Veröffentlichungen des Kulturamtes, Heft 31. April 1974

Der platzseitige Flügel wurde im Frühjahr 1772 vollendet. Im Februar wurden die Vergolderarbeiten am Turmhelm und die Anfertigung der Fenstergitter in Auftrag gegeben.37) Der Steueramtsschreiber Johann Kaltenböck verfaßte eine Gedenkschrift, die in die Krone des den schönen Fassadenturm abschließenden Doppeladlers im April eingelegt wurde.38) Zur Ausstattung der Kanzleien kaufte der Magistrat im Juli 1773 in Mauthausen um 300 Gulden eine Uhr, einen Luster und Bilder.39) Für den Bau des Flintertraktes erhielt nach längeren Verhandlungen die Stadtgemeinde von der Landeshauptmannschaft am 1. Mai 1775 den Betrag von 4891 Gulden. Am 31. Oktober 1776 waren von dieser Summe noch 2178 Gulden 16 Kreuzer vorhanden. Zu Beginn des Jahres 1777 drohte die Landeshauptmannschaft mit der Einstellung des Baues, wenn mit dem vorhandenen Geld nicht das Auslangen gefunden werden sollte.40) Da in der ersten Hälfte des nächsten Jahres das Gebäude noch nicht vollendet war,4') erging am 26. Juni an die Stadtgemeinde der Auftrag, es bis zum Jahresende fertigzustellen. Stadtbaumeister Johann Wolfgang Hueber, der im Sommer 1776 den Rathausbau übernommen hatte,42) vollendete ihn bereits im Herbst. Schon ab 16. Oktober 1778 konnten in dem mit einer reizvollen Stuckdecke ausgestatteten Sitzungssaal im ennsseitigen Flügel die Ratsverhandlungen aufgenommen werden.43) Seit dieser Zeit dient auch der schöne gewölbte Archivraum im ersten Stock des südlichen Seitentraktes zur geordneten Verwahrung des für die Stadtgeschichte und für die österreichische Wirtschaftsgeschichte aufschlußreichen Quellenmaterials. Auf Grund der noch vorhandenen Aufschreibungen dürfte das Steyrer Rathaus, ein Meisterwerk des österreichischen Rokoko, den Betrag von etwa 38.000 Gulden erfordert haben. Besondere Verdienste erwarben sich um diesen Bau die Bürgermeister Johannes Simon Carl Angerholzer (1764 — 1770), Bernhard Großrucker (1771) und Johann Reichard von Paumgartten (1772 — 1781).44) Uber den Barockbaumeister Gotthard Hayberger und sein bedeutendstes Werk urteilte bereits 1906 Konservator E. Schmidel : „Der Steyrer Hayberger eroberte sich durch seine Werke einen vornehmen Platz in der Kunstgeschichte, er muß unter den großen Meistern genannt 37) Rp. 5. 2. 1772, Hs. 175, 51. 38) Rp. 10. 4. 1772, Hs. 175, 116. — Kaltenböck erhielt für „seine Mühe“ 3 kaiserliche Dukaten = 12 fl. 48 Kreuzer. Kassa-Amts-Rechnungen, Hs. 57, 77, Nr. 1124, 1125. Bei den Bauarbeiten erlitt 1770 der „Hirschenhaus-Bub“ Jakob Hochedlinger einen Unfall. Zur „Gewrnnung des Brods“ erhielt er aus der Armenkasse täglich 6 Kreuzer. Rp. 27. 6. 1770, Hs. 173, 168. I. Schroff, Annalen, HS., Bd. 6, S. 874, K. XI. Krobath, Bürgermeister, Heft 28, S. 25. — F. Bau- u. Straßensachen 1490 — 1777, K. III, L. 19, Nr. 4480. 41) Die Stadtgemeinde hatte versprochen, bis Ende des Jahres 1777 das Rathaus zu vollenden. F. Bau- u. Straßensachen 1490 — 1777, Nr. 4480. 42) Schroff, Annalen, Hs., Bd. 6, S. 882, K. XI. — Hubers Vorgänger (Wolfgang Hueber) war im Sommer 1776 gestorben. Schroff, Annalen, Hs., Bd. 6, S. 879, K. XI. *) Stadtschreiber Matthäus Guggenbichler verfaßte anläßlich der ersten Ratssitzung eine kurze Gedenkschrift in lateinischer Sprache (Chronogramm). Krobath, Bürgermeister, VKSt., Heft 28, 1967, S. 25 f. M) Krobath, Bürgermeister, VKSt., Heft 28, S. 27 — 51. 13

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