Veröffentlichungen des Kulturamtes, Heft 19, Februar 1959

Im Zusammenhang mit den großen Reformbestrebungen, die durch den Nationaltheatergedanken Lessings und Josef II. gekennzeichnet sind und das deutsche Theater auf neue geistige Grundlagen stellten, beginnt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Zeit der Theaterneubauten, die als würdige Heime der neuen, gehobenen Schauspielkunst an die Stelle der Hütten der Wandertruppenzeit traten. Vielfach wurden die unter Kaiser Josef II. aufgehobenen Kloster- und Spitalkirchen als Theatergebäude verwendet, so in Ried (1790), Braunau, Wels (1829). In Steyr wurde das Kloster der Cölestinerinnen (seit 1782 Ursulinen) in der Berggasse, das 1784 geschlossen worden war, 1786 von der Stadtgemeinde samt Kirche, Lorettokapelle und Garten um den Schätzungswert von 3500 fl. übernommen. Bald nach der Erwerbung wurde die 1676—1681 erbaute Kirche als Theater benützt; am 30. Juni 1789 wunderte bereits die schöne Bühnenausstattung, die ein gewisser Eibel seinerzeit dem Garstner Dilettantentheater zu Aufführungen für das Armen- inftitut' geschenkt hatte, in das neue Theater. Am 7. Oktober 1789 fand anläßlich des Sieges bei Focsani eine Festvorstellung bei freiem Eintritt statt. Im August 1791 bittet der Linzer Turnermeister und Theaterunternehmer Franz Glöggl, der neben dem Linzer Landestheater auch die Theater von Salzburg und Passau vorübergehend führte und den ersten Linzer Bühnenkonzern schuf, um Überlassung des Steyrer Theaters; eine Erledigung dieses Ansuchens fehlt. 1792 wurden kleinere Arbeiten im Theater vorgenommen, in dem die Steyrer Dilettanten seit 1794 fleißig spielten. Der Kirchcnraum blieb aber zunächst nur notdürftig als Theater eingerichtet, man hatte jedenfalls die gar nicht in den Raum passende Garstener Bühne mit den Dekorationen einfach in der Kirche aufgestellt. Erst im Jahre 1796 erfolgte der eigentliche Ausbau und die festliche Eröffnung des Theaters. In den Ratssitzungen vom 17. Februar 1796 begründete Magistratsrat Schellmann die Notwendigkeit des vollständigen Ausbaues des Theatergebäudes damit, daß schon durch mehr als ein Jahr die Steyrer Schaubühne, „durch einige hiesige Herren Dilettanten dergestalt emporgehoben worden sei, daß endlich der allgemeine Wunsch rege gemacht wurde, dieses Theater in einen ordentlich und regelmäßigen Stand herzustellen. Im März 1796 wandte sich der Magistrat an das Kreisamt Steyr um Bewilligung zum Umbau und wies darauf hin, daß in dem Gebäude „Schon seit einigen Jahren her ein Theater (- Bühne) wirklich stehe" und bei den bisherigen Spielen benützt wurde. Ganz im Sinne der josefinischen Theaterreformen betonte der Steyrer Magistrat auch die staatspolitische Bedeutung der Theaterförderung: „Da ein anständiger Belustigungs Ort das Vergnügen des Publikums, somit in gewisser Rücksicht auch dessen Glückseligkeit befördert, so wird bei jedem gesitteten Volke selbst von Seite des Staates das Augenmerk darauf gerichtet, dem Publikum auch zu dieser Gattung Glückseligkeit eine schicksame Gelegenheit zu verschaffen." Durch den Umbau sollte die Bühne den Ausmaßen des Jnnenraumes entsprechend erhöht werden, damit Platz für den Einbau der bisher fehlenden Theatermaschinerie gewonnen werden konnte; der dadurch weiter beschränkte, ohnehin zu kleine Zuschauerraum sollte durch den Einbau von Galerien und einiger Logen erweitert werden. Der Umbau wurde bewilligt, die Stadt schoß 800 fl. vor, stellte Bauholz und Fuhrwerk bei, Steyrer Bürger schenkten 50 fl. und Einrichtungsgegenstände. Ein Hauptförderer des Theaterumbaues war der theaterfreudige Fürst Lamberg, in dessen Schloß selber häufig Aufführungen stattfanden; der Fürst räumte dazu sein Sommerhaus im Hofgarten ein. Meist wurde Lamberg zu seinem Namenstag mit einer Festaufführung geehrt; so spielte man am 3. November 1817 im Schloß Salieris Oper „Die Höhle des Trophonio". Für das neue Stadttheater ließ der Fürst das Proszenium, den neuen Hauptvorhang und zwei vollständige neue Dekorationen auf seine Kosten malen. Er schenkte auch Kostüme und andere wertvolle Einrichtung. Stadtbaumeister Franz Huber führte den Umbau durch. Die Baukosten betrugen laut Voranschlag 148 fl. 28% kr. für die Baumaterialien und Arbeitslöhne, 135 fl. für die Maurerarbeiten, 644 fl. 52 kr. für die Zimmermeisterarbeiten und 39

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