Veröffentlichungen des Kulturamtes der Stadt Steyr, Heft 30, April 1972

Anfang des 17. Jahrhunderts schon so baufällig, daß in der Folgezeit Gottesdienste wegen Einsturzgefahr unterbleiben mußten297 ). Ein Erdbeben im Jahre 1662 vergrößerte erheblich die vorhandenen Schäden298 ). Auf Grund einer Besichtigung der Kapelle durch Abt Roman Rauscher von Garsten, Stadtpfarrer Aemilian Raitenberger und Baumeister Ca r 1 o n wurde beschlossen, die obere Kapelle bis auf die Fenster abzutragen und die untere mit Eisenschließen zu sichern. Erst im Frühjahr 1663 wurde das schadhafte Mauerwerk entfernt und die Kapelle wieder aufgebaut299 ). Das Innere aber befand sich, wie aus einer Relation über Kirchenamts– rechnungen hervorgeht, in einem trostlosen Zustand. Durch die offenen Fenster werde durch 11 Regen vnd Schnee, so die Windt hineintragen, auf ain neües daß gmeür (Mauern) erwaicht vnd ruinirt. Von denen auß vnd einfliegendten Voglen auch vnd anderen Unzifer dises Gott geweihte orth Beschmaist vnd verunehrt werde. Ob nit die Verhandene alte Fenster: Glasscheiben vnd Pley, soweit man darmit werede Khleckhen khennen, zu machung der Fenster applicirt, die Capellen geseubert, vnd als dan drittens wo nit öffter wenigist alle Monath ain Heyl. Meß darinnen gelesen werden solle."300 ) Für das Abbruchmaterial (Ziegel, Steine) fand sich kein Käufer. Man hätte es 1668 den Dominikanern um 120 Gulden überlassen. Da sie ablehnten, überließ man es den Klosterjungfrauen in der Berggasse301 ). In der Folgezeit dürften in der Kapelle nicht allzu häufig Gottesdienste stattgefunden haben, denn im Jahre 1700 ist von der 11 schon lang öd stehenden" Traintenkapelle die Rede. Stadtpfarrer Robert König beabsich– tigte, sie mit Unterstützung der Messererzunft und Schneiderinnung restaurieren zu lassen. Das Vorhaben wurde auch ausgeführt. Ab 1703 feierte die Dreifaltigkeitszeche der Schneider darin ihre Ämter302 ). Im Jahre 1772 wurde in der Kapelle eine kleine Orgel aufgestellt. Sie lieferte um 11 Gulden 30 Kreuzer der Orgelmacher zu Männsee (Mond297 ) Die Annalen (1590-1622) des Wolfgang Lindner. Hg. von K. 5chiffmann. Archiv für die Geschichte der Diözese Linz (1910), 5. 121. - Am 20. 7. 1607 erstatteten Handwerker ein „Gutachten" über die Baufälligkeit der Kapelle. F. Pfarrkirche 1653-1715, K. XI, L. 26, Nr. 159. 298 ) Krobath, Bürgermeister, VK5t., Heft 25 (1964), 5. 13. 299 ) Rp. 1660, 223; - 1662, 90; - 1663, 46. - Lt. Ratsbeschluß sollte Pfarrer Raiten– berger als Benefiziat der Traintenstiftung 150 Gulden zu „Abbrech und Reparierung der Traindtenstiftskapelle" bezahlen. Rp. 1663, 183. - F. Pfarrkirche 1653-1715, K. XI, L. 26, Nr. 159. 300 ) Pfarrkirche 1653-1715, K. XI, L. 26, Nr. 166. 301 ) Rp. 1668, 100, 138. 302 ) Diözesanarchiv Linz: Diözesan-Akten, F. 339, Nr. 3. - Rp. 1700, 211. 97

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2