(Kulturzeitschrift) Oberösterreich, 1. Jahrgang, Heft 4, 1951

BRUNO GRIMSCHITZ ~r künstlerisches Werk ist unverwechselbar. Nicht nur im Themenkreis, den Vilma Eckl in der Darstellung der bäuerlichen Welt findet, sondern ebensosehr in der zeich- nerischen und farbigen Ausdrucksform ihrer Bilder aus dem bäuerlichen Leben. Denn einmalig im Umkreis der österrei - chischen Gegenwartsmalerei ist die leidenschaftliche, gerade- zu fanatische Hingabe an das ungebrochene Dasein bäuer- lichen Menschentums. Darf man vermuten, daß hier, in dem völligen Eingehen in das Bäuerliche, das vät erliche Erbe sublimiert an das Licht tritt? Bauern und Töpfer waren die Ahnen Vilma Eckls. Der Vater, Sohn einer kinderreichen Familie, stammt aus Eisendorf an der böhmisch-bayrischen Grenze, die Mutter gehört einer alten Budweiser Familie an. Über den Vater, der als Ingenieur zum stellvertretenden Direktor der Staatsbahndirektion Linz aufstieg, kehrt Vilma Eckl wieder zurück in den Lebensbereich des sie tra- genden Bauerngeschlechtes. Die Brücke ist die Kunst, nicht mehr die plastische Form des Töpferhandwerks, sondern die Malerei. Aber ihr, der farbigen Flächenkunst, wird der bewegte menschliche Körper zum Hauptinhalt alle r kunst - lerischen Arbeit. Die künstlerische Ausbildung Vilma Eckls dauert kurz. In den Jahren 1919 bis 1921 besucht sie die Linzer Kunst - schule des Malers Matthias May. Ein Spätimpressionist von nobler malerischer Kultur, führt May die junge Künstlerin zur Olmalerei und zur Aktdarstellung. Reisen nach Deutsch - land, Italien und in die Schweiz erweitern mit der Kenntnis der großen Kunstsammlungen das Gesichtsfeld Vilma Eckls . Es ist für die Tiefe ihrer künstlerischen Gesinnung bedeut- sam, daß über ihrem Leben schon früh Hans von Marees, der größ t e der deutschen Maler des 19. Jahrhunderts, als Leitstern steht. Vilrna Eck! verehrt diesen Meister seit ihrer Jugend und empfängt in München von dem künstlerischen Werk dieser adeligen, breiter Wirkung so sehr sich versa- genden Persönlichkeit unvergeßliche Eindrücke. Die Er- höhung des Menschlichen, die Entrückung des Wirklichen in eine wirklichkeitsferne Welt der Phantasie von symbol- hafter Bedeutung ergreift ihre Seele. Si e ist nicht weniger Sämtliche Photos von der Kiinstlerin. Blaue Tänzerir111c11. von van Gogh fasziniert. Selbst aktiv, von einem drängen1 bewegten Ausdrucksbedürfnis erfüllt , überwältigt sie das bis zur Selbstentäußerung vo rstürmende Schaffen van Goghs. Es überwälti gt jene absolute Wahrhaftigkeit der künstlerischen Sprache, die van Gogh mit Marees teilt. Es überwältigt sie di e revolutionäre Intensität der Farben van Goghs , die über den Impressionismus hin- aus zu einer neuen künstlerischen Umwertung des Wirk- lichen führt. Die drei Bände der Briefe van Goghs begleiten die Künstlerin, wie das große W erk über Marees von Meier-Graefe zu ihrem ständigen Umgang wird und ihre Vorsteliung von den Originalen des Meisters lebendi g erhält. Hinter Marees und van Gogh stehen von den Gro- ßen der Vergangenhei t Giotto, Leonardo und Rembrandt. Von ihren Schöpfungen spricht Vilma Eck! mit jener Ehr- furcht, di e von einer verehrungsb ereit-en Liebe erwärmt ist. Es ist di e Liebe eines st arken und hingabefähigen Herzens. 15

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