Zwanglose Blätter, Nr. 4, vom 30. März 1848

ben Stadt Steyr beseelt, und sind überzeugt, daß dieselben durch Aufrechthaltung der gesetz= lichen Ordnung, der Sicherheit der Person und des Eigenthumes, als den Grundfesten eines jeden Staates und der bürgerlichen Freyheit, Alles dazu beitragen werden, sich der Segnungen einer constitutionellen Regierung würdig zu erweisen. Ich bitte Euer Wohlgeboren Ihre verehrten Mitbürger hievon verständigen zu wollen, und den Ausdruck meiner Hochachtung zu genehmigen, mit der ich die Ehre habe zu sein Euer Wohlgeboren ergebener Wien den 27. März 1848. Gustav Lamberg. Am Feste Mariä Verkündigung d. i. am 25. d. M., fand in der Vorstadtpfarre St. Michael ein feierliches Hochamt sammt Te Deum zum Danke für die Errungenschaften der letzten Tage statt, wel= chem sowohl die Glieder der Pfarrgemeinde, als auch die Beamten der verschiedenen Ortsbehörden, nicht minder die Mitglieder der Nationalgarde je= den Ranges zahlreich anwohnten. In den jüngsten Tagen hat es sich eine An= zahl von Leuten, welchen die Bedeutung des Augen= blickes nicht klar geworden zu sein scheint, zur Aufgabe gemacht, durch Zusammenrottung und Aus= stossung verschiedener Drohworte, zuweilen auch durch Anmassung der Abzeichen der Nationalgarde und eigenmächtige Bildung unberechtigter Patrouil= len bei dem gesitteteren Theile der Bevölkerung Steyr's Besorgnisse zu erregen und den öffentli= chen Dienst der Nationalgarde zu stören und zu verwirren. Wir ermahnen diese Leute auf das Freundschaftlichste den Weg der Ordnung und Ruhe ferner nicht im Mindesten mehr zu verlas= sen. Denn alle ihre gerechten Wünsche sind von wohlwollenden und erfahrenen Mitbürgern in Er= wägung gezogen und es wird eifrigst dafür Sorge getragen, daß auch sie die Früchte der errungenen Freiheit nach Maaß ihrer Berechtigung ungeschmä= lert mit erndten werden. Widrigenfalls müssen sie aber gebeten werden, die Wirksamkeit derer, die es gut mit ihnen meinen, durch Uebereilungen nicht zu stören, und mit ihnen vereint vertrauensvoll zu unserm Kaiser empor zu blicken, der allen als ein Beispiel von Sanftmuth und Menschenliebe vor= leuchtet. — Sollten sie aber nichts destoweniger wagen den Weg der Billigkeit und des Rechtes zu verlassen, so werden sie in den gutgesinnten Einwohnern Steyrs einen moralischen Widerstand finden, der sie bald zur Besinnung, zur vorigen Ruhe und zur gewohnten Arbeit zurück führen wird, welche sie seit Jahren mit einem Fleiße ver= richteten, der ihnen die allgemeine Achtung erwer= ben mußte. Die Nationalgarde Oesterreichs. Eine der Errungenschaften der drei Märztage und zwar eine der wichtigsten ist die genehmigte Volksbewaffnung — die Errichtung der Na= tionalgarde. Es gab wol schon früher in Deutschland und in andern europäischen Staaten Volksbewaffnun= gen; aber sie mit den Namen Landmilizen, Land= wehr, Landsturm und anderen bezeichnet, waren nur zeitweise und für den Fall der Noth zur Er= gänzung und Unterstützung des stehenden Heeres bestimmt. Diese Einrichtung einen heerpflichtigen Volkstheil stets in Bereitschaft zu haben, war ein wohlfeiles Mittel um die Masse der kostbaren ste= henden Heere, wenn es nöthig wurde, schnell zu verdoppeln und zu vervielfachen; als aber die Machtpolitik für zweckmässiger hielt, die Streit= kraft des Volkes vom Volke zu trennen und in ein Werkzeug der höchsten Gewalt zu verwandeln, da wuchsen die stehenden Heere zu ungeheuren

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2