(Kulturzeitschrift) Oberösterreich, 8. Jahrgang, Heft 1/2, 1958

OTTO WöBER GESCHICHTE DES TABAKANBAUES IN OBERÖSTERREICH Zweifellos w urde erst im Dre ißig jährigen Krieg durch Landsk nechte, die Söldner aller europäischen Nationen, Deutschen und ins- besond er e Franzosen und Spaniern der Ra,uchgenuß, d er .damals in österre ichi schen Lan.den nu r wenig bekannt war, wei ten Kreisen ge lehrt und d iesen zur Lei denschaft. A us Spanien , Frankreich, aber auch den wes t- deutschen Gebieten w urde d ie Tabaksaa t nach O sterreich gebracht. Gege n Ende und insbesondere unmittelbar nach dem Dreißig- jährigen Krieg wi rd bere its in den Chroniken der Lande ob und unter d er Enns der Tabak- anbau erwähnt. In den beid en Kronländern entstanden, w ie a•uch in den anli egenden Ländern, gleichzeitig mit Ausweirn11Jg ,des wi lden Anbaues kl ei ne Erzeu1gerstätten, Ha:usbetri ebe, in denen me is t die Familienmiüglieder ,den Rauch-, Kau- und Schnupftabak erzeugten. Die sogenannten ,,Nüren,berger Tabakmei st er " w urden man- cherorts gerufen, die den Kleinbetrieben bei der Einrichtung ,der Erzeugerstätten halfen. Zu dieser Zeit fanden d ie Hofkrei se und die Kirch e den Tabakigen uß si ttenwi dri g; 1658 bestand noch immer ein Rau chve rbot. Durch nichts ließ sich jedoch die A usbreitung des „ Las·ters" einschränken oder verbi eten. Der Staat na.hm sich dann ni cht allein aus Ge- winns:ucht, sondern ohne Zwei fel auch aus Gründen der Kontroll e des Tabakanbaues, der Fabrikation ,und d es Verschleiß es an. So kam es, daß im Jahre 1658 der ,damalige La11Jdesrhaupt,mann von Oberösterreich, H ein- rich WiM1elm Graf v on Stad1emberg, se inem Schwager Graf Kuefstein, Besi tzer der H err- schaften T ragwei n und Schwertberg, ,d ie An- regung gab, ,, Tabak z,u machen "; er führte se lbst aus Frankfurt am Main d ie damalige Methode des „Ta.bakspinnens und Fabrizie- r ens" ei n . Eine hohe Besrnuerung sollte daz u dienen, den Konsum in breiten Kreisen der Bevölkerung ei nzuschränken. Man übersal1 ,damal s noch nicht di e groß en Möglichkeiten einer Einkomrnenerhöhung des Staates durch Tabakbesteuerung. Die Tabakw irtschaft w urd e schli eßli ch in den einzelnen Gebieten des Reiches sogenannten Tabakpächtern z ugewiese n. Die Li zen z des Tabakappaltos (Tabakpacht) zwang den Pächter, die h eimische Produktion zu über- nehmen, .für eingeführte Tabake Zölle z u bezah len und d ie Fabrik a tion ordentlich zu führen . Überna.hmepreise für d ie heimischen Tabake w urden ihm vorgeschrieben wie auch die Preise für ,die Fabrikate, ,d ie in den Ver- kauf kamen. Die Pachtsummen w urden zu- Schreiben. der Ho fkammer von Niederösterreich an Johann G1;iger in Enns wegen. Errichtung einer Tabakfabrik. Hofkammerarchiv Wien. gunsten d es R eiches eingenommen. In Görz, G radiska und in Tirol wurd en die Li ze nz- privil egi en an Einzelpersonen z ugun sten der Hofkammer ve rpachtet . D ie Landstärnde der and eren Kronlä11Jder, darunter auch Ober - österreich, protes ti erten aber dagege n und forderten di e Einkommen a us der L izenz- ve rgebung zug unsten des Landes und n icht des R eiches. Trotz des Protes tes der Länder w urde di e L izenzve rgebung nach d en Be- schlüssen Wi ens geha ndihabt, in Oberöster- re ich bekam zuerst Graf von Fürstenberg und später Graf KJhevenhü.Jler ,das Privile,g für den Import von Tabaken. Für d ie Über- nahme d er hei mi schen Produkti on , d ie F abri- kation und den Verschleiß w urd e d er Bür,ger J ohann Geiger in Enns mit einer Li zenz be- teilt (1665) 1 . Sie hatten v olle Handlungs - freiheit. Nur ,be,züg lich der Tarifpolitik be- saßen sie keine Frei heit . Hi erin h a tten sie sich all e den Vorschriften der k . k. Hof- kammer in Wien zu unterwe rfen. Di e zahl- reichen wilden Hausbetriebe mußt en ihre 1 Im Jahre 1665 kam es in E nn s zu r Gründung der ersten „Tabakspinn- und Präparierungs- fabrik", di e, 1676 pri vilegie rt, in v ier H ä use rn hauptsächlich ei nheimi sche Anbauprodukte ver- a rbeit ete. Im Ve rleihun gs pate nt ve rpflichtete sich Joh a nn Geiger, alle im Lande ob und unter der Enns gee rnteten Tabakblätter um einen billi gen Prei s abzulösen und ba r zu be- za hl en . D abei waren di e Notierungen der Nürnberger Tabakpreise a uch Maßstab für di e Ab löse der heimi schen E rnte. Tätigk eit ei nstell en . Der Ratsbürger Geiger hatte das E rzeu.germonopol für Oberöster- reich . J edoch auch ihm g efie-len nicht die ein- engenden Vorschriften, u:rnd er beklag te s,ich über di e Opfer, .die er durch die Obernahme des Appaltos zu bringen hatte; gegen ,de.n Zwang der Tarifvorschriften protestiert e er. J.n sei ner Ei ngabe an d ie k. k . Hofkammer schreibt er unter anderem: ,, . . . d en Nüren - berge r-Mei stern habe ich nicht ,nur einen gro- ßen Woch enlohn zru geben, sondern ich m,uß sie nebstdem auch mit der Kost versehen . über,di es muß ich noch an di e siebzig Per- sonen in meinem Hause edialten, ihn en den T ag lohn reichen und sie alle, .nelbst abends tägl ich zweimal aibspei se n." Geiger zahlte allerdings damal s zwölf Gulden f.ür di e erste und n eun Gu lden für die zwei te Qualität je Wiener Zentner ( = 56 kg; 1 Gu ld en = 60 Kronen). D iese Prei se in einer Zeit, in der man für eine Ku:h nicht mehr a ls zwölf Gulden und für ein -Pfe11d 30 bis 90 Gulde n zahliue 2 ! Im Patent d er ni1ed:oröst·err-e,ichi•sch en Im J ahre 1677 kam es in den Anbaugebieten um N ürnberg zu einem empfindli chen Preis- sturz, der sich na türlich a uch in d en Landen ob und unter der Enns auswirkte. Wenn die H errschaften Luftenberg, Au und Puchen au anfangs 10 Gu lden pro Wiener Ze ntner be- kamen, so gingen in der Folge d ie Preise auf 3 bi s 5 Gu lden z urück . Für „Streutabak, Reste od er Abfall" zahlte Johann Geiger nur mehr einen halben Gulden. D as führte zu v ielen Beschwe rden gegen Gei ge r. 67

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