Steyrer Wochenblatt, Juli 1945, Blatt 6

Steyrer Wochenblatt Seite 3 Das Bündnis der Arbeiter und Bauern! Unsere Bauern kann man nicht durch An¬ ordnungen und Verordnungen zwingen, ihre land¬ wirtschaftlichen Produkte abzuliefern. Wir brauchen zum Wiederaufbau Oesterreichs vor allem das Bündnis mit den Bauern. Die freundschaftliche Zu¬ sammenarbeit mit den Mittelschichten und den kleinen Gewerbetreibenden, die demokratische Einigung unseres Volkes ist die Voraussetzung für die Wieder¬ geburt Oesterreichs. Eine der ersten Bedingungen der demokratischen Volkseinheit ist die Geschlossenheit der Arbeiterklasse. In der Vergangenheit war gerade das Fehlen der Einheit der Arbeiterklasse die Haupt¬ ursache, daß die Faschisten zur Macht kommen konnten. Die Arbeiterklasse muß zum Träger der Einheit, der Geschlossenheit aller fortschrittlichen demokratischen Kräfte in Oesterreich werden. Wir Kommunisten erstreben eine einheitliche Arbeiterpartei. Sie muß entstehen aus dem gemeinsamen Kampf aller Arbeiter. Wir wollen eine wirkliche kämpferische politische Einheit. — Die österreichischen Arbeiter sind berufen, beim Neuaufbau eines wirklich demo¬ kratischen Oesterrreich eine führende Rolle zu spielen. Aber sie müssen selbst einig sein und mit den anderen Volksschichten, vor allen den Bauern, zusammenarbeiten. Die Sicherung der Zukunft! Die Komm. Partei stellt sich dies zur Aufgabe und ich glaube, daß heute Oesterreich und das österreichische Volk mehr denn jemals zuvor, eine tarke komm. Partei braucht. Es kann niemand be¬ treiten, daß die Kommunisten in den vergangenen Jahren die größten und schwersten Opfer gebracht haven. Aber trotz aller Verfolgung haben sie den Kampf fortgesetzt und neue Freunde gewonnen. Das österreichische Volk braucht eine Partei, die wachsam und entschlossen ist, im Kampfe gegen die Feinde des Volkes, welche den Faschismus, der so viel Unglück in die Welt gebracht hat, mit Stumpf und Stiel ausrottet. Wir brauchen eine starke kom¬ munistische Partei zur Sicherung einer wirklich demokratischen Entwicklung, zur Sicherung und zum Aufbau eines demokratischen, unabhängigen freien Oesterrreich! Lokalnachrichten Nazi=Herrschaft und ihre Folgen! Jeder aufmerksame Beobachter, muß in den letzten Tagen oft die Wahrnehmung machen, daß Offiziere und Soldaten, in schwer heruntergekommenem Zustand, sich durch die Straßen unserer Stadt bewegen. Meist sind es Kriegsversehrte, Amputierte, ast noch alle krank, mit eingefallenen Gesichtern und hohlen Augen, manche abgemagert bis auf die Knochen, die in das von den Amerikanern besetzte österreichische Gebiet oder weiter wollen. Alles Elends¬ gestalten die Anschluß an die Heimat suchen. Welch ein Unterschied von 1918. Damals marschierten unsere Soldaten geschlossen in ihre Heimat, die Ent¬ lassung eines jeden Einzelnen wurde ordnungsgemäß durchgeführt. Heute ist es ein Chaos, dessen Schuld einzig und allein die Nazis tragen. Nur um noch einige Tage ihren Machthunger stillen zu können, kümmerten sie sich nicht um das Elend, das unter der Bevölkerung ausgebrochen war. Es war dies der von dem Großmaul Göbbels projektierte totale Krieg, auf den naturgemäß auch der totale Zusammenbruch folgen mußte. Wir fragen die Regierung: Was ist bis heute zur Linderung dieser schrecklichen Not geschehen? Es ist notwendig, durch eine einfache Planung Ordnung zu schaffen, so daß diese Menschen nicht gezwungen sind, von Ort zu Ort zu wandern oder geschupft zu werden. Dies ist ein Gebot der Menschlichkeit. Abgesehen davon, stellen diese Menschen eine große Belastung unserer Bevölkerung und Dienststellen dar, denen es größtenteils unmöglich ist, die nötigen Lebensmittel und Unterkunftsräume aufzubringen, um den armen, belogenen und betrogenen Soldaten ihr schweres Los zu erleichtern. Das Ernährungsamt. Fleischration. Die derzeitige Lage gestattet es, die wöchentliche Fleischration, die bereits einmal um 50 g erhöht wurde, für die kommende Woche mit 300g festzusetzen. Das Wirtchaftsamt bemüht sich, die Fleischversorgung für unsere Bevölkerung in diesem Quantum zu sichern und sie wenn nur irgend möglich, noch zu steigern. Abhängig sind diese Bemühungen, natürlich immer von der Anlieferung. Da diese Anlieferung heute noch nicht planmäßig auf längere Zeit gesichert werden kann, ist es möglich, daß wir gezwungen sind bei eventuellem Ausfall der Lieferung, die Ration wieder zu kürzen. Jede Steigerung unseres derzeitigen Lebensstandartes hängt immer wieder von der bereit¬ willigen Zusammen= und Aufbauarbeit unserer gesam¬ ten Bevölkerung ab. Frühkartoffel. Die Aufbringung von Frühkartoffeln ist sehr. gering. Vor allem ist es nicht möglich, alle Stadt¬ viertel zugleich zu beliefern. Vorläufig wurde der Abschnitt 55 der K=Karte und der Abschnitt 60 der E=Karte mit je 1 kg aufgerufen. Die Bevölkerung der Stadtteile wo Frühkartoffel noch nicht angeliefert wurden, bitten wir um Geduld. Die Kartenabschnitte für Frühkartoffel behalten jedenfalls solange ihre Gültigkeit, bis eine Lieferung möglich ist. Gemüse. Die Gemüseversorgung aus dem eigenen Bereich ist nur zum Teil möglich. Nunmehr liegt eine Zusage des Perger Bezirkes vor, daß uns ein Teil seiner überschüsse an Gemüse zukommen soll. Eier. Die Eieraufbringung ist außerordentlich gering. Daran ist nicht nur die Verringerung des Hühnervolkes durch die letzten Ereignisse, sondern auch das beson¬ ders bei den Eiern fühlbare Hamstern schuld. Es kann also auch weiterhin die Abgabe nur für Kinder und Kranke in bescheidenstem Ausmaß erfolgen. (Ein Ei auf Abschnitt 45 der K=Karte). Bezirkskonferenz. Samstag und Sonntag fand in Steyr die Bezirksparteikonferenz der Kommunistischen Partei Oesterreichs statt. Es war die erste Tagung der jungen Partei und kann das Gesamtergebnis als ein

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