Veröffentlichungen des Kulturamtes der Stadt Steyr, Heft 34, November 1796

geeigneter als die Verkündigung des Wortes Gottes.140 ) Folgerichtig be– gannen die Patres ihre seelsorgliche Tätigkeit mit Predigten an Sonn- und Feiertagen in der Früh und mit einer Katechese an Sonntagen nachmittags. Der durch die geistvolle und gewandte Wortverkündung P. Johannes Eck– steins erzielte Zustrom der Gläubigen , dürfte vor allen von den Geistlichen der Stadtpfarre nicht neidlos zur Kenntnis genommen worden sein. Die Chronik erzählt: Als Erzherzog Leopold im Jahre 1645 anläßlich eines Treffens mit seinem Bruder Ferdinand III. im Feldlager zu Linz auch Kaiserin Eleonora in Steyr besuchte, ,,zeigte er unseren Patres bei der Begrüßung großes Wohlwollen und große Huld; in der Pfarrkirche jedoch wollte er einen neuen Pfarrer, da man bisher keinen der Patres für die Predigt in diesem Gebäude gerufen hatte, während lange Zeit hindurch die Kapuziner dort predigten ."141 ) Daß aber diese Ordensgemeinschaft in Steyr damals weniger durch hervorragende Prediger glänzte, zeigte das Portiunkula-Fest 1640 : An der Festfeier beteiligte sich auch das Gymnasium und zog unter Anleitung seiner Professoren und großer Begleitung des Volkes in Form einer Bittprozession in das Gotteshaus der Kapuziner. ,,Nichts kam ihnen an diesem Tag mehr zugute als unsere Anwesenheit, das haben die Patres einschließlich ihres Guardians bestätigt: zu Beginn seiner Predigt hätte er niemanden als Zuhörer gehabt, wenn wir wegge– gangen wären" , berichten uns die Jesuiten.142 ) In der Fastenzeit wurde auch jeden Mittwoch (zur missa musice decantata) gepredigt143 ) und wahrscheinlich auch an Freitagen . Was für die Erwachsenen die Predigt war, sollte für die Kinder die Katechese sein. Auf sie wurde von jeher größtes Gewicht gelegt, denn die Erziehung der Jugend zu einem christlichen Leben, galt der Gesellschaft Jesu als erste Aufgabe. In der Bestätigungs– bulle des Ordens wird auch darauf hingewiesen, daß sich die Väter ver– pflichtet hätten, in jedem Jahr vierzig Tage lang die Kinder im Katechismus zu unterrichten. Im Jahre 1622 hatte Papst Gregor XV. allen Jesuiten, die auf diesem Gebiet tätig sind , sowie ihren Helfern, aber auch den Eltern, die die Kinder zur Christenlehre schicken, für jedes Jahr einen vollkommenen Ablaß gewährt.144 ) Die Jahresberichte zeigen, daß in Steyr der Besuch der nach bewährten Methoden ausgebauten Katechese durch verschiedene Mittel wie Ablaß ,und Prämien außergewöhnlich gut gefördert werden konnte. Zur Einprägung von Merksätzen bewährte sich der Gesang. Durch Singen lernten die Kinder das Glaubensbekenntnis, die Zehn Gebote und Stellen aus dem Katechismus des Petrus Canisius. Die Kinder wurden von der Kanzel aus öffentlich befragt. Durch einen Wettstreit unter den lernenden suchten die Jesuiten den Eifer für den Katechismus zu ent– flammen. Dies steigerte auch den Ehrgeiz der Eltern , die sich bald zahlreich an den Christenlehren beteiligten, um ihren Kindern die Fragen beantwor– ten zu können, die bei den einigemale im Jahr öffentlich in der Kirche abgehaltenen „ Examen " an sie gerichtet werden mochten . Im Jahre 1634 beteiligten sich erstmals zwei Schulmeister der deutschen Schulen; sie sammelten Buben und Mädchen zusammen , um sie zu diesem katecheti– schen Wettstreit in die Kirche zu führen. Einer der Priester hielt in diesen Schulen Beicht- und Kommunionunterricht.145 ) In Steyrdorf bestanden nach der Gegenreformation zeitweise drei deutsche Schulen , die wie alle Schulen 68

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