Veröffentlichungen des Kulturamtes, Heft 31. April 1974

'fcae Schloß Steyr Im Jahre 1614 verlieh Kaiser Matthias das Burggrafenamt der Herrschaft Steyr Georg Siegmund Freiherrn von Lamberg. Kaiser Ferdinand II. überließ ihm um 1630 pfandweise Burg und Herrschaft.1) Der Dreißigjährige Krieg und die Türkeneinfälle zwangen die Landesfürsten, große Herrschaften (Freistadt 1622, Wels 1654) zu verkaufen.2) Die ausgedehnte Grundherrschaft Steyr erwarb 1666 von Kaiser Leopold I. um 365.844 Gulden Johann Maximilian Reichsgraf von Lamberg.3) Dieser Besitzwechsel bewirkte bauliche Veränderungen und eine Bereicherung der in der Burg vorhandenen Kunstwerke. So stammt aus dieser Zeit der Schloßbrunnen mit Hundeplastik.4) Im folgenden Jahre ließ der Burginhaber einen neuen Turm erbauen,5) vermutlich den aus dem Nordtrakt vorspringenden Uhrturm. Unter Franz Josef von Lamberg wurde 1687 ein schönes Gartenhaus im Hofgarten (heute Schloßpark) errichtet, die damals noch recht mittelalterlich aussehende Styraburg restauriert und Innenräume von den Malern Anton Galliardi und Karl von Reselfeld mit Fresken geschmückt.6) 1689 schuf Reselfeld für den Hofgarten um 12 Gulden ein Gemälde, den „Herkules“ darstellend.7) Für die Lamberge arbeiteten auch die Maler Degenhart und Mader. Christoph Matthäus Degenhart malte 1655 „den Jungen Herrn Johann Philipp Graven v. Lamberg in seiner völligen Statur zwaymal“ und ein Antipendium für die Hofkapelle, außerdem reinigte er „alle vorhandene Gemahlene bilder und Kunstwerke, alles um 17 Gulden.“8) Balthasar Mader hatte 1673 seine Werkstatt im gräflich Lambergischen Freihaus am Graben.9) 1689 lieferte er dem Grafen um 10 Gulden Abkürzungen : K. = Kasten, L. = Lade, F. = Faszikel, Rp. = Ratsprotokoll, VKSt. = Veröffentlichungen des Kulturamtes der Stadt Steyr, fl. = Gulden, s = Schilling, d = Pfennig, Hs. = Handschrift. Alle in dieser Arbeit zitierten Quellen, deren Archivzugehörigkeit nicht vermerkt ist, befinden sich im Stadtarchiv Steyr. ’) F. X. Pritz, Beschreibung und Geschichte der Stadt Steyer und ihrer nächsten Umgebungen (1837), S. 242. — A. Rolleder, Heimatkunde von Steyr, 1894, S. 127. 2) A. Hoffmann, Wirtschaftsgeschichte des Landes Oberösterreich, 1952, S. 86. 3) Oö. Landesarchiv, Herrschaft Steyr, Urkunde Nr. 66 a. — Rolleder, Steyr, S. 128. 4) Der Hund ist das Wappentier der Lamberge. Die alsTräger des Ausflußrohres dienende Brunnenfigur zeigt die Jahreszahl 1666. Dehio, Oberösterreich, 1958, S. 326. 5) Rp. 1667, 84. — Die städtischen Zimmermeister ersuchten den Stadtrat, den Burgherrn zu bewegen, heimische Meister zu beschäftigen. E. Krobath, Die Bürgermeister der Stadt Steyr und ihre Zeit. VKSt., Heft 25, 1964, S. 13. 6) Rolleder, Steyr, S. 129 f. 7) J. Wussin und A. Ilg, Beiträge zur österr. Künstler-Geschichte. Mitteilungen der k. k. CentralCommission. Jg. XV., Wien 1889, S. 34. 8) Wussin, Ilg, Beiträge, S. 34. 9) Die Stadtobrigkeit beschwerte sich über Mader, da er kein Recht besaß, in diesem Hause ein Gewerbe auszuüben. Rp. 1673, 65. 9

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