Oberösterreich, 27. Jahrgang, Heft 4, 1977

Kunst der Gegenwart Louis Hofbauer oder Vollendung eines Malerlebens im Innviertel Carl Hans Watzinger Im Juli 1977 zeigte die Innviertier Künst lergilde (IKG) In Munderfing In einer Ge denkausstellung, die eine Kollektivschau war, die Werke Ihres Mitbegründers Louis Hofbauer. Der Künstler hat die letzten acht Jahre seines Lebens in Mun derfing verbracht. Unsere Zelt hat es bis jetzt so gehalten, daß verstorbenen Künstlern wenig oder keine Chance gegeben wurde, mit Ihrem Oeuvre auf sich aufmerksam zu machen. Man kümmerte sich nicht um sie, das Interesse gehörte nur den Lebenden. Die ses Interregnum, so kann man die Zeit des Schweigens über ihre In Privat- und öffentlichen Besitz befindlichen Arbeiten bezeichnen, scheint nun vorüber zu sein. Man läßt sie von neuem gelten, vielleicht kritischer und darum strenger in der Aus wahl, dafür mit Freude. Louis Hofbauer zählt zu Ihnen. An ihm ist viel gutzu machen. Er war, wie beispielsweise auch Aloiys Wach, ein bedeutender Maler. Für seine ,,Wiedergeburt" ist günstig, daß er im letzten Jahrzehnt seines Lebens in einer Gemeinschaft stand, die sich über den zweiten Weltkrieg hinweg stets zu ihm bekannt hat und nicht müde gewor den ist, sein Werk zu hüten, seine An erkennung zu betreiben. Er selbst hat durch seine Bilder, meist Ölgemälde und ölstudien, gewirkt, vor allem durch seine Farben, deren Kolorit von Anbeginn Kunstkritiker wie Kunstliebhaber gefan gennahm. Daß diese Farben, so in seiner Komposition ,,Bergpredigt" oder in dem Stilleben ,,Zinnkrug und Krebse", hier sein unvergleichliches Rot, verblaßt sind und manchen Beschauer dieser Bilder enttäuschen mögen, ist nicht seine Schuld. Das liegt bei den von der damali gen chemischen Industrie hergestellten Farben. Die Maler der Vergangenheit, etwa der Gotik und Renaissance, auch des Barocks, haben ihre Farben eigen händig aus den Pflanzen der für solche Zwecke angelegten Hausgärten erzeugt. Die Luft (oder auch die Eingeschlossenheit in dumpfen Räumen) hat sie nach dunklen lassen, aber eine werkgerechte Restaurierung — man denke an die vor Jahren großartig geglückte der Rembrandtschen ,,Nachtwache" — hat sie auf neue Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte, in alter Schönheit und Reinheit wieder erstehen lassen. Louis Hofbauer wurde am 26. Oktober 1889 in Yalta auf der Krim geboren. Sein Vater war in diesen Jahren kaiser lich russischer Weingüter- und Keliereidirektor. Er stammte aus Wien, dahin kehrte der Sohn im Kindesalter zurück, um in der Heimat - sein Vater war Wie ner, seine Mutter Klosterneuburgerin — mit dem ordentlichen Schulbesuch zu be ginnen. Seine Berufswahl nach den all gemeinbildenden Schulen mag weder den Eltern noch Ihm selber Kopfzerbre chen verursacht haben: begabt fürs Zeichnen und Malen wie auch für alles Handwerkliche, ging er 1905 auf zwei Jahre an die Wiener Graphische Lehr end Versuchsanstalt; Professor Otto Prutscher wurde sein Lehrer. Auch der Übertritt in die Akademie der bildenden Künste der alten Kaiserstadt an der Do nau, damals schon am Schlllerplatz ein gerichtet, vollzog sich 1907 nahtlos; der junge Kunsteleve kam sofort in die Spe zialschule zu Professor Franz Rumpier, einem Mann, der wie vorbestimmt war, ihn in seiner künstlerischen Auffassung weiterzuführen, besonders in der Farben behandlung. Dieser Lehrer erkannte in seinem neuen Schüler das Geniale, Ge danken in Farbe auszudrücken, sie ins Bild zu verwandeln, eine suggestive Fä higkeit, die selten ist. Das Romstipen dium (Rompreis) zum Abschluß des Stu diums Im Jahre 1911 wurde einem be reits über das Maß reifen Absolventen zuteil. Ausstellungen seiner Bilder im Mai/Juni 1911 auf der 2. Kunstausstel lung der heimischen Künstler Klosterneuburgs In der Heimatstadt seiner Mut ter, Im Jänner/Februar 1913 In der Secesslon in Wien und im Herbst (Novem ber) 1913 Im Wiener Künstlerhaus festig ten den Ruf Louis Hofbauers. Im Früh jahr 1914 stellte er wieder im Künstler haus und Im Verein heimischer Künstler Klosterneuburgs aus. Mit Juli dieses Jah res begann der erste Weltkrieg, der auch Hofbauer zu den Waffen rief. Vom Feld dienst wegen Krankheit enthoben, wurde er mit einigen anderen Malern zur Re staurierung der Olmützer Garnisons kirche ,,Maria Schnee" kommandiert. Da bei konnte er sich gründlich über barocke Freskenmalerei unterrichten und nach dem Studium bei Rumpier in der Praxis den so flüssigen Farbenauftrag seiner späteren Arbeiten bis ins letzte Detail erproben. Das hat ihn auch ins vordere Feld der österreichischen impressionisti schen Malerei der zwanziger Jahre ge bracht. In der Schar der Rumplerschüler stand er ein für allemal an der Spitze. Nach Ende des Krieges verließ Louis Hof bauer gleich anderen Wiener Malern, zum Beispiel Viktor Hammer, der damals auf Jahre Ins Ausseer Land abwanderte, die Heimatstadt seines Vaters, die im Grunde auch seine Vaterstadt war. Er übersie delte nach Oberösterreich. Von 1919 bis 1922 wohnte er in Straßwalchen, ging dann nach Braunau und 1924 kam er nach Munderfing, wo er sich im Hause Nr. 141 einquartierte. Erst jüngst, ebenfalls Im Sommer 1977 innerhalb der Kulturwochen dieses Innviertler Ortes, wurde eine Gedenktafel für Louis Hofbauer an diesem inzwischen umgebauten Haus enthüllt; Renate SchaIlnskl-Passau von der Innviertier Künstlergllde hat sie als Treibarbeit in Kupfer ge schaffen. Dieser würdige Hinweis auf den Künstler Ist durch Unterstützung des Lan des Oberösterreich, des 00. Volksbil dungswerkes, der Gemeinde Munderfing mit ihrem einsichtigen Bürgermeister Wiener, der IKG als Anreger und nicht zuletzt mit der freundlichen Bewilligung des Hausbesitzers, Baumeister Ing. Paul Thurnberger, zustande gekommen, ein Beispiel, wie unter Mithilfe aller Kreise stets Positives erzielt werden kann. Der Aufenthalt Louis Hofbauers im Inn viertel, hauptsächlich in Munderfing, hat sich fördernd sowohl auf die Wahl der Motive als auch auf seine künstlerische Entwicklung ausgewirkt. Seine ,,Hand schrift" brauchte Hofbauer nicht zu än dern. Es lag bei ihm längst fest, daß er impressionistisch malen mußte. Die Be strebungen des Jugendstils (in Wien war es die Secession) hatten ihn nie sonder lich berührt, seit Anfang waren für ihn die französischen Impressionisten maß gebend, diese farbige Freilichtmalerei in Grün, Rötlichviolett, eine malerische Zerflossenheit, die sich, um nur ein Werk zu nennen, in Hofbauers Bild von der sonnenbestrahlten Hausmauer des Hosaeusschen Wohnhauses in Mattighofen in einmaliger Erfassung des zer streuten Lichtes zeigt. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man, an diesem Ölbild ge messen, feststellt, daß Louis Hofbauer in dieser Kunstepoche für Osterreich Be deutung besitzt wie etwa Max Liebermann für Deutschland. Als zweites künstlerisch so bedeutsames Bild ist ,,Die blaue Stunde" mit seinem hohen Himmel, der den Blick des Betrachters nicht losläßt, zu nennen. Eine vom Weltschöpfer er füllte Aura, eben eine göttliche Stille, geht von diesem Bild aus, die gerade den heute so gehetzten Menschen (weil er sich hetzen läßt) wie selten ein Bild an spricht - als Mittler zwischen dem Künst ler und seiner Umwelt, und das 45 Jahre nach seinem Tod. Über diesen Tod ist einiges zu sagen und wird, so ist anzunehmen, heute zum er stenmal für die Allgemeinheit fixiert.

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