Oberösterreich, 4. Jahrgang, Heft 3/4, 1954

DUNKEL LASTEN di e Rauhnächte auf den engen Alpen - tä lern , durch die die R auhnac htschüsse dröhnen, um den „ Unholden " den vVeg zu den menschlichen Siedlungen zu wehren. Tiefgläubig schreitet in den einsamen Berghöfen die Bäuerin mit der R äucherpfanne durch Stube und Stall und ma lt mit weißer geweihter Kreide die Anfangsbuchstaben der H eiligen Drei Könige K aspa r, Melchior und Balthasar auf d ie Tür, um so H aus und Vieh vor dem Zutritt der „Unholde" und der „ bösen Geister" zu schützen. Di e Feste im \ ,Veihnac htskreise feiern sich selber, sagte V\Ta lter Flex, und der Mensch kann nur mit den Mitteln, die ihm die moderne Zeit zur Verfügung stellt, di ese unterstreichen und das Wesentliche hervorheben. In diesem Sinne ist es sehr erfreulich, daß in den letz ten J a hren der Glöcklerla uf von vielen Stellen geförder t und gelenkt wird, was wesentlich dazu beiträgt, da ß dieses wunderschöne Brauchtum ni cht nur erhalten, sondern auf breiter Basis aufgebaut und erweitert wird. D aß di e Vereine und Gemeinden des Sa lzkammergutes damit d en richtigen Weg beschreiten, beweist das ungeheure Interesse, das in zunehmendem 1\1.laße dem Glöcklerlauf entgegengebracht wird. Tausende M enschen kommen alle J a hre am 5. J änner, dem Vorabend des Hei ligen-Drei-König-Tages, ins Salzkammergut, um in Gmunden, Ebensee oder Bad I schl diesen herrlichen Brau ch mitzuerleben. Als di e eigentliche H eima t d es Glöcklerl aufes muß Ebensee bezeichnet werden, dessen Bevölkerung sich durch besondere Freude am Maskieren auszeichnet und am Althergebrachten zäh fes thä lt. Angetan mit we ißen Kleidern, den mäch tigen ,,K a ppen" auf den Köpfen , liefen sie schon in früheren Zeiten, in d enen es noch keine Eisenbahn und keine bequeme Straße gab, bis Gmunden und Bad Ischl, und nur die gesündesten und krä fti gs ten Burschen waren den Strapazen dieses Laufes gewachsen. \,Venn ihre Glocken, di e sie an einem Riemen am 12 ,. ~ ~ ~ Jie 9~Jck~et Rü cken befestigt hatten, durch di e stille Rauhnacht klange n, lockte es die Menschen a us d en warmen Stuben und wenn die Glöckler mit ihren leuchtenden Kappen vorbeikamen und vor den H ä usern verschnau fend innehi elten, wurden sie mit h eißen „ Glöckl erkrapfen" beschenkt. H eute zieht, wenn es dunkel wird, alles auf Straßen und Plätze und viele tausende Schau lustige drängen sich in Gmun - den, Ebensee und Bad I schl um die besten Plätze, wenn di e Glöckler mit ihren K appen, di e zum T eil a ls wahre Kunstwerke angesprochen werden können und oft eini ge hundert Arbeitss tunden erfordern., angelaufen kommen. In der Traunsees tadt Gmunden sammeln sich die Glöckler auf der Schiffslände, von wo aus die „Passen" (Gruppen von zehn bis zwanzig Lä ufern) durch das Spalier der dichtgedrä ngten Menschenmassen unter fortwä hrendem Lä uten ihrer G lokken zum Stadtplatz la ufen, auf dem sie ihre Figuren, di e vorwiegend aus Kreisen und Achtern bestehen, laufen . Aber auch der schöne, a lte Brauch des „ Sternsingens" hat in Gmunden beim Glöcklerlauf seinen großen T ag. Es ist ein wunderbarer Ausgleich zwischen heidnischem Brauchtum und ti efer christlicher Erkenntni s, wenn plötzlich a lle Glocken ve rstummen, die Passen ihre Aufstellung bezogen haben und meist vom See her sich ein leuchtender Stern der Stadt nähert. Dem Boot entsteigen die Sternsinger, sie schreiten in ihren kos tbaren Prachtgewändern durch das Spalier der Glöckler und singen da nn mit gesc hulten Stimmen Weihnachts- und Krippenlieder, und Tausende la uschen ergriffen den wunderbaren V\Teisen, d ie di e Geburt des H errn verkünden. Nachdem sich di e l\!Ienschenmassen lä ngs t ve rlaufen haben, ziehen di e Glöckl er immer noch straßauf straßab, besuchen Freunde und Beka nnte und lassen d ie Glocken durch di e ka lte R a ubnacht schellen. H ell leuchten ihre K appen in d er Finsternis, und von irgendwoher schwingen die Lieder der Sternsinger.

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