Steyrer Tagebuch Nummer 12, Mai 1983

19 Einkaufsgemeinschaften Resthof und Steyr Wehrgraben In einer Zeit , uo das rertige Essen in Dosen oder Plastikverpackung tischfertig in Kauf– häusern angeboten uird (sogenanntes Astronau– tenfutter) , 1110 Brot angeboten uird, das lm– mentaler ähnelt(der Löcher wegen) , haben sich einige Leute aus Steyr für natürliche Produkte interessiert . Unabhängig von den Leuten in Steyr haben sich Ennstaler Bergbauern (Österreichische Berg– bauernvereinigung , Region Eisen111urzen) Ge– danken über ihre berufliche Zukunft gemacht . Da die österreichische Agrarpolitik die Groß– betriebe begünstigt und Klein- und Bergbauern benachteiligt und in Zukunft die Einkommens– unterschiede noch größer werden dürften, isl daher keine Änderung der Lage in Sicht . Auf Dauer gesehen bringt das immer Mehrprodu– zieren unter Einsatz von Stickstoff und che– mischen Spritzmitteln und bei Jntensivhaltung 'von Tieren jeder Art nichts , Wie können Fleisch, Milch und Früchte gesund sein , uenn Tiere und Boden krank und ausgelaugt sind? ~lir haben uns daher entschlossen , den natür– lichen bzw . biologischen Anbau in unseren Be– trieben einzuführen . Das Problem lag dann in der Vermarktung . Aufgrund einiger Kontakte mit den Konsumenten aus Steyr- Reslhof haben u1r eine Einkaufsgemeinschaft gegründet . Am 20, Jänner war es soueit und bei einem Kost– probenabend wurden llilch , Mosl , Süßmost , Voll– kornbrot , verschiedene Schnäpse und Äpfel auf– getischt , auch Schafvolle gab's . Am 27 . 1.83 war die erste Lieferung fällig . \-las für die Bergbauern bei dieser Direktvermark– tung sehr uichtig ist : sie können ihr Einkommen verbessern und durch Kontakt mit den Konsumenten auch deren Proble– me kennenlernen . So kann eine Solidarität zwi– schen den vom Staat benachteiligten Bergbauern und den Konsumenten entstehen . Die Direktver– marktung (DV) hat sich auch das Ziel gesetzt , die Preise gemeinsam zu kalkulieren und festzu– setzen . Außerdem finden monatliche Besprechungen zwi– schen beiden Seiten statt , uo anfallenden Schu1e– rigkeiten besprochen und einer Lösung zuge- führt werden können , (z . B. am Resthof gibt's noch immer das Raumproblem) •• Bei den Bespre– chungen gelangten uir zu der Einsicht , daß z . U. uenig Information über Rohmilchqualität und die Schwierigkeiten der Bauern bei "Ab Hof Ver – marktung" vorhanden ist . Deshalb wurde am 2. 5. im Kinderfreundeheim Resthof ein Milchabend veranstaltet . Zu unserer Überraschung kamen auch Funktionäre des Milchhofs Steyr- Garsten, souie der für den oö . Molkereiverband zustän– dige Referent vom Milchwirtschaftsfond , was zeigt , uie groß das Interesse der Molkereige- walligen an den Direktvermarktungen ist. Die Produktpalette könnte im Lauf der Zeit ständig erueiterl werden . Zur Zeit gibt es auch sehr gute Erdäpfel aus dem Haldvierlel und einen vorzüglichen Ziegenfrischkäse aus dem Cnnslal. Eine zueite Einkaufsgemeinschaft bildete , ~ sich in der Stadt und hat ihre Abgabestelle , im Wehrgraben im Verein Basiskultur . ~ Um die Ziele der EK- Gerneinschart sowie die rorm der DV zu b treiben, brauchen wir mehr Konsurnenten und Produzenten . Jene Leser, die selbst den ährstoff ihrer Gehirnzellen bestimmen möchten , können sich an eine der angeführten Adressen wenden : Josi Klement Schlüsselhofg . 15 , tel. 61 36 74 Cdda Konrad Resthorstr . 52 tel . 64 967 Sepp GroOlerner , Maria Pree Ternberg tel . 0 7256/207 DIE REICHEN WERDEN REICHER DIE ARMEN BLEIBEN ARM DIE ENTWICKLUNG DER EINXOMMENSUNTERSCHIEDE IN DER LANDWIRTSCHAFT (Landwi rtschaftliches Einkommen je Familienarbe i tskraft und Monat / 25.ooo A I ' . I . I 20.000 0 I 0 I 0 I 0 I ,o 0 B ~ 0 ,.~ ~ 1S.ooo 10.000 S.ooo 0 1960 1965 1970 1975 Jahr 1980 A' Ackerwirtschaften, NÖ . Flach-HUgelland So - 100 ha B: Ackerwirtschaften, Alpe.nvo::cland So - So ha C: Acke rwirts chaften , Alpenvorland 2o - So ha D: GrUnlandwi rtschaften, Hochalpen 100 - 200 ha E: Acker-Grünland1,irtschaften, Wald- und MUhlviertel 10 - 2o ha F: GrU~landvirtschaften, Hochalpen So - 100 ha 1 • Wenn man den Durchschnitt von Arm und Reich bildet, dann geht es plötzlich "allen" Bauern schlecht. Dann verstecken sich die Reichen hinter der Bedürftigkeit der Armen und benutzen diese als Vorwand für agrarpolitische Forderungen, die im Endeffekt wi.eder nur ihnen nutzenJ !

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