Veröffentlichungen des Kulturamtes, Heft 14, Dezember 1954

darstellte, brechen die Berichte über Karfveitagsprozessionen fast unoermittelt ab. Nur noch 1718-°) wird eine beschrieben, die aber nicht im entferntesten an die des Jahres 1715 heranreicht. Von etwa zwanzig Kreuzträgern wurde eine Bühne getragen, auf der sich ein Berg mit einer Höhle befand, die das Grab Christi darstellte. Aus dem Berg ein strahlendes Kreuz, darunter das apokalyptische Lamm, die vier Erdteile mit seinem Blute benetzend. Das Dramatische ist also schon stark in den Hintergrund getreten. Andere Prozessionen Die seit der Mitte des 17. Jahrhunderts häufig erwähnten Katechistenprozesstonen übernehmen — wie bereits gesagt — mit dem Zurücktreten der Karfreitagsprozessionen deren Funktion. Auch sie erfahren reiche Ausgestaltung, die unter starkem Einfluß des Schuldramas steht. Im Bericht über die Prozession des Jahres 174721) wird sie eingehend beschrieben. Vorangetragen wurden Schutzengelfahnen und unter der Schar der Knaben befand sich eine lange Reihe „Aloysianer", die nach spanischer Sitte gekleidet waren und vom hl. Aloysius mit zwei Engeln angeführt wurden. Auch wurden die bei anderen Prozessionen üblichen „fercula" mitgeführt, die allerdings dem Anlaß entsprechende Bilder trugen wie z. B. der seinen Eltern gehorsame Jesus, Tobias, seinem Sohne weise Lehren gebend, u. dgl. Bemerkenswert ist auch bei diesen Prozessionen, daß sie dem Anlaß entsprechend eine ausgeprägte Eigenform entwickelten. Daß sie eine ähnliche Beziehung zum Drama hatten wie die oben besprochenen Karfreitagsprozessionen, erhellt aus der Bemerkung zum Jahre 1748: Praeter duo feretra pro mora circumlata tria alia por- tata sunt, et a c t o r i b u s, et picturis ornata. Ein Beweis, daß man auch lebende Bilder zusammenstellte und auf Tragbühnen mitführte. In den folgenden Jahren ist fast regelmäßig von „tria feretra" die Rede, die von den Katechisten alljährlich mit anderen, dem Anlaß entsprechenden Bildern versehen wurden. Seit 1755 werden diese Tragbühuen überhaupt nicht mehr erwähnt, obwohl die Tradition der Katechistenprozession bis zur Auflösung des Ordens verfolgt werden farm22). Ihnen dürfte ein ähnliches Schicksal wie dem Schuldrama widerfahren sein. Anmerkungen Abkürzungen: Haller, Passionsspieile = Haller Edmund, (Öberösterreichische Passionssxiele, Heimatgaue, 9. 3g. (1928) I, S. 55—57, und 12. 3g. (19311) II, 5. 20—33, — £. A. — Sitterae Annuae prcwinciae Austria«. Manuskript in der Nationalbibliothek in Wien. Für die 3ahre 1633—1759 Lad. 12218—12250, für die Jahre 1740—177$ Lod. 12134—12164. H Vgl. das bei Nagl-Asidler, Deutsch-österreichische Literaturgeschichte, I. Band (1899), S. 662, über Fronleichnamsspiele Gesagte, das iw gleichen Matze für die Karfreitags^ Prozessionen gilt ' -) vgl. Haller, Passionssxiele I, S. 57 f; II, S. 25 f. 3) Das frei Naidler, Literaturgeschichte des Deutschen Volkes (4. Auflage, 1939), I. Bd., 5. 350, vom Drama Gesagte gilt auch für die Prozession. 4) 1, Sodalitas Beatissimas virginis in Loelos Affumptae, auch Reginae Angelorum Katae genannt, gegr. 1635 (Studentenkongregation von der Himmelfahrt. Mariens); 2. Sodalitas Agoniae Lhristi in Lruce (Todesangstbruderschaft); 3. Sodalitas Angel: Tutelaris (Schutzengelkongiegation); 4. Sodalitas (cimca) Beatifsimae virginis sine Labe Loncextae (Bürgerkongregation von der Unbefleckten Empfängnis). Alle vier Kongregationen finden in den L. A. häufig Erwähnung. 5) Das labarum, volkstümlich laubrum genannt, welches meist Darstellungen der Leidensgeschichte enthielt, fand auch bei Prozessionen, die nicht von Jesuiten veranstaltet wurden Verwendung, vgl. Haller, Passionsspiele I S, 58. 6) L. A. 1638. 58

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