Anton Rolleder - Heimatkunde von Steyr 1894

17 Österreich und der Türkei bestimmt. Am 20. October 1740 starb Karl VI., und seine älteste Tochter, Alaria Theresia, tvelche mit dem Herzog Franz Stephan von Lothringen vermählt tvar, folgte ihm in der Regierung und ward die Begründerin der babsbnrg-lothringschen Dynastie in Österreich. !>. Reformation und Gegenreformation.*) Mit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus endet das Mittelalter; der „letzte Witter" Kaiser Max I. schließt int Schlosse zu Wels sein „scharfes" Auge, und die Glocken künden dumpf „den trauervollen Tag, >vo Max, der edle Kaiser, im .letzten' Hause lag." (Kaltenbrunner.) Sei» Enkel Karl V. „erfüllt mit seinem Rainen die Welt" und überlässt die Regierung der österreichischen Länder seinem Britder Ferdinand I. Dieser ist dann Landesfürst in Österreich und kaiserlicher Statthalter in Deutschland. Die Stände unseres Landes huldigen ihm in Linz, und es erfolgt dort 1521 seine Vermählung mit der Prinzessin Anna, der Schwester Ludwigs n., Königs von Ungarn und Böhmen, wodurch die österreichisch-ungarische Monarchie begründet tvird, tveil nach dem in der Schlacht gegen die Türken bei Mohacz erfolgten Tode Ludtvigs die Kronen seiner Länder an Ferdinand und dessen Gemahlin fallen. Ferdinand zieht in Oberösterreich gegen die „Schnapphähne und Heckenreiter" scharf zu Felde, lässt das Haupt derselben, den Raubritter Zeller, nach Linz bringen und enthaupten. Die in Deutschland durch Dr. Martin Luther gestiftete evangelische Kirche findet auch im Lande obder Enns bald viele Anhänger, die später Protestanten genannt tverden und die Oberhand über die Katholiken im Lande gewinnen. Ferdinand verbietet 1522 das Lesen der Schriften Luthers, es ergehen landesfürstliche Befehle zur Bestrafung der Ketzer und es wird den Söhnen des oberösterreichischen Adels das Studium an der Universität zu Wittenberg verboten. Die bedeutendsten Adelsgeschlechter und die Stände des Landes werden eifrige Förderer der neueit Lehre, und Ferdinand sieht sich der nahenden Türkengefahr tvegen genöthigt, Luthers Lehre zu dulden. Der protestantische Adel besetzt seine Patronatspfarren mit protestantischen Predigern, inid die neue Lehre findet dann bei den Bürgern der Städte und Märkte und hierauf auch bei den Bauern Anklang. Leonhard Kaiser, Kaplan in Waizenkirchen, steht im Verdachte, ein Anhänger der neuen Lehre zu sein; anlässlich eines Besuches in seiner Heimat Raab int Jnnviertel wird er über Auftrag des katholischen bairischen Herzogs verhaftet und dann 1527 in der Rähe der Stadt Schärding verbrannt. Dieses Ereignis erregt in protestantischen Kreisen tiefe Entrüstung, die Zahl der Protestanten wächst, und in Steyr verkündet Johann Hut 1527 die Grundsätze der Wiedertäufer. Um die Hätte des Jahrhunderts macht Ferdinand den protestantischen Ständen Zugeständnisse und erlaubt bedingungsweise den Empfang des Abendmahles in beiden Gestalten. Mönche und Nonnen treten sogar zur neuen Religion über und an Stelle der Klosterschulen entstehen an verschiedenen Orten des Landes protestantische Anstalten. Ferdinands Nachfolger Max 11. bewilligt 1508 den protestantischen Mitgliedern des Herren- und Ritterstandes die freie Religionsübnng in ihren Schlössern, in ihren Städten und Häuften, sowie in ihren Patronatskirchen. Die Bürger und Bauern thun das Gleiche ohne Erlaubnis, die Erbitterung zwischen den Parteien wächst und die Übergriffe häufen sich; es entsteht sogar noch eine neue Secte, die Flacianer, und als 1576 Max 11. stirbt, hat die neue Lehre alle Gesellschastsclassen durchdrungen *) Edlbacher: „Landeskunde von Oberösterreich." 2

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