Werkruf - Jahrgang 2 - Folge 7/8 - 1939

Lehrling an der Bohrmaschine m südlichen Teil des Fabriksgeländes erstreckt sich die Lehrwerkstätte und paßt sich in ihrer äußeren Form dem Landschaftsbild gut an. Symmetrisch aufgebaut liegt sie völlig frei da. Nur auf einer Seite wird der Blick durch eine Fabrikswerkstätte gehemmt, während er sonst ringsum in freies Gelände fällt. Dor der Lehr¬ werkstätte selbst befindet sich ein grüner Platz, der den Lehrlingen als Spiel- und Sportplatz dient. Hier soll der Lehrling durch Spiel zur Freude, durch Wettkampf zur Leistung und durch Mannschaftskämpfe zur Ge¬ meinschaft erzogen werden. Betreten wir nun das Gebäude selbst, so kommen wir zunächst in einen Vorraum, der durch ein großes Bild ausgeschmückt ist. Dieses Bild stellt einen Hitler¬ ungen dar, welcher mahnend jeden Lehrling auf die flichten eines deutschen Jungen hinweist. Rechts des Dorraumes kommen wir dann in einen weiten großen Raum, in welchem uns das singende und kreischende Geräusch mehrerer Werkzeugmaschinen empfängt. Hier sehen wir nun die Lehrlinge an den Maschinen arbeiten, um die Fertigkeiten zu üben, die zur Meisterung einer Drehbank, einer Fräsmaschine einer Bohrmaschine, einer hobelmaschine oder einer Schleifmaschine gehören. In systematischer Weise werden die Lehrlinge in der mechanischen Werkstätte mit den Feinheiten der Arbeiten an den Maschinen vertraut gemacht. Ausbilder stehen den Lehrlingen bei der Erlernung der Fertigkeiten mit Rat und Tat zur Seite. Der ganze Raum ist erfüllt von Geräusch und Bewegung Durch eine Tür im Mittelteil der mechanischen Werkstätte verlassen wir diesen Raum und kommen in einen zweiten kleineren Werkstattraum. Hier sehen wir nun eine Reihe von Werkbänken, an welchen die Lehrlinge die im Grundlehrgang geübten Fertigkeiten bei der Herstellung von bestimmten Werkzeugen an¬ wenden, während das Klopfen und Hämmern aus dem sich anschließenden Raum darauf schließen läßt, 6 daß sich in dieser Werkstatt die Blechschlosser befinden müssen. Lenken wir nun unsere Schritte dem Keller zu, dann können wir schon auf dem Wege ein taktmäßiges, klingendes Hammerschlagen vernehmen, das uns auf die Arbeit des Schmiedes hinweist. Beim Betreten des Raumes sehen wir dann die Lehrlinge zwischen Schmiedefeuer und Ambos mit einem glühenden Eisen in der Sange haltend, welches sie gerade zu bearbeiten haben, stehen. Die Jungen, die von den zwei Ausbildern betreut werden, haben nicht viel Seit sich nach den Besuchern umzusehen, denn das glühende Eisen muß bearbeitet werden. Wir begeben uns nun in die der Schmiede gegen¬ überliegende Werkstätte. Dort wird unser Eintreten zu¬ nächst nicht bemerkt. Die Lehrlinge sitzen an einer Reihe von Tischen, mit dunklen Brillen auf der fase, und führen in ihrer rechten hand eine zischende Flamme, mit der sie ein Werkstück zusammenschweißen, während sie in ihrer linken hand ein Stück Draht halten. jeder stiert in die Flamme und kann nur einen verstohlenen Blick über die Brille zu den Besuchern werfen. Das Aufspritzen von Feuerfunken, das Sischen und Knacken der Flammen sind die charakteristischen Merkmale dieser Werkstatt, der Schweißerei. Die Fertig¬ keiten des Autogen= und Elektroschweißens werden hier den Lehrlingen beigebracht, und gerne schauen die Besucher den Jungen bei der Arbeit zu, um hier und dort eines der umliegenden Werkstücke vorsichtig an¬ ackend, zu prüfen. (Manch einer soll sich dabei schon die Finger verbrannt haben.) Wir verlassen schließlich diesen Arbeitsraum und begeben uns in die Werkstatt, die sich im 1. Stock be¬ findet. Hier treffen wir nun die Lehrlinge — es sind die allerjüngsten Facharbeitersprößlinge — bei der Arbeit des Feilens, des Messens, Biegens, Hämmerns usw. an. In diesem Raum beschäftigen sich die Lehr¬ linge mit den Fertigkeiten, die zum Grundlehrgang

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