(Kulturzeitschrift) Oberösterreich, 9. Jahrgang, Heft 1/2, 1959

1 St. Georg ist der 1m Altertum und im Mittelalter am meisten verehrte Martyrer. Seine Gestalt verbindet das -::hristliche Heldentum mit kriegerischem sich als heroisches Ruhm und eignet Vorbild für alle Stände. Wenn die Berichte über sein Leben auch schon eher als sagenhaft zu bezeichnen sind, der Martyrertod in der diokletianischen Verfolgung steht fest. Die Legenda aurea hat die Erzählung vom Drachenkopf weithin verbreitet, es ist ein altes literarisches Motiv für den Kampf zwischen Gut und Böse. So erscheint Georg als christlicher Ritter der im Namen Christi unter dem Zeichen des Kreuzes den Kampf für die Jungfrau (Maria) wagt. Diese Haltung spricht aus unserem Glasfenster. Stadtpfarrkirche und für die Taufkapelle der neuerbauten Kirche in Wien-Liesing. Die a lte Glastechnik, die im 16. Jahrhundert langsam ausgestor- ben ist, erfuhr ja in unserm J ahrhundert eine Wiedergeburt: Es ist im genauen Sinn des Wortes keine Glasmalerei, wenn Farb- gläser in Bleifassungen gesetzt werden (oder neuerdings in Beton- fassung) und diese Fassungen a llein oder zumindest entscheidend die Kontur der Zeichnung bestimmen. Erst dem 19. Jahrhundert war es vorbehalten, Gläser einfach fa rbig zu bemalen, wir haben in unseren Kirchen genügend Beispiele dieser patzigen und stump- fen Glasmalerei von gestern, von der künstlerischen Gestaltung ganz abgesehen. Mithilfe in der Zeichnung war in der alten Technik und ist heute nur das in die farbigen Gläser eingebrannte Schwarzlot, das von Margret Bilger in einer sehr eigenwilligen Weise angewendet wird. .Besonders bei den frühen Fenstern brannte die Künstlerin in die ganzen Farbflächen Schwarzlot ein, dann wurden die Buntstellen herausgekratzt und damit eine auf- fallend graphische Wirkung vieltöniger Farbenpracht erreicht. Für die neuerbaute Don-Bosco-Kirche in Wien-Erdberg schuf di e Künstlerin ein großes Marienfenster mit vielen Legendenbildern. Gerade der neue Kirchenbau bietet mit seinen großen Fenster- öffnungen ein weites Aufgabenfeld für diese Kunst. Aber wir haben schon angedeutet, daß di e Technik und die Gestaltungsweise der Glasgemälde von Margret Bilger auch zur zeitgemäßen Ausstat- tung eines alten Kirchenraumes geeignet sind . Das aus kleinsten Elementen zusammengesetzte Glasgemälde hat die von großen 26 2 Fenstern aufgebrochenen Wände der gotischen Kirchen wie Mauern von Licht und Farbe erscheinen lassen. Gerade die reichste Detailwirkung ergab dann im gesamten die großen Akkorde. Und dieses reiche Deta il ist in den Fenstern von Margret Bilger. Es ist das Verwandte zu a lten Glasgemälden. So wie in der Gotik entfaltet ers t das natürliche Licht di e ganze Pracht dieser Glasgemälde. Und man schaut durch sie nicht in die Natur hinaus, sondern in e in a nderes Reich. Di ese Glasfenster sind der Versuch, das Gottesreich hier auf Erden schon faßbar zu machen. Und in den Farben selbst ist dieses Lösen vom Irdischen. Es gibt in der Natur kein Rot, das so rot und warm wäre wie die Farben dieser religösen Erfüllungen in den Fenstern, kein Blau wie j enes in den Glasfenstern, das wie ein aus dem Dunkel auf- steigendes Geheimnis aufleuchtet. Bei aller Schilderung von "\,Virk- lichkei ten dient die Farbgebung dem Ausdruck des J enseit igen . Auch die figuralen Szenen erscheinen oft schon wegen des weiten Betrachterstandpunktes wie abstrakte Farb- und Formzeichen. Trotzdem wollen wir uns nun aber dem Inhalt dieser Fenster in Kreuzen zuwenden, die in _je zwei Darstellungen die heiligen vier- zehn Nothelfer zeigen. Es handelt sich um j ene Gruppe von Hei- ligen, die vom gläubigen Volk seit altersher in Not und Bedrängnis besonders vertrauensvoll angerufen wurde. Seit dem 14. Jahrhun- dert sind die Nothelfer öfter in Kunst dargestellt worden, fast aus- schließlich sind es Märtyrer, zunächst bildete nur der hl. Ägydius eine Ausnahme. Oft ist der eine oder andere Heilige durch einen am Ort besonders verehrten H eiligen ersetzt worden. Der tiefste

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