Veröffentlichungen des Kulturamtes, Heft 25, Dezember 1964

Nach verschiedenen weiteren Ungelegenheiten erreichte Gregor Schinnerer am frühen Morgen des 19. Juli die Stadt Enns, wo er den dort anwesenden landes- sürstlichen Kommissaren über die Lage berichtete und sie bat, „zu des Landts sicherheit den Ennßstramb (Ennsstrom) zuverwahren, weillen der feindt (die feindlichen Streifscharen) nur mehr 2 stundt von bannen . . , Noch am gleichen Tage ritt der Bürgermeister nach Steyr, wo er „die burgerschafft flichtig und lamentierlich allenthalben ansechen miessen . . Er fand „Bei) der statt alles in confusion" vor und hatte in der folgenden Zeit „vast tag und nacht khaine ruhe gehabt . . Dem Kammergrafen berichtete Schinnerer am 2. August u. a.: „Das edle scheue landt ist von Raab auß gegen Odcnburg biß herauf gegen Ambstetten sowohl auf der ebne alß auf dem gebürg alles versengt und verbrendt außer nachvolgenter orth, so sich mit wenigen schiessen erhalten, nemblich Greiffenstain, Tulln, Herzogburg. Trasmaur, Hollenburg, Sallaburg, Mölkh, St. Pölten, Pbbs, Plindemarkht, Ambstetten, Scheibbs . . . Vill mehl und getraidt, vill 1000 mentschen erbärmlich nidergehauet, . . . außer was in denen auen (Donauauen) verterben und sterben müessen, welcher schaden mit vill Millionen nit zu ersezen...". Als Zeichen der sich dem Lande nähernden Gefahr war während der Abwesenheit Schinnerers ein Auftrag des Landeshauptmannes vom 9. Juli zu werten, dem der Bestand an wehrfähigen Männern und die Vorräte an Geschützen, Gewehren und Munition zu melden waren. Außerdem wurde dem Magistrate mitgeteilt, daß fünf Kompanien württembergischcn Fußvolkes in die Stadt gelegt würden, die Ennsbrücken „verwahrt" werden müßten, und außer den Angehörigen des kaiserlichen Hofes, niemand in die Stadt eingelassen werden sollte.53) In einer der folgenden Ratssitzungen, in denen für den abwesenden Bürgermeister Stadtrichter Derfflmair präsidierte, wurde beschlossen, durch das Steueramt einen Vorrat von Getreide ankaufen zu lassen, dieses in den Räumen des Neutors zu laaern und den in der Stadt lebenden Leutnant Franz Wohllober, als kriegserfahrenen Offizier, auf Bcdarfsdauer mit einer monatlichen Gage von 20 Gulden und freier Wohnung, sowie einen Wachtmeister gegen ein Monatsgeld von 9 Gulden anzustellen.^) Ein Befehl des Landeshauptmannes vom 13. Juli verfügte, alle in Steyr wohnhaften waffenfähigen Personen aufzubieten, sie in Kompanien einzutcilen und mit ihnen militärische Übungen durchzuführen. Die Ausfuhr von Getreide und Vieh wurde verboten. Auch ein kaiserliches Patent „wie man sich bey dissen gefährlichen Khriegs- slammen halten: Bund all lästerliches (lästerliches) leben abgestölt: dagegen Gottes forcht mit aller andacht eingepflanzet: auch die alokken Zum aebett wider di Türkhen täglich solle geleitet (geläutet) werden" kam im Rate zur Verlesung. Die Landstände hatten beschlossen, gegen die tartarischen und türkischen Streis- scbaren die alten Schanzen an der Enns wieder Herstellen und neue anlegen zu lallen. An den Magistrat Stevr erging daher am 13. Juli der Auftrag, 300 ..Sturmpllähle". 500 „Grundpfähle" und 500 Pallisadcn sofort nach Enns zu schicken. Da solche Mengen für Befestiaungszweckc geeigneter Hölzer in der Stadt nicht vorhanden waren, ließ der Magistrat bei den Sägen und Holzhändlern der Umgebung Erkundigungen einziehen, ob die benötigten Pfühle vorhanden wären und bis wann sie geliefert werden fönnten.53 * 5) Mr die Bewaffnung der aufgebotenen-Steyrer wurden beim Armaturenhändler Mittermayr, gegen versprochene Barzahlung, 400 Musketen und alles bei ihm 53) RP 1683, 102. 54) RP 1683, 104, 113. 20 Mutb Korn, 2 Muth Weizen und 10 Muth Hafer wurden erworbm (1 Muth sind 62 Liter). 55) RP 1683, 105. 29

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