Veröffentlichungen des Kulturamtes, Heft 31. April 1974

Vorbereitungen für die Wiener internationale Elektrische Ausstellung 1883 Das Hauptaugenmerk dürfte Werndl auf die Wiener Ausstellung gerichtet haben, wo die Waffenfabrik aus Prestige- und Reklamegründen stark hervortreten sollte ; in den elektrischen Abteilungen wurde daher die Arbeit ungeheuer vorangetrieben. Werndl selbst studierte Pläne, machte Verbesserungsvorschläge, so an die Firma Fischer, Maschinenfabrik in Wiener Neustadt, die Turbinen lieferte.32) Am 4. Juli 1883 fand zum ersten Mal eine Probebeleuchtung mit elektrischem Licht statt. Im Alpen-Boten vom 5. Juli 1883 heißt es : "...und es wurden über den Dachgiebeln der im Bau begriffenen Villa-Werndl fünf Lampen, am Glasbau eine Lampe und am Turm in Engelsegg zwei Lampen aufgezogen, welche mit elektrischem Lichte gespeist wurden. Der Erfolg war ein ausgezeichneter und es hatte dieses Schauspiel eine riesige Menschenmenge angelockt.“33) Die Wiener Internationale Elektrische Ausstellung Am 16. August 1883 eröffnete Kronprinz Rudolf bei strömendem Regen die Internationale Elektrische Ausstellung in der Rotunde in Wien. Seine Rede gipfelte in den Worten : „Ein Meer von Licht strahlte aus dieser Stadt“.34) Tatsächlich übertraf die Ausstellung, was die Zahl der Lampen, die Lichtintensität betrifft, die Pariser Ausstellung bei weitem. Das große Aufgebot von elektrischen Lichtern war aber nicht nur als Schaustück für Ausstellungen gedacht, sondern zeigte vielmehr, welche Bedeutung und Verbreitung das elektrische Licht im praktischen Leben bereits gefunden hatte. Damals glaubte man allgemein noch, daß die zukünftige Hauptaufgabe der Elektrizität die Erzeugung von Licht sein würde. Alle Arten von elektrischem Licht waren demnach zu sehen. Von den Glühlicht- oder Incandescenzlampen waren die Edison-, die Swan-, die Lane-Fox- und die Maximlampen die bekanntesten. Von den Bogenlampen (Regulatoren) wurden in einem Bericht über die Internationale Elektrische Ausstellung in Wien die Lampen von Piette und Krizik durch besonderen einfachen Bau und besonderes exaktes Funktionieren hervorgehoben.35) Die Erzeugung dieser Lampen hat für Österreich die Waffenfabrik, für Deutschland Schuckert übernommen. Vom Beitrag der österreichischen Waffenfabriksgesellschaft zu dieser Ausstellung finden wir in der Zeitschrift für Elektrotechnik einen Kurzbericht. aJ) Kb. 454/7 Nr. 32 und 39. ”) A. B. 1883, Nr. 53, S. 4. 34) Lettenmair, 2, S. 1. 35) Klein, S. 397 ff. 50

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