Oberösterreich, 4. Jahrgang, Heft 3/4, 1954

NORBERT EA TTI Schön , wie schon lange ni cht mehr, verglühte in den kla ren Oktoberwochen ein spä ter Sommer über d em schon im h erbstlichen Farbengla nze a ufl euch tenden, weit a usgebreiteten R a ume unseres lieben Mühlvier tels. vVarm fl oß der Luftstrom über die Hügelwell en, di e in immer neuen scha ttenb lau en Linien sich bi s an den R and d es Sichtbaren ve rloren ; a ls wä ren sie gewaschen, so leuchtend grün d ehn ten sich di e VVi esen mit den r uhig weidenden Tieren , und in den \ ,Väldern verbrannten di e Ba umkronen in roten und goldenen Flammen. Sonnenwarm sta nd de r bl a nke Granit am R ande der letzten dunklen Fichten d es Böhmerwa ld es, und frei ging der Blick von hier au f hochge hobener vVa r te hin aus über das abfallende Land, zahlreich ve rstreut hellwe iße, stolze Vierkan ter , schla nke Kirchtürme und das abgescha ttete H ä usergehä uf der kleinen Orte, di e tieferen Lagen, d as St romland d er Donau , di e we ite Ebene längs der Traun , sie blieben verborgen un te r silbergra uen Dunstschleiern ; dort, weit rückwä rts a ber, in unwa hrscheinlicher Kla rh eit und Schär fe und na he herangezogen , die föhn - blaue, vielgezackte Ma uer d er Berge , dort sta nden sie, di e Bergrä ume u nserer engeren H eima t im herbstlichen Sonnenhimmel, der p rach tvolle Priel, der herrli che D achstein. Es wa r ein wa hrhaft glückhaftes In-die-Heima t-Scha uen von di esem moos igen , wä lderbehüte ten Granitklo tz aus, und di e Erinnerung an viele VVege in di esen R äumen wurde lebendig und ve rba nd sich mi t d em Planen um neue. Die ersten Fäd en mit dem na hend en \ ,Vinter beginnen sich zu spinnen. Es da uert j a ni cht mehr allzu lange, d ann li egt der Schnee wi eder, oft meterhoch , und di ese Bergrä ume, im Sommer hellweißer K a lk u nd zerfresse n von riesenhaften Doli nen , wandeln sich in die prachtvollsten Ski reviere, zerfurcht von za hllosen Spuren. Denn der Ski lau f ist bei uns im Lande schon längs t ein wahrer Volksspor t geworden, wie a uch a nderwärts, und es sind \ ,Vinter für Winter viele zehntausende lebensfrohe Menschen , jung und alt, di e immer wieder hina usziehen, um in ihren heimatlichen Skifelde rn di e Freude am Ski lauf und das Glück ein er aufstä ubend en, schwunggeladenen Abfahrt zu erleben . Zweifellos, unsere Ski räume halten in einigem Absta nd von den gro ßa r tige n Skipa radi esen von Sa lzburg und T i rol, und, wenn sie a uch herrliche H ä nge bieten und dem Skilauf alle Mögli chkei ten erschließen, di e Ab fa hrten sind im allgemeinen nur kurz und verb lassen im Vergleiche mit anderen, a ber einige zügige und zünftige G roßa bfahrten ha ben auch wir, und di e können sich schon sehen lassen . Di e für uns oberösterreichische Skiläufer fast j eden \ ,Vinter wiederkehrende Folge unserer Ski-Großabfahrten - und di ese soll en einmal in besonderem Maße in das Blickfeld gestell t sein - nimmt ihren Ausgangspunkt gewöhnli ch vom Linzer Haus am Teichlhoden in etwa 14-00 Meter Höhe, einem R aum von seltener Schönheit, in dem in kn a ppster Umrahmung alle Elemen te einer großen, hocha lp inen La ndschaft zu einem wirkungsvollen Gesamteindruck zusammen tre ffen : der völlig ebene T eichlboden, vom schwa rze.1 Jvioorwasse r der T eichl in vielen weichger undeten Bögen durchronn en, der senkrechte Felss turz d es S tubwieswipfels - ein e kühne Sellawand im kl einen - , di e tausend Meter hohe Schneewand des Wa rschenecks a ls beherrschender und wuchtiger Ab chluß di eses Almkessels, ein schütterer H ochwa ldb es ta nd mi t hund ertj ährigen , me terdicken L ä rchen und Zi rben , da und dor t geöffnete Fernblicke auf eine reichgegli ederte Bergwelt und mi t ten drinnen di eses freundli ch-behagliche H a us, ein ri chtiges Skilä uferheim ... und schnurgerade ziehen di e Skispuren d urch lockeren Pulve rschnee h inaus, den vielen kleinen Ski zielen entgegen, di e sich von hier eröffnen : auf den Stubwieswipfel, a uf den Hals, auf die R o te ·w and, in das wunderba re Frauenka r, au f d en Kitzkogel, auf den Angerkogel mit semem großa rtigen Bli ck ins Ennstal und zu der langen K ette der ti ef ve rschneiten Niederen T auern ; sie alle sind gerade recht, um sich wieder einzulaufen und gründlich in Form zu bringen, di e Lungen krä fti g durchzuspülen mit rein er Schneeluft und die locker federnde Spannung der Gelenke wieder zu gewinnen, so da ß da nn ein mehrstündiges Durchziehen einer Skispur nach oben zu, d em Gipfel entgegen , nicht mehr schweißtreibende Mühe, sondern glückhaftes Schreiten und erfühlte Lebenskraft bedeutet . Solcherar t kann ma n am Linzer H a us leicht ein paa r abwechslungsreicl-.e Skitage verbringen , die sicher a ls schönes Erl eben in der Erinnerung haften werden. Wir sind richtig in Schwung gekommen , um zum Abschied unsere ers te Ski-Großa bfa hrt mit nach H a use zu nehmen , d ie Abfahrt durch das Loigistal Auf vorgezogener Spur verlassen wir d as Linzer H a us und steigen durch schütteren Lä rchenwald rasch hoch . Noch einma l gewinn en wir einen herrlichen Rückblick a uf den ganzen K essel des Teichlbodens, sehen hinüber zum Pyhrgas, zum kühnen Bosruck und zu den wuchtigen Wänd en d es Gesäuses. \i\;ir kommen zum Eisernen Bergl, einem braungelben Felsd'-. :Xilzmanlel GMUNDEN, Linz er Straße 5, Telefon 157 LEDER · ROHLEDER · TR EIBRIE MEN Technische Lederartikel sowie alles für den Schuh und seine Pfle9e klo tz, und in schnurgerader Spur unter den F elsabbrüchen des \,Var chenecks durch auf d en R oßa rsch zu, nur noch-vereinzelte Wetterfi chten um uns und Ba umleichen, immer noch aufrecht und ungebrochen , rindenlos, silbergrau und von Sprüngen durchrissen, schön noch im T ode. Ein weiter R a um ha t sich hi er geöffn et; unser Weg a ber zi eh t durch einige Dolinenka re und winkelt dann scha rf nach rechts in ein schönes Kar hinein zur U nteren Windlucken , zwischen dem Felsgeschröfe des R oßa rschs und dem Felsabsturz d es Mit terbergs . Wenn an einem schönen Märztag die Sonn e wa rm herni ed erscheint, ist es hier ein herrliches R as ten ; keiner will weiter, und es stecken bisweilen an die fünfzi g Paar Skier im Schnee. Dann fo lg t in hocha lpiner Umrahmung di e T ausend-1\feter-Abfahrt durch das Loigistal. Sie bietet alles: lange Schußfa hrten mit wehend en Schn eefahn en, Steilstü cke mit schneidigen Schwungstell en , schütteren Wald, in weitgezogenen Schwüngen zu durchfahren, bisweilen sehr schöne Rückblicke auf die felsumklammerten Steilka re, durch di e j etz t zah llose Spuren ziehen, ein kurzes V erhalten bei der ve rfallenen Loigisalm, schon sehr ti ef unten, und dann noch ein langer, steiler G raben , fein zu fahren , wenn er g ut ausgeschmiert ist, di e re inste Slalombahn. Voll Liebreiz d er Ausklang ... mit ziemlichem Schuß saust man aus dem Hochwald heraus auf eine kl eine sonnenhelle Wiesenfl äche und stoppt ab neben einer unmittelbar am Wa ldesrand gelegenen und unter meterhohem Schn eepolster vergrabenen J agdhütte. Hier sitzt an Sonntagen di e ta pfere Bergrettung in Bereitschaft und wartet auf etwa gebrochene Skihaxen, zum Glück meist vergeblich. Eine schöne, eindrucksvolle und sehr zügige Skiabfahr t hat ihr Ende gefund en. Was fol gt, ist nur noch gemütlicher Auskl a ng . Nicht mehr a ll zu weit ist es bis zum Schoißwohl. Dor t haben der tüch tige Bergwirt und seine Leute a lle Hände voll zu tun, um di e durstigen K ehlen zu befri edigen mit schäumendem Bier , guter :Milch und saurem Mos t. 5

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