fl. 48 kr.; Korn 5 fl. 54 kr Gerste 4 fl. 18 kr.; Lins 3 fl. 42 kr.; Hafer 3 fl. 15 kr. — das wahre Bedürfniß und der einstimmige Wille der In= nungsmeister — wenigstens einer ganzen Provinz — was ihm in Form einer Petition überreicht wird. Eine solche gründliche Erforschung des wahren Bedürf= nisses und eine solche überzeugende Manifestation des freien Ge= sammtwillens aller Innungsmeister wird nur durch Vereine zu Stande zu bringen sein und wir schlagen daher vor: Am 20. August d. J. Morgens um 9 Uhr sollen sich Ab= geordnete aller Innungen in Oberösterreich und Salzburg zu Linz im ständischen Redoutensaale versammeln, welche Versamm= lung über die Frage „sollen in Oberösterreich und Salzburg unter sich selbst im Verbande stehende Vereine zur Gründung eines zeitgemäßen Innungswesens gebildet werden?“ zu entschei= den, und im Bejahungsfalle ein Comite zur Verfassung der Vereinsstatuten alsogleich zu wählen hätte. Ueber die Nützlichkeit und Dringlichkeit der Bildung sol= cher Vereine, glauben wir unsern intelligenten Gewerbegenossen im Vaterlande gegenüber kein Wort mehr verlieren zu müssen, eben so wenig über die Nützlichkeit stabiler Verbindung Gleichgesinnter und Gleichbedürftiger in diesen Tagen, wo so viele Lebensfragen des Bürgers nur durch die Schärfe der vereinten Erwägung und durch die Gewalt des vereinten Willens gelöst werden können. Von diesen Fragen erwähnen wir hier nur die erst ins Leben zu rufende genügende Vertretung des Gewerbstandes im Reichs= tage, denn bei der jetzigen Zusammensetzung des letzteren dürf= ten sich für ersteren wenig wohlunterrichtete Stimmen erheben. Indem wir die umständliche Erwägung alles dessen, was der von uns beantragte „Verein zur Gründung eines zeitgemä= ßen Innungswesens“ als Keime des Wohlstandes und der Frei= heit des Bürgers in sich schließt hier übergehen, fordern wir sämmtliche Innungen in Oberösterreich und Salzburg auf, welche zu der Versammlung im Redoutensaale in Linz am 20. August d. J. zu erscheinen gesonnen sind, diesen Entschluß im Intelli= genzblatte der Linzer Zeitung durch die kurze Erklärung: „Am 20. August d. J. erscheint im Redoutensaale zu Linz vertreten die ( . . . .)= Innung zu N.“ zu verlautbaren. Wir wünschen diesem Aufrufe den besten Erfolg — zum besseren Gedeihen unsers geliebten Vaterlandes! Steyr, am 20. Juli 1848. Die vereinten Innungsmeister zu Stadt Steyr. Steyr'scher Wochenmarkts=Getreidpreis. Donnerstag den 20. Juli 1848. Weitzen pr. Metzen 11 fl. 43 kr.; Korn 6 fl. 57 kr. Gerste 5 fl. 18. kr.; Wicken — fl. — kr.; Hafer 3 fl. 11. kr. Verantworlicher Redacteur Atex. Jul. Schindler; Mitredacteur F. W. Arming. Druck und Verlag von Sandbök und Haas in Steyr.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2