Das Land ob der Enns

136 II. Die Baiern. Stiftskirche ist wohl auch ein Fingerzeig in dieser Richtung, sehen wir, doch, daß der bekannte Abt Benedikt von Aniane, der fast sieben Jahre in St. Seine in Burgund zugebracht hat, 782 bei seinem Kloster ebenfalls eine Salva'torbasilika errichtet^). Auffallend ist ferner die etwas gewaltsame Art, wie in die Grün dungssage ein Gunther kam. Da nämlich Tassilo keinen Sohn dieses Namens hatte, so erklärt sich der Vorgang nur, wenn man sich der frän kisch-burgundischen Herkunft der ersten Mönche erinnert. Und wenn wir lesen, daß im Jahre 1377 der Abt die sechste Jahrhundertfeier des Stiftes mit der Erbauung der Kapelle ,St. Sigismund am Bache' ver herrlicht, so denken wir auch da an Beziehungen zum fernen Frankenland. Der Chronist sagt, aus Stein sei der Bau aufgeführt worden und rund sei er gewesen. Ersteres läßt auf einen vorher bestandenen, wahrschein lich baufälligen Holzbau, letzteres auf Polygonform desselben schließen. Der Chronist betont die ganz besondere Verehrung, in der gerade diese Kapelle beim Volke gestanden habe^). Sie reichte eben in die Anfänge des Stiftes zurück; ein dunkles Bewußtsein davon wird sich erhalten haben, wenn auch die Hausannalistik nichts von dem Grunde weiß bzw. erwähnt, warum der heilige König von Burgund dem Stifte so innig verbunden war. Wir hörten bereits, daß im Bereiche des Stiftes eine Ortschaft nach Korbinian benannt ist, nämlich Kirzendorf, urk. Churpendorf. Hier lebt aber nicht der erste Bischof von Freising (f 730) als solcher fort, sondern, wie man im Zusammenhange mit dem Vorausgehenden annehmen darf, als Franke, als Landsmann aus Chartres bei Melun, Diöz. Paris®). Die inneren Beziehungen zur alten Heimat waren noch 40 Jahre nach der Gründung des Stiftes lebendig genug, um den Abt von Kremsmünster zu veranlassen, die weite, beschwerliche Reise zum Reichstag von Aachen 817 zu unternehmen, als einziger in Ostbaiern^). Dazu kommt, daß sich gerade auf dem von Tassilo dem Stift übergebenen Territorium die echt fränkische Institution der Dekanien findet und die Bezeichnungen Schultheißen®) und Hagustalden®) bis ins 13.Jahrb. sich erhalten haben, während sie sonst mit dem karolingischen Zeitalter verschwanden. Das läßt auf eine Bevölkerung schließen, der sie überhaupt eigentümlich waren. So erfährt also das aus den Namen 1) Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands II, S.577ff. 2) Pachmayr, Series abb. Cremif., p. 200 f. Sie wurde leider im Jahre 1784 demoliert. ') Man darf also schließen, daß das Dorf wie Weifelsdorf, das dem ersten (739) Bischof von Passau, Vivilo, zu Ehren getauft ist, bald nach der Errich tung der Abtei entstanden ist. ') Das Verzeichnis, in dem die beteiligten Stifte aufgezählt werden, ist allerdings unvollständig und jüngeren Ursprungs. Vgl. Hauck, Kirchen geschichte IF, S. 582ff. ®) Ich erwähne nebenbei,daß Otfrit das lat. centurio mit sculdheizo wieder gibt, was auf die Bedeutung des Wortes ein Licht wirft. Vgl. Dopsch, Die Wirtschaftsentwicklung der Karolingerzeit, S.331 f.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2