Veröffentlichungen des Kulturamtes der Stadt Steyr, Heft 30, April 1972

Insgesamt 39 Jahre, hievon über ein Jahr als Dirigierender Rat und über 23 Jahre als Bürgermeister, konnte Franz Seraph Reisser mit seinem reichen Wissen und seiner großen Erfahrung der Stadt dienen. In den Morgen-– stunden des 7 . April 1842 starb er im Alter von 68 Jahren an der Wasser– sucht. Zwei Tage später wurde er unter großer Beteiligung der Bevölkerung zu Grabe getragen. An der Spitze des Leichenzuges schritten die Insassen der Versorgungshäuser, ihnen folgten Schüler der fünf Steyrer Schulen, an die sich alle Zünfte der Stadt, die erste Artillerieabteilung und die erste Füsilierkompanie des Bürgerkorps anschlossen. Unmittelbar vor dem Sarge schritt die Geistlichkeit, nach dem Sarge folgten die Leidtragenden, alle Angehörigen des Magistrates, die 11 Notabeln" der Stadt, die zweite Füsilier– kompanie, die zweite Artillerieabteilung und die Bruderschaften. Das Geläute aller Glocken der Stadt begleitete den Bürgermeister auf seinem letzten Wege. Trotz einiger Friedensjahre begann sich die Wirtschaft der Stadt nur langsam zu erholen. Viele Gebäude bedurften einer Instandsetzung, die während der Kriegszeiten vernachlässigt werden mußte, die Straßen waren in desolatem Zustand, die drei städtischen Brunnen derart verfallen, daß sie gänzlich erneuert werden mußten. Die Arbeiten wurden begreiflicherweise sofort in Angriff genommen. Um die Kosten hereinzubringen, mußten jene, die 11 rinnendes" Wasser bezogen, je Partei einen Vorschuß von 15 Gulden, jene, die nur das Oberwasser benützten, 6 Gulden sofort erlegen und die Besitzer von Häusern in der Stadt, die 11 Brunnengeld" bezahlen mußten, hatten dieses in doppelter Höhe zu entrichten. Damit brachte man die Summe von 150 Gulden auf, die, laut Voranschlages des Glockengießers Staffelmayr, die Instandsetzung der Brunnen kostete. Ober Einschreiten des Kreisamtes wurde am 25. Mai 1820 ein Regierungs– dekret erlassen, daß 11 zur Erzielung einer Comunikazion (Verbindung) über den Stadtgraben ein Erddamm aufzuwerfen" war. Die hiefür entfallenden Kosten von rund 593 Gulden wurden von der Bürgerschaft durch eine doppelt eingehobene Feuersteuer hereingebracht52 ). Im September desselben Jahres wollte man auch den 11 Pfarrhofgebäudeturm" (Khnöbelturm) im Versteigerungswege abbrechen lassen, doch ging man später davon ab53 ). Die Steine des abgebrochenen 11 alten Turmes in Reichenschwall" wurden im Februar 1821 zum Kubikklafterpreise von drei Gulden verkauft54 ). Im Rathause bedurfte man dringend einer Waschküche. Um sie errichten zu können, schlug Bürgermeister Reisser vor, die Unkosten durch den Verkauf von Makulaturpapier hereinzubringen55 ). 52 ) RP 1819, 410; RP 1820, 549; RP 1823, 504. 53 ) RP 1820, 552, 562. 54 ) RP 1821, 92. 55 ) RP 1819, 400. 22

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